Corinna Fehr & Christian Henner-Fehr
Gewinnwarnungen, Kursstürze und misslungene oder verschobene Börsengänge dominieren als Themen die aktuelle Berichterstattung. Die Euphorie ist verflogen und Ernüchterung eingekehrt.
Zeit und Gelegenheit auch für uns, in einer Beitragsreihe der Frage nachzugehen, was sich eigentlich in Österreich in Sachen New Economy tut, wie das Technologie- und Informationszeitalter auch gerne umschrieben wird. Noch vor kurzer Zeit stand New Economy für neue Regeln, unendliches Wachstum und vor allem viel Geld, und die Propheten sahen das Ende der Old Economy gekommen.
Heute sind wir viel vorsichtiger geworden und müssen erkennen, dass gewisse Regeln wohl weiterhin gelten. In einer Studie über deutsche Start-up-Unternehmen sieht die Unternehmensberatung Bain & Company diese Zweiteilung zwischen neu und alt als nicht zielführend an und spricht von einer "one economy" (zu finden im Internet unter www.one-economy.de). In dieser werden vor allem die Unternehmen Erfolg haben, die die Synergien zwischen alt und neu als erste erkennen und nutzen können. Nicht so sehr im Gegeneinander, sondern eher im Miteinander scheint die Zukunft zu liegen.
Risikokapital als neues Finanzierungsinstrument
Tatsache ist es aber, dass die Entwicklungen der letzten Jahre zu einschneidenden Veränderungen im Wirtschafts- und Finanzbereich geführt haben. Waren junge Unternehmen früher auf staatliche Unterstützung und Bankkredite angewiesen, so steht ihnen heute der Venture (engl. für Wagnis/Risiko) Capital- oder Risikokapitalmarkt zur Verfügung.
Da Start-up-Unternehmen in der Regel über keinerlei Sicherheiten verfügen und erst in der Phase des Unternehmensaufbaus stecken, in der noch keinerlei Einnahmen erzielt werden, kommen sie für die klassischen Finanzierungsformen nicht in Frage. Mit einer erfolgversprechenden Geschäftsidee gelingt es ihnen aber unter Umständen, einen Risikokapitalgeber zu überzeugen, der ihnen dann für eine bestimmte Zeit Geld zur Verfügung stellt und dafür Anteile an dem Unternehmen erhält. Da es sich hierbei um Eigenmittel handelt und so keine Zinsen gezahlt werden müssen, ist diese Variante für Start-ups kostengünstiger als ein Bankkredit.
Natürlich stellt der Risikokapitalgeber sein Geld nicht umsonst zur Verfügung. Er spekuliert darauf, dass sich der Wert des Unternehmens - und damit auch sein Anteil - kräftig erhöht, und er bei Beendigung seines Engagements und bei Verkauf seiner Anteile einen entsprechenden Gewinn erzielen kann.
Im Verlauf dieser Serie wollen wir uns den österreichischen Venture Capital Markt etwas genauer anschauen. Wer sind die Start-up-Unternehmen und wer stellt ihnen das Risikokapital zur Verfügung? Wie kommt man zusammen und nach welchen Kriterien geht man vor? Wir werden jeden Monat ein solches Paar, bestehend aus Risikokapitalgeber und Start-up, vorstellen und beide Seiten dabei zu Wort kommen lassen.
Der Erfolg braucht nicht nur Geld allein
Geld ist aber nur ein Aspekt, wenn es um den Erfolg junger Unternehmen geht. Selbständigkeit ist vor allem eine Frage der Einstellung und nicht ohne Grund wird schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass der Drang nach Selbständigkeit in Österreich eher unterentwickelt ist.
So sieht auch Walter Karban, Geschäftsführer der Internetsuchmaschine AustroNaut hier einen der Hauptgründe für das österreichische Zurückstehen hinter anderen europäischen Ländern. Seiner Meinung nach fehlt es weder an Geld noch an Ideen, sondern vielmehr an unternehmerischem Handeln.
"Wir haben alle ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsdenken und sind nicht bereit, auch mal ein Risiko einzugehen", so Karban. Was wird also getan oder muss getan werden, um mehr Menschen dafür zu gewinnen, sich mit der Selbständigkeit oder einer Unternehmensgründung zu befassen? Fragen, die sich auch an den Bildungsbereich richten. Ist unternehmerisches Handeln lernbar? Auch dieser Frage werden wir nachgehen.
Start-up-Unternehmen kommen sich zwar unter Umständen manchmal sehr einsam vor, finden aber mittlerweile ein sehr engmaschiges Netz vor, das um sie herum geknüpft worden ist und ihnen Unterstützung bringen soll. Gründerwettbewerbe rufen zum Verfassen von Businessplänen auf, Business Angels und Inkubatoren bieten ihre Dienste an und selbst der Staat offeriert verschiedene Beratungs- und Serviceleistungen, um den Jungunternehmern unter die Arme zu greifen und ihnen zum Erfolg verhelfen. Bevor wir alle die vorstellen, die sich um das zarte Pflänzchen Start-up kümmern, werden wir uns in der nächsten Folge erst einmal die Start-up-Unternehmen selbst anschauen. Wer sind sie und welche Erwartungen haben sie? Sind sie auf das schnelle Geld aus, das immer wieder versprochen wird oder sind es Menschen, die von ihren Ideen überzeugt sind und die die Bereitschaft mitbringen, für deren Umsetzung auch Risiken einzugehen?




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