Ilse und Rudolf Wolf
Heute werden die Anwendungen auf einem zentralen Server zur Verfügung gestellt und von Unternehmen oder auch von Endanwendern über das Internet oder Virtual Private Networks abgerufen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmen verkaufen ASPs die Software nicht an ihre Kunden, sondern vermieten diese gegen eine Gebühr.
Die Marktprognosen
Der Bereitstellung zentral gehosteter Software über das Internet oder auch Corporate Networks wird eine glänzende Zukunft voraus gesagt, denn das Potenzial von ASP ist offenbar enorm: Nach einer Untersuchung von Dataquest (http://www.datquest.com) wird der weltweite ASP-Markt in diesem Jahr noch Umsätze in Höhe von etwa 1,7 Milliarden EURO erwirtschaften. Das weltweite Wachstum wird auf über 90% geschätzt, wodurch bereits in drei Jahren 12 Milliarden EURO durch ASP umgesetzt werden.
Nach einer gemeinsamen Studie der Internet-Marktforscher Forit GmbH (http://www.forit.de) und Zona Research Inc. (http://www.zonaresearch.com) nutzen in der EU derzeit nur unter 5% der Unternehmen entsprechende Angebote. In den USA sollen es hingegen bereits 80% sein.
Laut Forit erwarten DV-Entscheider sehr viel von ASP: 69% tief greifende Kosten- und Zeitersparnisse, 58% eine geringere IT-Administration und 52% eine schnellere Einführung neuer Anwendungen.
Gründe für den Einsatz von ASP
Für private Anwender kann es wesentlich günstiger sein, Software nur bei Bedarf gegen geringes Entgelt nutzen zu können, der Kauf teurer Komplettsoftware entfällt. KMUs haben meist nicht die nötigen Ressourcen, um Unternehmensanwendungen zu bezahlen, auf einem Server zu hosten und zu administrieren. Da ist es kostengünstiger, Softwarelösungen je nach Bedarf für einzelne Arbeitsplätze anzumieten, denn bei ASP werden Applikationen dem Client nur temporär für den aktuellen Bedarf angeboten und berechnet. Da die Applikationen outgesourct laufen, sind die benötigten eigenen Personal- und Rechnerressourcen im IT-Bereich viel geringer. Dadurch sinken auch die Gesamtkosten. Die Investitionsplanung wird gleichzeitig transparenter, da unverhoffte Anschaffungskosten auf ein Minimum reduziert werden können. Weil die Applikationen über das Internet abgerufen werden, ist der Anwender nicht mehr auf seinen speziellen Arbeitsplatz beschränkt, sondern besitzt weltweiten Zugriff, wodurch er wesentlich flexibler wird. Die Sicherheit der Daten lässt sich mit vorhandenden Verschlüsselungs- und VPN- Techniken gewährleisten.
Insgesamt bleibt zu beachten, dass besonders kleine Unternehmen sich durch die Nutzung von ASP stärker auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren können. Gleichzeitig können KMUs IT-Anwendungen einsetzen, die sonst nur auf Grund der Anschaffungskosten großen Unternehmen vorbehalten waren.
Inhaltlich gibt es so gut wie keine Beschränkung für ASP-Anwendungen. Das gilt für große ERP-Softwarepakete und Warenwirtschaftsysterne genauso wie für Mailverwaltungsprogramme, Kundendatenbanken oder Virenschutzprogramme.
Kosteneinsparungen sollen sich auch dadurch einstellen, dass im Gegensatz zum herkömmlichen Outsourcing der Auftraggeber keine Softwarelizenzen mehr kaufen muss. Die Lizenzrechte kauft der Application Service Provider, die Kunden bezahlen lediglich für die Benutzung der Programme. Darin enthalten sind sowohl die Lizenzkosten, Gebühren für Rechner-, Platten und Netzwerkkapazitäten als auch Wartungs- und Supportkosten.
Die Bezahlung der Applikationen erfolgt in der Regel nach zwei unterschiedlichen Modellen: Entweder erfolgt eine Bezahlung der in Anspruch genommenen Applikationsservices nach Transaktionen oder es wird eine monatlicher Gebühr je Nutzer entrichtet. Die tatsächliche Höhe des Softwarepreises bestimmen dann Faktoren wie Komplexität, Anwenderzahl, Individualität, Service und Verfügbarkeit des ASP-Programmes.
Voraussetzungen für ASP
Grundsätzlich kann zwischen internen ASPs als technisches Modell und externen ASPs als ökonomisches Modell unterschieden werden. Bei ersterem versorgt die EDV-Abteilung eines Unternehmens von zentraler Stelle aus die Clients mit Anwendungen unter Beibehaltung des Client/Server-Modells. Hier werden eher Ziele verfolgt wie vereinfachte Wartung und Administration sowie schnelleres Rollout von Anwendungen. Die externen ASPs bieten Kunden, Privatnutzern oder Unternehmen integrierte Anwendungen auf Mietbasis über gesicherte Leitungen. Hier kommt es vor allem auf die Kosteneinsparungen an, die sich im Vergleich zum Kauf klassischer Softwarelösung ergeben.
Damit Unternehmen ihre Software tatsächlich mieten und via Internet nutzen können, ist eine Kooperation aus drei Anbietern erforderlich:
- 1. Ein Softwarehersteller, der sein Programm ASP-fähig macht.
- 2. Der eigentliche Application Service Provider (in der Regel ein Internet- Service-Provider), der seinen Kunden die Softwarenutzung über seine Standleitungen anbietet. Anbieter wie KPNQwest, VIANET, Colt oder Uunet positionieren sich derzeit in diesem Segment.
- 3. Der ASP-Enabler, der die Hardware bereitstellt, Softwareunternehmen berät und als Systemintegrator auftritt. In den meisten Fällen aber schließen Business-Provider einen Vertrag mit einem Softwarehaus ab und bieten selbst ihren Kunden die Softwarenutzung als E-Service an.
Die Entscheidung für oder gegen ASP
Gehen Sie vor der Wahl eines ASP unbedingt die folgende Checklist durch. Bedenken Sie, wenn Sie die Liste durchgehen, welche Software Sie "mieten" wollen. Handelt es sich dabei z.B. um ein Office-Paket ist die Frage, ob der ASP Schulungen anbietet, wohl weniger wichtig, als wenn es sich um ausgefeilte ERP-Programme handelt.
Das ASP-Modell birgt noch einige unbekannte Größen. So sind oft die Tarifstrukturen schwer verständlich (Zeit-/Transaktionsabhängig) und einige Anbieter offerieren nur ausweichende SLAs. In so genannten Service Level Agreements (SLA) sichert der Application Service Provider eine bestimmte Verfügbarkeit beziehungsweise Leistungsfähigkeit des eigenen Systems vertraglich zu. Die schriftliche Niederlegung der SLAs ist ein notwendiger Bestandteil einer jeden ASP-Vereinbarung. Im SLA sollte mindestens eine Verfügbarkeit der Applikationen von 99,5% garantiert sein, um Umsatzausfälle im Unternehmen zu vermeiden.
Es gibt vier zentrale Fragen, die man sich vor der Entscheidung für oder gegen ASP stellen sollte:
- Senkt ein ASP die Gesamtkosten (Total Costs of Ownership)?
- Ist die ASP-Lösung zuverlässiger und einfacher als das eigene System?
- Kann der ASP die Daten sicher verwalten?
- Kann der ASP mit dem Wachstum meines Unternehmens mithalten und neue Business-Applikationen liefern?
Wenn dann die Entscheidung zu Gunsten eines ASP gefallen ist, kann eine Checkliste dabei behilflich sein, die richtige Wahl zu treffen:
- Ist die Software, die über einen ASP bereitgestellt werden soll, dafür von Herstellerseite her vorbereitet?
- Welche Hardware wird benötigt? Die Hardwareanforderungen zur Nutzung eines ASP-Angebotes sind lediglich die Lauffähigkeit eines Browsers, E-Mail-Clienten sowie eine möglichst schnelle Konnektierung an das jeweilige Netz (meist Internet).
- Inwieweit leistet der ASP Hilfe bei der Implementierung? Werden Schulungen angeboten?
- Welche Zugangsmöglichkeiten bietet der ASP? Aufbau von Virtual Private Networks? Dial-up Verbindungen oder via Wide Area Networks (WAN)?
- Besitzt der ASP redundante Speicher und Bandbreite, die bei Bedarf zugeschaltet werden können?
- Bietet der ASP Bursting? Das heißt, ist der angebundene Server immer mit einer höheren als der vereinbarten Bandbreite am Netz?
- Gibt es ein Load Balancing (Lastverteilung)?
- In wieweit garantiert der ASP im SLA (Service Level Agreement) seine Leistung? Kann diese eingehalten werden? Was ist, wenn nicht?
- Besitzt der ASP einen Notfall-Plan für unerwarteten Webtraffic?
- Besitzt der ASP sein eigenes Data-Center oder werden die Daten outgesourced?
- Welche Vertragsstrafen sind beim Ausfall des Systems vereinbart?
- Wie oft führt der ASP ein Daten-Backup durch und auf welchem Medium?
- Wie sehen die Sicherheitsvorkehrungen im Data-Center aus?
- Wie sieht das Sicherheits-Management (Firewall, Verschlüsselung, Authentifikation) aus?
- Wie ist das Wechseln von Applikationen geregelt?
- Falls man sich einmal gegen den ASP entscheidet, ist es möglich die Applikationen mit in die In-House-Lösung zu nehmen?
- Wie werden neue User eingebunden? Wie hoch sind die Kosten für die Einbindung?
- Wie werden die Kosten für ASP berechnet?
Wie hoch ist die Performance von ASP ?
Die Leistung der durch ASP eingesetzten Programme hängt stark von der Art und Sicherheitsstufe der Anwendung ab.
Text- oder Tabellenbasierende Anwendungen (zum Beispiel Word oder Excel) können bereits mit ISDN Geschwindigkeit problemlos genutzt werden, und unterscheiden sich kaum von der Laufzeit lokalen Installationen. Kritisch wird es bei Grafikanwendungen, weil diese die Größe des Informationsaustausches wesentlich erhöhen. Auch die Verschlüsselungstiefe, die bei Übertragung via Internet häufig eingesetzt wird, schmälert die Leistung ebenfalls.
Der ASP-Markt kommt in Bewegung
Kommerziell interessant wird ASP-Markt natürlich erst, sobald die Großen der IT-Branche in die breite Vermarktung gehen. Deshalb kommt beispielsweise den ASP-Aktivitäten von Microsoft und Compaq eine so hohe Bedeutung zu. In Wien betreiben die Business-Provider KPNQuest und VIANET in Kooperation mit Microsoft und Compaq bereits Server-Farmen beziehungsweise ASP-Portale, die ihre Kompetenz als Application Service Provider untermauern.
Auch SAP bekräftigt seine Aktivitäten im ASP-Markt. Das seit April tätige Tochterunternehmen SAP-Hosting, zuständig für den Vertrieb der mySAP.com-Lösungen über das Internet, hat neue Partner für ASP zertifiziert. SAP erwartet wachsenden Bedarf im Bereich Outsourcing von Business-Anwendungen. In Österreich ist ai informatics (aii) der erste SAP-Partner mit einer ASP-Lösung.
Cisco ist eines der Gründungsmitglieder des deutschen ASP Konsortiums und engagiert sich verstärkt im ASP-Markt.
Hewlett Packard bietet zusammen mit Microsoft unter anderem die Lösung "The Service Provider-in-a-Box". Sie sind mit Microsoft Site Server 3.0 Commerce Edition, Microsoft Commercial Internet System (MCIS), Windows 2000 und Windows NT Server integriert, vorkonfiguriert und getestet. ASPs können damit ihr Angebot jederzeit auf Apps-on-Tap (Anwendungen, die Kunden via Internet ja nach Bedarf zur Verfügung gestellt werden), auf mobile Internet-Dienste und auf interaktives Web-TV unter Zusage von SLAs erweitern.
Nortel Networks hat Ende Juni die Lösung "Preside Managed Application Services Platform" für den ASP-Markt vorgestellt, die ein bisher fehlendes Glied im bestehenden Modell für die Bereitstellung von ASP-Diensten darstellt.
Was sich im Softwarebereich als ASP-Modell fast schon etabliert hat, sind Internet-Shoplösungen. Diese werden als beim ISP gehostete Anwendungen betrieben. Auch zahlreiche "versteckte" ASP-Anwendungen gibt es bereits, wie zum Beispiel E-Commerce-Transaktionsmodule oder Online-Games.
Was bedeutet ASP?
Active Server Pages: Ein von Microsoft entwickeltes Verfahren, mit dem sich Inhalte einer Website dynamisch generieren lassen. Damit ist es zum Beispiel möglich, auf Anwender individuell abgestimmte Inhalte darzustellen.
Application Service Provider: Ein Business-Provider, der über das Internet Zugriff auf Anwendungen, Programme oder Software ermöglicht.
Application Service Providing: Software auf Abruf




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 