Evan Mahaney
Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar
Als ich mit ihnen diesen Morgen an meiner Tastatur zusammentraf, kugelten sie wieder einmal über die einzelnen Buchstabentasten, Zifferntasten und sogar bis hinauf zu den Funktionstasten. Sie waren außer sich und lachten Tränen. Ich musste auch ein wenig lächeln, und natürlich die Frage stellen: "Was ist denn so lustig?"
Frau Spott war die erste, die sich wieder halbwegs unter Kontrolle brachte und meine Frage beantworten konnte. "Wir lesen Inserate im The Industry Standard" erklärte sie. "Und die sind wahnsinnig komisch. Einfach köstlich. Wollt Ihr auch was zu lachen haben?" Das erwähnte Magazin ist ein Branchenjournal, das die Internet Economy zum Gegenstand hat. Dort gefällt man sich als B2B-Experte - für Business-To-Business Trade.
Frau Spott lacht nur selten. Aber als sie Passagen aus den Anzeigen in diesem Magazin vorlas, musste sogar sie kichern. "Wir von [Name der Firma der Redaktion bekannt] haben uns die Lieferung herausragender Resultate im Online-Marketing auf die Fahnen geheftet. Aus diesem Grund bieten wir nahtlos integrierte Medien, die innerhalb einer Kampagne und über einen ganzen Online-Medienmix hinweg optimal entworfen sind. Unsere analytischen Tools sind truly actionable und für resultatorientierte Planung gebaut. Dazu gehören auch Profiling Technologies um die Verbindung zum Online-Publikum treffsicher und hochwertig zu gestalten."
Sie blickte mich an und sagte spöttisch: "Nun, O Feinschmecker der bayrischen Vanillecreme, könnt Ihr uns vielleicht erklären, was das bedeuten soll? Könnt Ihr erraten, was diese besondere Firma macht?" Ich muss ganz schön hilflos ausgesehen haben, denn plötzlich lachte der Rest der Leprechauns sowohl über den Werbetext als auch über mich. Ich musste schließlich bekennen, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte, worum es ging oder womit diese Firma eigentlich mit so viel Bombast prahlte.
Mr. Scribe, der erwiesenermaßen eine Menge von Journalismus versteht, begann mit dem Vortrag eines anderen Inserats. "Hört Euch das an", sagte er, und begann aus seinen Notizen vorzulesen. "Non-Stop-Integration unter kritischen Business-Systemen sowohl innerhalb Ihres Unternehmens als auch hinaus zu Ihren Handelspartnern und Märkten. Wir sind die erste und einzige vollständige Lösung für B2B."
Mr. Hachit schaltete sich ein: "Sie sind also die "erste und einzige Lösung" in einem Magazin, das mindestens 20 andere Inserate von B2B enthält, die ebenfalls für sich reklamieren, die ersten und einzigen zu sein. Erstaunlich, was diese Dotcoms behaupten - um nicht zu sagen, unverfroren." Mr. Hachit zeigte dann auf mich und machte vorbeugend folgende Bemerkung: "Ich weiß, was Ihr gerade denkt, O Kenner der Grahamcracker. Ihr wollt wissen, was das mit Trends zu tun hat, richtig?"
Ich nickte überflüssigerweise, denn Mr. Hachit wäre ohnedies nicht zu bremsen gewesen. "Es bedeutet, dass jetzt für die Dotcom B2Bs der Fasching angefangen hat. Und der Fasching wird weitergehen, bis die Fastenzeit kommt. Und dann werden viele von ihnen wie welkes Laub herabfallen. Was wir hier lesen, sind die Zeichen an der Wand - die Fastenzeit steht unmittelbar bevor. Um so mehr sie alle das gleiche tun, um sich abzuheben, um so übertriebener werden ihre Angaben - und um so näher rückt ihre Ausrottung. Stellt sie Euch als Lemminge vor, die sich für ihren Marsch an die Klippe formieren. Es ist ein Trend, der so sicher ist wie das Aufgehen der Sonne am nächsten Tag. Merkt Euch die Namen. Wenn auch nur die Hälfte der Firmen in einem Jahr noch am Leben ist, kaufen wir Euch eine Monatsration Grahamcracker."
Internet Ad-Blocker
Das hinreißende Fräulein Lieblich, unsere optimistische Dauerdozentin, ergriff das Wort: "Apropos Fasching. Euch gefällt vielleicht der Brief, der gerade am Web massengesendet wird, anscheinend von AdAware. Wie Ihr wisst, gibt es viele kleine Software-Unternehmer, die Shareware verkaufen, die Banner-Ads sperrt. Auf einer Site namens Voice of The Public gibt es einen Brief, der angeblich von der berühmten Shareware-Site Tucows an AdAware geschickt wurde.
In dem Brief steht folgendes:
"Lieber Software-Autor, nach sorgfältiger Betrachtung Ihres Programms bemerkten wir, dass es Inserate, Popups und Banner-Ads sperrt. Obwohl Ihr Programm Internet-Bezug hat und nach dem Buchstaben der General Guidelines für uns durchaus geeignet wäre, müssen wir von einer Veröffentlichung auf unserer Site absehen, denn unsere Existenz hängt vom Ertrag aus Banner-Inseraten ab. Lassen Sie sich dadurch bitte nicht entmutigen, andere Programme einzureichen. Wir fordern Sie ausdrücklich auf, auch in Zukunft TUCOWS für Ihren Software-Vertrieb zu erwägen."
Wenn das große Haha einmal losgegangen ist, braucht es nur einen kleinen Anlass, es wieder aufleben zu lassen, und so hatte ich augenblicklich wieder eine Tastatur voller Leprechauns, die sich die Bäuche hielten vor Lachen.
Einer meiner Lieblingsleprechauns, der urbane Mr. Cavalier, beruhigte sich genug, um einen wichtigen Punkt ins Spiel zu bringen. "Diese Ad-Blockers sind selbst eine Lachnummer. Die Leute werden sie für 25 Dollar oder so kaufen und dann herausfinden, dass sie nicht alle Banner gesperrt haben wollen. Oder dass die Programme nicht alle sperren können. Oder dass sie einige wichtige Links ebenfalls sperren. Schließlich werden diese Ad-Blocker auf den Festplatten nur mehr herumlungern und nie verwendet werden."
Frau Splainit schloss sich unserer Unterhaltung mit dem Kommentar an, dass "das gleiche mit den Ton Aus-Knöpfen der Fernseher geschehen sei. Fast alle Fernbedienungen haben einen Ton Aus-Knopf, aber er wird kaum verwendet. Sie gehören zu den Dingen, die zunächst einmal wie eine gute Idee aussehen, aber dann schnell vergessen werden."
Mir fiel auf, dass sich Mr. Hachits Sager vom "Fasching" auf das Verhalten der Leprechauns ausgewirkt hatte. Sie wurden immer ausgelassener und übermütiger. Ich ging hinauf in mein Zimmer, um ein paar Grahamcracker zu essen. Als ich ein paar Stunden später zurückkam, waren die Leprechauns verschwunden. Sie hatten aber ihre Phrasen zurückgelassen, die übersetzt werden mussten.
Phrasen, die übersetzt werden müssen
Das Zitat: "Diese Entscheidung gibt bei Intel Ressourcen frei, die wir vorher im Projekt Timna gebunden hatten, und wir werden diese Ressourcen jetzt verwenden, um mit voller Konzentration an der Marktreife anderer Produkte der Intel-Architektur zu arbeiten."
Die Umstände: Der Intel-Sprecher Seth Walker bei der Verlautbarung, dass Intel der Entwicklung seines Timna-Prozessors für Low-End-Computer den Stöpsel rausgezogen hat.
Die Übersetzung: Wir mussten im Mai eine Million 820er-Chips zurückholen - und hätten wir gezögert, gäbe es in ein paar Monaten eine weitere Rückholaktion. Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Für den Low-End-Markt lassen wir uns etwas anderes einfallen.
Das Zitat: "Vor uns liegt ein weiteres schwieriges Quartal, aber wir hoffen, uns bis Jänner wieder erholt zu haben."
Die Umstände: Apples Chief Financial Officer Fred Anderson beim Bericht über Quartals-Gewinne unter den Erwartungen.
Die Übersetzung: Uns geht es gar nicht mehr gut. Aber wir freuen uns auf ein lukratives Weihnachtsgeschäft. Hoffentlich. Hoffentlich. Hoffentlich.
Das Zitat: "Über die letzten Monate konnten wir am Markt gewaltige Veränderungen beobachten, und wir haben uns entschlossen, dass es im besten Interesse der Firma, ihrer Angestellten und ihrer Investoren ist, dass wir in bewegten Zeiten wie diesen von einem Börsengang absehen."
Die Umstände: Bill Gross, Chairman und CEO von Idealab! bei der Erklärung, dass der Internet Business-Incubator seine IPO wegen der Turbulenzen an der NASDAQ verschieben wird.
Die Übersetzung: Ach herrje! Ich hoffe, wir haben nicht unsere Gelegenheit verschlafen. Oh Schreck, ich glaube, wir haben doch.
Das Zitat: "Audrey steht für 3Coms Eintritt in den praktisch noch unerschlossenen und extrem aussichtsreichen Consumer Market und repräsentiert 3Coms strategischen Fokus auf die Lieferung radikaler Einfachheit an den Konsumenten."
Die Umstände: Eric Benhamou, Chairman und CEO von 3Com, beim Vorstellen seiner neuen "Internet Appliance" mit vorprogrammierten Internet-Sites, die mit jedem ISP Verbindung aufnehmen kann.
Die Übersetzung: Okay, Leute, wenn es keinen Markt gibt, nennen wir ihn einfach "unerschlossen". Wir müssen uns jetzt ins Zeug legen und sehen, ob es ein unerschlossener Markt ist, oder eine Idee, deren Zeit noch nicht gekommen ist.




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