Evan Mahaney
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar
Es war der draufgängerische Mr. Cavalier, der mit erstaunlicher Offenheit antwortete: "Nun, o Kenner der Gewürzplätzchen, die Wahrheit dieses Belangs ist, dass wir Leprechauns nicht wissen, ob wir wie Ihr Menschen aus molekularen Strukturen zusammengesetzt sind. Wenn wir DNS haben, wie Ihr Menschen, müssen wir uns sorgen, als Rohstoff für futuristische Computerhersteller zu enden."
Mr. Cavalier sagte das mit genug Überzeugung, dass ich zur Erkenntnis gelangte, dass er und die Schar seiner Artgenossen molekulare Strukturen tiefgehend studiert haben mussten. So fragte ich ihn, ob er erklären könnte, wo die ganze Aufregung herrührte und was die Leprechauns in der molekularen Struktur so nützlich für die Zukunft der Computer erachteten.
"Zweifelt nicht daran" sagte Mr. Cavalier. "Ihr werdet an einem molekular strukturierten Computer in wenigstens zehn Jahren arbeiten. Beispielsweise gibt es da eine Firma namens Molecular Electronics Corporation, die an Prototypen und chemischen Prozessen arbeitet, um winzige elektronische Schaltkreise in gigantischen Rastern wachsen zu lassen, die riesige Speichersysteme ergeben. Um nicht zu sehr ins technische zu gehen: sagen wir einfach, dass molekulare Strukturen so klein sein können wie ein Atom. Wenn diese Wissenschafter in Chicago die Struktur auf die Reihe bekommen, den Strom fließen lassen und die friedliche Nutzung des Atoms bewerkstelligen - dann wird sich die Leistung der Computer um viele Zehnerpotenzen dessen steigern, was Ihr Euch heute in Euren wildesten Träumen ausmalen könnt."
Da konnte sich Fräulein Klug, bekannt für ihre unverblümten Urteile, nicht mehr beherrschen. "Beachtet, dass man nicht in Silicon Valley, sondern in der akademischen Atmosphäre von Chicago daran arbeitet, wo Grundlagenforschung oft im Stillen betrieben wird. Nach meinem Verständnis haben es die Wissenschafter in Chicago gar nicht gern, wenn Informationen über ihre Forschung an die Öffentlichkeit dringt. Wissenschafter bevorzugen die Ruhe der Labors gegenüber dem Lärm der Öffentlichkeit. Wären diese Details aus San Jose, würden sie von gelackten Designs und täglichen Pressekonferenzen begleitet werden. Entsprechend sehen die Leute in Silicon Valley die Arbeit in Chicago als Minderheitenprogramm für Eierköpfe. Aber wartet nur ein, zwei Jahre und die Ingenieure da draußen werden sich auf die neue Wissenschaft geradezu stürzen. Vorher werden sie aber noch ihre neidischen Vorbehalte ablegen müssen."
Der kenntnisreiche Mr. Fuuturiste schaltete sich ein. "Kommt schon, Fräulein Klug. Ihr redet über ein sehr frühes Stadium einer noch sehr grünen Wissenschaft. Obwohl es vielversprechend aussieht und sogar die Mittel schaffen könnte, um die heutigen milliardenschweren Chipfabriken zu verdrängen, ist es ein unreifes Gebiet. Bis dieses Gebiet weit genug fortgeschritten ist, wird es genug Platz für alle geben."
Zugegeben, von den Implikationen dessen, was mir die Leprechauns offenbart hatten, schwirrte mir der Kopf. Aber ich wollte noch wissen, was DNS mit diesem Hexenkessel aus Science Fiction-Land zu tun hatte, der bald unser aller Leben verändern könnte. Tatsächlich wusste ich nicht einmal wofür die Abkürzung DNS überhaupt stand. Ich fragte also.
"DNS bedeutet Desoxyribonukleinsäure," klärte mich Mr. Fuuturiste auf. "Sie ist am besten dafür bekannt, dass sie ein universeller Fingerabdruck ist, den jeder Mensch hat und genetisch bestimmt. Aber bezogen auf Computer stellt sie Euch mehr wie eine perfekte CPU und ein Betriebssystem vor. Sie ist ein strukturiertes und elektronisches Material, das eines Tages zum Rohstoff für ultrawinzige Computer oder mechanische Vorrichtungen werden könnte, Roboter etwa. Wenn man molekulare Strukturen mit einem DNS-Motor versehen könnte - voila - heraus käme ein Supersupercomputer mit unerschöpflichem Speicher, der zu klein wäre, um in irgendeiner Weise gestaltet werden zu können."
Das war zuviel für mich. Ich teilte den Leprechauns mit, dass ich alles gewissenhaft unseren Lesern berichten würde, wollte aber über etwas anderes reden. In meinem Kopf begannen Bilder zu turnen, von Computern, die Molekularstrukturen verwendeten und durch meinen Körper rasten, in meinem Haus allgegenwärtig waren und im Auto mitfuhren. Die Dinge begannen in meinem altmodischen Geist der Jahrtausendwende außer Kontrolle zu geraten. Es war die bekennende Hellseherin Frau Süss, die mich durch Gedankenlesen verblüffte und feststellte: "Alles, was Ihr gerade denkt, ist wahr, lieber Freund der Kartoffelkuchen mit Pecannüssen, aber entspannt Euch erst einmal. Dazu wird es nicht von heute auf morgen kommen, sondern in leichtverdaulichen Happen. Aber kommen wird es."
Hilfe-Dateien werden weiter ignoriert
Es war die immer gelassene Frau Freundlich, die uns vom Thema abbrachte. "Da Ihr bodenständigere Vorhersagen bevorzugt, werde ich eine wagen, die Euch den einen oder anderen Lacher eintragen wird. Ihr könnt Euren Lesern mitteilen, dass in 10 Jahren die "Chips" durch und durch molekular sein werden, dass aber die frustriertesten Menschen der Welt weiterhin die Verfasser von Hilfedateien sein werden."
Sie fuhr mit der Erklärung fort, dass sich die Leprechauns heimlich in willkürlich ausgewählte Computer einschlichen - sowohl Heim- als auch Bürocomputer - und oft feststellten, dass der Eigentümer noch niemals eine Hilfedatei in Anspruch genommen hatte.
"Ihr Menschen seid doch seltsame Geschöpfe" sagte sie. "Da sind sie, auf jedem Computer und in jeder Anwendung. Das kleine Wörtchen "Hilfe" - bequem zu erreichen durch die Menüleiste oder sogar durch den Balken mit den Symbolen. Aber niemand verwendet sie, die Hilfe. Die Menschen fragen andere Menschen, wie man etwas macht, oder sie schlagen es in dicken Handbüchern nach. Sie ahnen kaum, dass es praktisch alles im Handbuch auch gefällig arrangiert in der Hilfedatei gibt, nur einen Klick entfernt.
"Ich denke", fuhr sie fort, "dass es im Menschen einen genetischen Defekt geben muss, der dem gesunden Menschenverstand entgegentritt und verhindert, dass sie die Hilfedateien zu Rate ziehen. Wirklich erstaunlich. Erst letzte Woche besuchten wir 120 Computer in einem Büro einer großen Firma und fanden heraus, dass nur sechs Leute dieser 120 jemals die Hilfedatei verwendet haben. Hier also eine kecke Prophezeiung: Im Jahr 2010 wird es immer noch genauso sein. Niemand wird die Online-Hilfe in Anspruch nehmen. Jeder wird sich darüber beschweren, dass Computer zu schwer zu bedienen sind. Bücher über bestimmte Applikationen, wie Word oder Excel, werden auch in Zukunft riesige Erfolge bleiben. Und die Verfasser der Online-Hilfen werden weiterhin aus Verzweiflung gegen Schränke treten, weil die Benutzer sie nicht verwenden."
Das Zitat: "Die Kommission ist enttäuscht, dass das europäische Parlament uns keine klare Billigung gegeben hat. Wir werden den Beschluss genau studieren und uns den nächsten Schritt überlegen."
Die Umstände: Jonathan Todd, Sprecher des European Internal Market Commissioner Frits Bolkestein, kommentiert die Ablehnung des augenblicklichen Systems des amerikanischen Datenschutzes durch das europäische Parlament. In der Ablehnung heißt es, das System repräsentiere keinen angemessenen Schutz, wie er durch die europäische Gesetzgebung verlangt wird.
Die Übersetzung: Zeit heilt alles. Wir werden das ein wenig vor sich hinbrodeln lassen und dann entweder ein paar amerikanische Sites blockieren - oder vielleicht überlegen sich's diese sturen Amerikaner ja auch.
Das Zitat: Soweit wir wissen, wird DNS vom Körper nicht in dieser Weise verwendet. Wir verwenden die DNS in einer sehr unbiologischen Weise, als Werkstoff und Treibstoff gewissermaßen."
Die Umstände: Bernard Yurke, ein Physiker bei Bell Labs, beschreibt die Arbeit an der Nutzung der DNS als Werkstoff und Treibstoff, der uns eines Tages zu ultrawinzigen Computern und Geräten verhelfen könnte, Robotern, die durch den Blutkreislauf schwimmen etwa.
Die Übersetzung: Wir wissen nicht genau, was wir da machen. Wir wissen auch nicht, wie man DNS für die Schaffung computerartiger Geräte verwenden kann. Aber wir arbeiten daran. Und irgendetwas wird dabei sicher herauskommen.
Das Zitat: Wir haben unsere Strategie nicht geändert, aber es gibt viele Felder, auf denen die Prozesse und Abläufe verbessert werden können.
Die Umstände: Peter Fiore, Informix's Senior Vice President der Abteilung Solutions Business Operations, gibt zu, dass Informix seit vier Quartalen hintereinander SEHR VIEL Geld verloren hat.
Die Übersetzung: Wir müssen unsere Strategie ändern. Wir machen etwas falsch. Wir fangen noch einmal von vorne an und Neuüberdenken das ganze Datenbankgeschäft.
Das Zitat: "Die große Gelegenheit liegt hier für uns darin, dass wir das mühsame Erlernen des Spielwarengeschäfts einfach auslassen können."
Die Umstände: Jeff Bezos, der CEO von Amazon.com, verlautbart eine Abmachung mit Toysrus.com, nach der Amazon die Entwicklung der Website abwickeln, die Orders bearbeiten und sich um die Kunden kümmern wird - Toys R' Us aber das Geschäft abwickeln und die Logistik übernehmen wird.
Die Übersetzung: Wir ziehen uns aus dem Spielwarengeschäft zurück. Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können und überlassen das wirkliche Spielwarengeschäft Toys R' Us.
Das Zitat: Das Ziel war, auf der Winamp-Site eine Suchfunktion einzurichten. Jetzt, wo es sie gibt, erkennen wir, dass wir keinen effektiven Prozess haben, der zwischen legalen und illegalen MP3s unterscheidet. Bis wir uns überlegt haben, wie wir das handhaben können, nehmen wir die Suchfunktion wieder heraus."
Die Umstände: America Online Inc verlautbart, dass es die Suchmaschine auf ihrem Winamp-MP3-Player entfernt hat, der Benutzern half, Musikdateien im MP3-Format zu finden.
Die Übersetzung: "Wir wollen nicht verklagt werden. Wir ziehen uns aus dem Geschäft mit Raubkopien zurück.




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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 