Dimitri Michael Ikonomu
Äußerst zufrieden war sein Chef immer mit ihm: Zuverlässig und effizient erledigte Bernhard Schors über fünfzehn Jahre lang die Buchhaltung der Firma. Stundenlang saß er täglich am Computer, bezifferte Soll und Haben und trug Zahlen korrekt in die Gewinn- und Verlustrechnung ein. Doch seit diesem Jahr ist Schluss damit: Schors kann sich nicht mehr richtig konzentrieren, sieht häufig ein Flackern vor seinen Augen und leidet an starken Rückenschmerzen. Endstation: Der Körper macht nicht mehr mit, denn Schors hat sich immer blind auf seine Arbeit gestürzt, solange er nur konnte. Übertriebenes Pflichtbewusstsein hat ihn geblendet: Pausen hat er sich kaum gegönnt.
Unterbrechen und nicht zusammenbrechen
Im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern wird bei uns oft immer noch nicht gesehen, wie wichtig regelmäßige Pausen bei der Arbeit am Bildschirm sind. Die gönnt man sich vor allem nur dann, wenn mal nicht soviel anliegt. Eile mit Weile: Gerade wenn viel zu tun ist, sind Pausen besonders wichtig für Gesundheit und Konzentration. Im allgemeinen gilt die Faustregel: Nach 50 Minuten Arbeit am Bildschirm sollte man sich zehn Minuten entspannen. Wenn der Druck in der Start-up-Zeit zu groß ist, wenigstens alle 90 Minuten. Achten die Mitarbeiter nicht darauf, arbeiten sie eher schlechter als die, die es besser mit ihrer Gesundheit meinen. Gerade am Nachmittag ist der Leistungsabfall viel größer, wenn wichtige Pausen am Morgen nicht gemacht wurden.
Bei falschem Bürolicht kein Auge zudrücken
Manche Mitarbeiter machen große Augen, wenn sie erfahren, dass die Lichtverhältnisse in ihrem Büro gesundheitsschädlich sind. Der Computer sollte immer im rechten Winkel zum Fenster stehen. Einfallendes Sonnenlicht kann für die klassische Arbeit mit Papier ideal sein, bei der Bildschirmarbeit aber blenden und Spiegelungen verursachen. Zahlen und Buchstaben auf dem PC-Schirm eignen sich dann zum Rätselraten. Einstellbare Tageslichtfilter-Lamellenvorhänge helfen, denn sie dämpfen das Licht.
Das ist besser als zu stark abzuschatten: Die Augen von Mitarbeitern in Büros mit getönten Scheiben zum Beispiel werden mit der Zeit lichtempfindlicher. Schattenzonen sollten zwar ausgeleuchtet werden; dennoch muss sich das Auge erholen können. Das geht nicht, wenn der Raum nur mit Leuchtstoffröhren voll beleuchtet wird. Schreibtischlampen haben ein natürliches Lichtgefälle und sollten die Raumbeleuchtung ergänzen. Auch bei künstlichem Licht braucht das Auge verschiedene Helligkeitszonen. Mutter Natur macht es vor. Die Lichtintensität sollte von oben nach unten abnehmen, die Decke heller (am besten weiß) und der Boden dunkler sein. Genau wie draußen: Der Himmel ist auch heller als die Erde.
Der Computer ist nicht Humphrey
"Schau mir in die Augen, Kleine!" Ingrid Bergman wurde in "Casablanca" nicht müde, ihrer großen Liebe Humphrey Bogart lange tief in die Augen zu sehen. Ständig tief in den Computer blicken - das ermüdet die Augen allerdings schnell. Aber an brennenden Augen, die verschwommen sehen, sind nicht immer nur die anderen oder die Umgebung schuld. Nach längerer Zeit am Schirm stellt sich der so genannte Röhrenblick ein: Der Mitarbeiter befindet sich nicht in einer tiefen Meditation und öffnet seinen Geist, sondern schließt vielmehr sein Blickfeld durch das konzentrierte Schauen auf den Computer ein.
Gesunder Menschenverstand würden ihn vor diesem dümmlichen Blick bewahren. Man schaue einfach immer wieder bewusst während der Arbeit vom Bildschirm weg. Gut ist auch, von Zeit zu Zeit in die Ferne zu sehen, mit den Augen schmetterlingsartig zu blinzeln oder sie eine Minute lang zu schließen. Übrigens, wenn der gewünschte Blick über den oberen Bildschirmrand in die Ferne direkt an einer kahlen Wand endet, steht der Computer hoffnungslos am falschen Platz.
Weg vom Bildschirm
Büromitarbeiter sollten Mut fassen und sich von ihrem Computer distanzieren: Der Abstand zwischen Augen und Bildschirm sollte mindestens 50 Zentimenter betragen, die Augenhöhe mit der oberen Bildschirmkante parallel liegen. Die Sitzhaltung möglichst gerade, Beine und Arme am besten zu 90 Grad angewinkelt.
Auch die Bildschirmgröße kann helfen: Ein 14-Zoll-Monitor ist eigentlich zu klein für die Textverabeitung mit fünf Millimeter großen Zeichen. 17-Zoll-Bildschirme sind besser - für Graphiken, Tabellen und Buchhaltungsprogramme ebenso. Positiv-Schirme (dunkle Schriftzeichen auf hellem Hintergrund) sind besser: Sie schonen die Augen mehr als Negativ-Schirme (helle Schriftzeichen auf dunklem Hintergrund).
Mit beiden Beinen im Büro stehen
John Lennon nahm 1968 seinen Song "Revolution" im Liegen auf; in dieser Position konnte er seine Gefühle besser ausdrücken. Viele Büromitarbeiter fühlten sich auch besser und würden ihren Bandscheiben einen Gefallen tun, wenn sie einige Arbeiten im Büroalltag im Liegen erledigten, anstatt ständig im Sitzen. Der im Liegen arbeitende Buchhalter, das ist heute noch Zukunftsmusik. Im Kommen hingegen ist die Arbeit im Stehen. Die Natur hat nicht vorgesehen, dass der aufrecht gehende Homo Sapiens zum Homo Bürotikus mutiert, der 80 Prozent während des ganzen Tages und im Büro fast nur noch auf seinen vier Buchstaben sitzt. Die meisten krankheitsbedingten Fehltage gehen heute auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurück. Die Belastung auf der Bandscheibe der Lendenwirbelsäule ist im Sitzen 40 Prozent höher als im Stehen.
Das ideale Büro bietet eine Kombination aus Sitz- und Steharbeitsplatz. Neben dem klassischen Schreibtisch sollte ein Stehpult sein. Telefonieren, besprechen, Post und Ablage bearbeiten, lesen, schreiben, diktieren und denken - warum eigentlich nicht am Stehpult? 15 Minuten pro Stunde stehen können kleine Wunder bewirken. Rücken- und Nackenbeschwerden verschwinden. Studien der University of Southern California zufolge wird außerdem das Gehirn im Stehen besser durchblutet und die Reaktionsfähigkeit nimmt um 20 Prozent gegenüber dem Sitzen zu.
Sitzfleisch im wohltemperierten Büro bewegen
Fachleute empfehlen das so genannte dynamische Sitzen. Damit geben sie dem Zappelphilipp im Struwwelpeter endlich recht: Regelmäßiges Bewegen auf dem Stuhl durchblutet die Muskulatur; Wirbelsäule und Gelenke werden entlastet. Ein guter Stuhl kann dabei helfen. Er ist zum Beispiel nicht zu hart gepolstert, seine Sitzfläche ist anatomisch geformt, die Rückenlehne unterstützt die Wirbelsäule und lässt sich neigen und die Sitzhöhe ist einstellbar.
Richtig eingestellt sollte auch die Raumtemperatur sein, damit im Büro keine dicke sondern immer reine Luft herrscht. Ideal sind zwischen 19 und 22 Grad Celsius: Die Menschen fühlen sich bei dieser Temperatur am wohlsten. Das Raumklima sollte für die Büromitarbeiter nicht einfach Luft sein. Die ideale Luftfeuchtigkeit bei der Arbeit am Computer beträgt 50 bis 60 Prozent und verhindert, dass Augen zu schnell austrocknen.
Buchhalter Bernhard Schors könnte in die Luft gehen, wenn er sieht, was er in seiner Bürolaufbahn am Computer alles falsch gemacht hat. Was er heute für seine Haltung richtig macht, ist leider unfreiwillig: Nach seinem Bandscheibenvorfall liegt er sehr viel; in der Position fühlt er sich am wohlsten.
Buchtipp zum Thema:
Eva Spitzer-Nunner,
Harry Spitzer
"Gutes Sehen am Computer"
Econ Taschenbuchverlag
Preis: 110 Schilling
Internetadresse: http://www.uffix.at




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 