Wie lange gibt es Actebis in Österreich?
Actebis ist ein deutscher Konzern im Besitz des Otto-Versands, der bereits einen wesentlichen Teil seiner Geschäftstätigkeit per Internet abwickelt und dem unter anderem eben auch Actebis gehört.
Die Actebis-Gruppe selbst ist kein klassischer Distributor, sondern ein Konzern, der eben unterschiedlichste Bereiche im IT-Umfeld abdeckt. Das bedeutet, dass neben der klassischen Distribution auch der Servicebereich als eigenes Unternehmen des Konzerns geführt wird. So gibt es eigene Produktionsstätten, in denen nicht nur unsere Eigenmarken wie Targa und Peacock gefertigt werden, sondern in Lizenzfertigung Produkte für namhafte Hersteller wie Hewlett-Packard, Compaq und IBM vom Band laufen.
Man kann dies als Weiterentwicklung der Herstellerphilosophien verstehen, die sich zusehends darauf konzentrieren, in den Bereichen der Vermarktung und der Lizenzierung Schwerpunkte zu setzen, die sich in Bezug auf Produktion und Logistik nun Unternehmen wie der Actebis-Gruppe bedienen.
Was unterscheidet Actebis von anderen Unternehmen in diesem Marktsegment?
Betrachtet man die großen Konzerne, so gibt es tatsächlich keinen anderen, der ein ähnliches Bild wie die Actebis-Gruppe vermittelt, weil alle anderen, die in diesem Geschäft tätig sind, sich sehr stark auf die klassische Distribution konzentriert haben.
Man muss dies nun unter dem Blickpunkt sehen, dass sich ein Distributionsunternehmen wie unseres ja ändert. Das Aufgabenfeld ändert sich, der Druck der Margen bei der Hardware ist sehr groß, nicht nur für die Hersteller, sondern ebenso für die Distributoren. Unter diesem Gesichtspunkt hat nun die Actebis-Gruppe sehr gute Voraussetzungen, das Produktangebot, das Serviceangebot in völlig andere Bahnen zu lenken. Und genau das ist unsere Philosophie.
Das "klassische" Distributionsgeschäft bleibt natürlich auch weiterhin Teil dieser Philosophie, es stellt aber nur einen Ausschnitt des Ganzen dar, und das ist auch die Intention der Zentrale unserer Holding.
Welche Rolle spielen hier die Eigenmarken?
Hier wird versucht, europaweit in den Ländergesellschaften die Unternehmen so zu positionieren, dass es neben der klassischen Broadware-Distribution mit den bekannten Produktlinien auch starke Akzente gibt in Richtung Eigenmarken-Assemblierung und Konfiguration für händlerspezifische Bedürfnisse. Da haben wir den Vorteil, dass wir hier über große Erfahrung und über ein sehr gutes Know-how verfügen.
Außerdem gehört seit kurzem auch die Peacock-Gruppe zu Actebis, sie war ein eigenständiger Konzern, der erst vor relativ kurzer Zeit in die Actebis-Gruppe eingegliedert wurde. Hier haben wir sehr große Erfahrung im Serverbereich, die wir nun ebenfalls nutzen wollen. Um nun Überschneidungen zu vermeiden, wurde beschlossen, den oberen, professionellen Anwendungsbereich der Marke Peacock zuzuordnen, der Consumer-Bereich bleibt der Marke Targa.
Was bringt das für Vorteile?
Unser Vorteil ist: wir haben für eine solche "Zwei-Marken-Philosophie" die entsprechenden Produkte und das erforderliche Know-how. Und da sich dies allen bei uns in Europa abspielt, haben wir hier wesentlich kürzere Entscheidungswege als Firmen, die in Fernost oder etwa in den USA beheimatet sind. Das macht uns natürlich um einiges flexibler und schneller.
Der gesamte Markt ist ja in ständiger, dynamischer Bewegung, da haben wir mit den vielfältigen Voraussetzungen und Ausrichtungen der Gruppe Vorteile, die wir nutzen können, um uns in den Vordergrund zu stellen und eventuell sogar eine führende Position einzunehmen.
Es bauen doch viele Anbieter in Europa ihre eigenen PCs zusammen - rentiert sich das überhaupt noch?
Hier geht es um eine Art von "kritischer Masse"! Wenn ein Unternehmen groß genug ist, kann es damit Gewinne machen. Allerdings ist es für viele Konzerne schwierig, in Europa zu produzieren. So gibt es auch viele Beispiele, bei denen die Produktion ausgelagert wird, beispielsweise nach Asien.
In der Actebis-Gruppe ist es so, dass wir die Produktion in den Osten Deutschlands "ausgelagert" haben. Es ist natürlich in weiterer Folge auch möglich, dass wir Teile unserer Produktion einmal nach Osteuropa auslagern und dort produzieren. Wir sind in Osteuropa auch entsprechend vertreten und es gibt durchaus Überlegungen, dort auch einmal in dieser Richtung aktiv zu werden.
Es läuft ja letztlich auf einen Kompromiss hinaus, einerseits muss man hier sehr schnell auf den Markt reagieren, hier sind die Entscheidungswege in Europa kürzer, und andererseits gibt es natürlich auch den Druck von der Kostenseite her, die Produktion in Länder auszulagern, in denen sich dies auch rechnet. Mit einem Wort: es geht darum, einen richtigen Mix daraus zu machen.
Und deshalb auch der Vorstoß in den professionellen Qualitätsbereich?
Auf jeden Fall. Sie müssen das so sehen, dass es hier seitens der A-Brand-Hersteller eingefahrene Schienen gibt und die auch mit allerlei Problemen zu kämpfen haben. Da ist es ganz gut, hier mit einer Marke aufzutreten, bei der man selbst hier in Europa alle Fäden in der Hand hält. Wo man zum Beispiel eine Sortimentspolitik machen kann, die nicht von Amerika oder Japan geprägt ist und die speziell auf die Bedürfnisse der europäischen Händler eingeht.
Actebis hat ja weit mehr Produkte als nur die PCs. Was gibt es da noch alles?
Actebis hat sich in Österreich in der Vergangenheit sehr stark für die Eigenprodukte wie Targa und teilweise auch Peacock positioniert und ebenso als Distributor für Komponenten wie zum Beispiel Festplatten, Speicher usw. Dieses Bild hat sich in letzter Zeit stark gewandelt, wir haben mit einigen renommierten A-Brand-Herstellern Verträge abgeschlossen, um einfach unser Produktportfolio zu komplettieren, damit wir unseren Partnern alles aus einer Hand anbieten können. Dementsprechend haben wir unsere Organisation, unserer Voraussetzungen und unser Know-how entsprechend angepasst.
Dabei gibt es einfach verschiedene Kundensegmente, vom Retailverkauf über den traditionellen Händlerbereich bis zum Systemhausgeschäft. Hier sehen wir es als unsere Aufgabe an, einfach gut sortiert zu sein. Dabei geht es nicht alleine um die Anzahl der Produkte, die wir liefern können. Um erfolgreich zu sein, müssen wir unseren Partnern auch die Qualität in der Betreuung und das Know-how bieten können. So versuchen wir überall dort, wo wir aktiv sind, immer mit den Top-Partner zu agieren.
Mit anderen Worten: weg vom reinen Geräteverkauf und hin zu umfassenden Lösungen. Wenn wir beispielsweise ein Netzwerk anbieten, dann umfasst das nicht nur die Netzwerkkarten, sondern auch die Server, die Software, einfach das ganze Paket. Außerdem wollen wir über Ressourcen verfügen, um auch große Projekte abzuwickeln. Das umfasst die Betreuung ebenso wie die Projektabwicklung.
Welches ist die Zielrichtung in Österreich in den nächsten Jahren?
Actebis hat sich in Österreich drastisch gewandelt, unsere Absicht ist es nun, dieses Bild - ein hoher Service-Level, hohe Qualität und erfahrene Betreuung - unseren Partnern auch entsprechend zu vermitteln. Denn alleine über die Produkte werden wir uns wohl kaum differenzieren können, ausgenommen vielleicht mit den beiden Eigenmarken.
Dazu stellen wir auch an unsere Mitarbeiter hohe Ansprüche, sie werden laufend geschult und weitergebildet, um so sicherstellen zu können, dass die von uns betreuten Partner auch zufriedene Partner sind.
Was ist nun das "wirklich Neue" bei Actebis?
Das Neue daran ist, dass wir nun in neue Segmente gegangen sind. Wir haben einerseits wie schon erwähnt den Bereich der Eigenmarken - Targa und Peacock - erweitert, andererseits haben wir auch eine Reihe neuer Hersteller in unser Programm genommen, darunter Namen wie Compaq, Toshiba, etc. Damit gibt es in unserem Angebot nun eine Reihe neuer Segmente, wofür wir auch das Bild von Actebis in der Öffentlichkeit entsprechend korrigieren müssen. Schließlich sind wir nun auch in diesen Bereichen voll sortiert und können entsprechende Lösungen anbieten.
Und der gesamte Vertrieb läuft über die Partner, und Actebis selbst verkauft nicht direkt an Kunden, auch nicht an Großkunden?
So ist es. Wir haben mit unseren vielen Partnern strikte Vereinbarungen getroffen und es liegt nicht in unserem Interesse, hier schnelle Geschäfte zu machen und damit zugleich das von unseren Partnern in uns gesetzte Vertrauen zu untergraben. Das wäre eine schlechte Strategie.
Wie reagiert Actebis auf den neuen Trend zum Application Server Providing?
Sobald dieser Markt sich weiter entwickelt, werden wir unsere Partner auch in diesem Bereich bis zu einem bestimmten Niveau unterstützen und ihnen nach ihren Spezifikationen konfigurierte Lösungen bieten, beispielsweise durch vorkonfigurierte (dicke oder dünne) Clients, oder aber auch dadurch, dass wir über Vereinbarungen mit Softwareherstellern sicherstellen, dass auch schon bestimmte (Standard-) Applikationen bereits auf diesen Servern installiert sind, wenn wir sie ausliefern. Genau genommen könnten wir das heute schon, wir verfügen bereits jetzt über die hierzu erforderlichen Kapazitäten.
Gibt es hier noch weitere Neuerungen?
Eine weitere Komponente in diesem Zusammenspiel ist ja auch, dass sich nicht nur das Bild der einzelnen Teilnehmer an diesem Markt - vom Hersteller über Distributor und Händler bis zum Endkunden - ändert, sondern es ändert sich auch die Art und Weise, wie diese Vorgänge getan werden.
Deshalb gibt es in der Actebis-Gruppe eine neue Initiative, ein europaweites Steuerungskomitee, das sich einfach darum kümmert, Businessprozesse, die heute noch klassisch ablaufen, auch elektronisch abzubilden und als ERP-Kette zu realisieren. Hier gibt es bereits Applikationen, und dieses Komitee bündelt und kanalisiert alle diesbezüglichen Erfahrungen innerhalb der gesamten Actebis-Gruppe.
Als Ziel wollen wir alle unsere Partner und unsere Lieferanten in dieses Netzwerk einbinden. Dann können beispielsweise unsere Partner direkt auf unser Lager zugreifen, den Stand eines Produktes abfragen und diese Ware dann sofort ihren Endkunden anbieten. All dies sind Businessprozesse, die heute bereits möglich sind und wo es einen wachsenden und zukunftsträchtigen Markt gibt.
Aus diesem Grund wollen wir hier für eine stärkere Integration unserer Partner sorgen. Schließlich funktioniert die gesamte "Supply Chain" auf dieser Methodik, auf der Verwendung von Applikationen, die dies alles berücksichtigen.
Die Actebis-Gruppe entwickelt mit renommierten Partnerunternehmen auf diesem Gebiet auch entsprechende Lösungen und hat hier schon die ersten Kooperationen in die Wege geleitet. Sie will für ihre Partner auch Standards definieren, damit unsere Partner sich dann auf einfache Weise in dieses System einklinken können. Dabei wollen wir jedoch proprietäre Lösungen vermeiden, das System soll für unsere Partner möglichst einfach zu handhaben und zu administrieren sein.
Herzlichen Dank für das Gespräch.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 