Christian Henner-Fehr
Der Startschuss erfolgte mit einem großen Kick-off Event im Festsaal des Wiener Rathauses, zu dem über 1000 eingeladene Gäste aus dem IT-Bereich zusammenkamen.
Nachdem eine solche Initiative in Deutschland unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzlers Gerhard Schröder große Resonanz gefunden hat, soll nun auch Österreich auf die Anforderungen des Informationszeitalters vorbereitet werden. Als Netzwerk konzipiert "möchten wir eine Vielzahl von Aktionen und Projekten anstoßen, an denen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Vertreter aus Wissenschaft und Politik beteiligt sein werden", erläutert der Präsident der OCG Prof. Dr. A Min Tjoa.
Für Prof. Dr. Günter Haring von der Universität Wien geht es vor allem darum, das IT-Umfeld in Österreich zu stärken. "Wir wollen Initiativen anregen und einen Bewußtseinsbildungsprozess auslösen, denn Österreich ist ein Hochtechnologieland." Für die an der Initiative beteiligten Unternehmen geht es nicht nur um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die IT-Wirtschaft, sondern in einem drängenden Ausmaß auch um den Nachwuchs. Auch wenn sich Wirtschaft und Politik nicht auf genaue Zahlen einigen können, an der Tatsache, dass qualifizierte Fachkräfte Mangelware sind, führt kein Weg vorbei.
Für Mag. Manfred Prinz, Geschäftsführer von CSC Austria, stellt der Fachkräftemangel die größte Entwicklungsbarriere dar. "Wir würden sofort 50 Fachkräfte einstellen, wenn wir sie irgendwo her bekommen könnten." Als global tätiger IT-Dienstleister unterscheidet sich CSC in seiner Unternehmensstruktur von den meisten österreichischen IT-Unternehmen. 56% der Firmen arbeiten mit maximal 9 Beschäftigten, bei 26% beträgt die Zahl der Mitarbeiter höchstens 49. Es gibt also keinen inländischen IT-Großkonzern, wie Günther Krumpak, Leiter von AT21, feststellt. "Wenn wir von österreichischen Spitzenunternehmen sprechen, beziehen wir das immer auf ihre Technologie oder Spezialisierung, nicht auf ihre Größe", so Krumpak. Und so fallen die österreichischen Unternehmen trotz ihrer Erfolge mangels Marketing und PR kaum auf. Das internationale Marketing zu forcieren, ist demnach auch eine weitere wichtige Aufgabe von AT21. Auch wenn sich vor allem nach dem EU-Beitritt österreichische Unternehmen auf den internationalen Märkten etablieren konnten, so ortet Krumpak hier noch erheblichen Nachholbedarf.
Die österreichische IT-Wirtschaft, die schon heute ca. 4% des BIP erwirtschaftet, kann diese Initiative also gut gebrauchen. Vielleicht sind es dann in ein paar Jahren nicht nur die Mozartkugeln, sondern auch die Leistungen österreichischer IT-Unternehmen, über die man im Ausland spricht.




1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 