Matthias Krieger
Um den Markt für neue Dienste zu begeistern, müssen diese schon mit GPRS eingeführt werden. Auch deshalb, weil der UMTS Rollout erst 2002 beginnt, und erst zwei Jahre später eine flächendeckende Versorgung vorhanden sein wird. Dies ist auch einer der größten Vorteile der bisherigen Netzbetreiber gegenüber den neu eintretenden UMTS-Betreibern Hutchison und Telefonica. Beide haben keinen Kundenstamm, keine bekannte Marke, und vor allem kein Funknetz. Neben der Tatsache, daß Österreich nur 8.1 Millionen Einwohner hat, und mit 5.5 Millionen mobilen Kunden ein beinahe gesättigter Markt ist, sind sechs Betreiber einfach zu viel. Kooperationen sind unausweichlich. Im ungepaarten Frequenzbereich, welcher Ideal für das TimeDivision/CodeDivision MultipleAccess Verfahren an der Luftschnittstelle ist, und daher tatsächlich Übertragungsraten von 2 Mbit/s erlaubt, konnten Mobilkom, max.mobil und Hutchison Frequenzpakete ersteigern. Dies macht Hutchison interessant für Kooperationen mit Lizenznehmern, die keine diesbezüglichen Frequenzen halten. Von den bisherigen GSM-Betreibern wären das Connect Austria und Tele:ring. Andererseits wäre dies auch der Grund ein eigenes Netz aufzubauen.
Die Serviceprovider
Da die Mehrwertdienste und damit die Gewinne nicht mit der bloßen Infrastruktur, sondern mit den Applikationen und Services verdient werden, ist es nicht ausschlaggebend, ein eigenes Netz aufzubauen, um UMTS-Dienste anbieten zu können.
Die Service- und Applikationprovider werden über die verschiedenen Gateways, einfachen, IP-basierenden Zugang zum UMTS-Corenetwork erhalten. Schon jetzt werden zukünftige Services entwickelt, und Ideen gesucht. Hersteller und Betreiber suchen gemeinsam in eigenen Entwicklungszentren zusammen mit facheinschlägigen Universitätsinstituten österreichweit Ideen für e/m-commerce Applikationen. Beispielsweise die Kooperation zwischen Siemens und max.mobil www.ec3.at. Der Vorteil: neue kreative Ideen, unterstützte Diplomarbeiten, und neue potentielle Mitarbeiter.
Die Businesskunden
UMTS/GPRS Kunden sind auch wie bisher in prinzipiell zwei Klassen zu Teilen. Die profitable, serviceorientierte Businessklasse und in die absatzgeförderten, ebenfalls rentablen Privatkunden.
Business to Business Portale werden an Stellenwert gewinnen. Unternehmer die jetzt schon Geschäfte über ein solches Portal machen, werden noch flexibler, und können schneller auf Marktänderungen reagieren, und beispielsweise Überkapazitäten am Freitagabend oder am Wochenende zum Handel anbieten. Umgekehrt haben Unternehmungen den Vorteil, die Produktion nicht stoppen zu müssen und Geld zu verlieren, wenn am Wochenende die Rohstoffe/Material ausgehen.
Die Privatkunden
Für Privatkunden wird sich ebenfalls einiges ändern, da die U-SIMkarte gleich mit Bankomatfunktionalität ausgestattet ist.
Damit entfällt der unsichere, kreditkartenabhängige Zahlungsverkehr, wie er derzeit im Internet vorherrscht. Dieser Umstand ist auch einer der Gründe, warum viele potentielle Kunden, E-Commerce erst träge nutzen.
Die Services
Neben dem mobilen Internetzugang wird es selbstverständlich auch mobilen Intranet/Extranet Access geben. Dies ist vor allem für Unternehmen mit einer großen Anzahl an Außenmitarbeitern interessant. Auch Teleworking bekommt in diesem Zusammenhang einen vollkommen neuen Stellenwert.
Mit einem Notebook und einer U-SIMcard können Mitarbeiter in Zukunft überall produktiv sein. Ob nun Zug, Flugzeug, Auto, oder im Ausland, es wird keine Zeit mehr durch unnötiges Warten verschwendet werden. Außerdem sind IT-Applikationen wesentlich kostengünstiger in der Entwicklung als Telekommunikationsdienste, und wesentlich unkomplexer zu entwickeln.
Dadurch wird jedem die Möglichkeit geschaffen, eigene Applikationen via UMTS-CoreNetwork der Welt anzubieten. Dies betrifft vor allem die KMU´s, zukunftsweisende Services zu entwickeln, und über eine der Schnittstellen zum UMTS-Corenetwork weltweit anzubieten. Diese müssen aber oft erst von den Vorzügen überzeugt werden.
Im Prinzip könnten mögliche Applikationen die selben wie im Internet sein. Chatrooms, Newsgroups, Online-Games, Portale, Newsletter, um nur einige zu nennen.
LocationBasedServices
Location Based Services basieren auf der Tatsache, daß die Funkzelle, in der sich der Gesprächsteilnehmer befindet, im Netz bekannt ist. Funkzellen können verschieden groß sein, im urbanen Gebiet kleiner, am Land größer. Nun kann sich der Teilnehmer aber genau an der Grenze zwischen mehreren Zellen befinden, und die mögliche Abfrage nach der nächsten Tankstelle einen Ort liefern, der am anderen Ende der Zelle liegt, obwohl sich die geographisch nächstliegende Tankstelle in der Nachbarzelle befindet. Diese Ungenauigkeiten können mit speziellen Ortungsverfahren vermieden werden.
Sinnvoll ist die Anwendung im Fall von Roaming im Ausland, um aufenthaltsortabhängige Informationen zu bekommen.
Weiters könnte der Service auch als Triggermechanismus funktionieren, um beispielsweise ein Begrüßungsemail zu erhalten, oder um beim Besuch einer Veranstaltung sofort das komplette Programm und zusätzliche Informationen auf das Engerät gesandt zu bekommen.
Conclusio
NTT DoCoMo, der japanische staatliche Mobilfunkbetreiber, hat schon vor einem Jahr mit dem I-Mode die Vorstufe zur nächsten Generation gestartet und erst kürzlich die Entwicklung eines Netzes der vierten Generation bekanntgegeben.
Im 2.Quartal 2001 wird GPRS flächendeckend in Österreich starten, samt den ersten m-commerce Services.
GPRS wird nicht zeitabhängig wie bei GSM der Fall, sondern Datenvolumenabhängig vergebührt werden. Wir dürfen gespannt sein, welche Dienste die Betreiber anbieten, um den eigenen Kunden die Vorzüge der neuen Technologien zu präsentieren.



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 