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Moniskop

Evan Mahaneys Leprechauns

Fräulein Schaum ist ein Mitglied der Gruppe Leprechauns, die wenigstens einmal im Monat mein Keyboard besucht, um mich in die Dinge einzuweihen, die ich dann an unsere Monitor-Leser weitergebe. Fräulein Schaums Name ist sehr treffend - sie ist überschäumend vor Lebensgeist, Extrovertiertheit und Optimismus. Aber so gesellig wie bei unserem letzten Meeting hatte ich sie noch nie gesehen.

Evan Mahaney - Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar

Sie lächelte verschwörerisch, hüpfte von Buchstabentaste zu Buchstabentaste und trällerte dabei ein kaum hörbares Liedchen. Es ging ungefähr so:

Hurra den Damen, sie sind jetzt dran,

Gleichstand zwischen Frau und Mann,

Ein freundlicheres Gesicht wird offenbar;

es ist nicht so schlimm wie's einmal war.

Ich fragte sie also: "Was, um alles in der Welt, macht Euch so frohgemut?".

"Nun, O Feinschmecker der Weihnachtsstollen, Ihr habt es anscheinend noch nicht gehört. Die männliche Domäne Internet wird nicht mehr länger von Männern dominiert. Das gilt für Amerika und für die größten Teile von Europa. So steht es in der kürzlich herausgekommen Studie der amerikanischen Strategis Group und der kanadischen Angus Reid Group. Beide Erhebungen geben das Verhältnis von Männern zu Frauen im Internet mit 50:50 an. Daneben gibt es noch eine weitere Studie vom britischen Department of Trade And Industry, die ergab, dass 40 Prozent der neuen Internetbenutzer der letzten drei Monate in Großbritannien Frauen sind, was schon fast 50 Prozent bedeutet."

Fräulein Spalthaar, eine weitere bemerkenswerte Advokatin für die Rechte der Frauen, schaltete sich in die Konversation ein: "Ihr wisst, dass wir diesen Trend schon seit sehr langer Zeit voraussagen. Zugegeben, es hat einige Jahre länger gedauert, als wir ursprünglich angenommen haben. Offen gesagt, wir verstehen auch nicht, was genau in den letzten sechs Monaten geschehen ist, dass so viele Frauen mehr als bisher in das Internet strömten. Nach dem Pew Research Center in Washington war der Grund e-Mail. Ihre Studie zeigt, dass neun Millionen Frauen im vergangenen halben Jahr als neue Internetbenutzer hinzugekommen sind. Es ist eine wahre Flut, wenn man es mit den sechs Monaten davor vergleicht."

Natürlich konnten es die männlichen Leprechauns nicht ertragen, dass die Konversation in der Hand ihrer weiblichen Kollegen lag. Mr Fuuturiste, unser urbaner Futurist, ergriff die Initiative. "Zunächst gratuliere ich einmal den Damen. Sie werden das Internet in den kommenden Jahren zu einem schöneren und besuchenswerteren Ort machen. Aber ich meine auch, dass wahrscheinlich die feminine Gestaltung einiger neuer Websites dazu beigetragen hat, mehr Frauen ins Internet zu bringen - wenigstens ein bisschen. Ihr erkennt, dass es ein ähnliches Phänomen schon einmal gegeben hat? Wir alle erinnern uns an die Nachrichtenstudios und Zeitungsredaktionen, in denen Frauen eine vernachlässigbare Minderheit waren.

"Dann, in den 70ern, begann sich das zu ändern. In den 90ern dominierten Frauen dann bereits die Studios und Redaktionen, speziell im Bereich Make-Up und Design. Und jetzt können wir genau dasselbe im Internet beobachten. Frauen können besser kommunizieren als Männer, im Durchschnitt gesehen. Abgesehen davon, dass es ritterlich ist, das zu sagen, sind Frauen netter und ruhiger, wie Fräulein Schaum schon angemerkt hat. Man muss also nur noch untersuchen, warum e-Mail so eine Anziehungskraft auf Frauen ausübt. Wenn man sich all die Studien und Erhebungen ansieht, zeigt sich, dass sie die größte Attraktion war. Die Möglichkeit zu kommunizieren, schlägt einfach eine Saite in der weiblichen Seele an. Warum sich das bisher nicht ausgewirkt hat und erst jetzt greift, werden wir wohl nie erfahren."

Fräulein Schaum ergriff wieder das Wort und wies darauf hin, dass Frauen nun in der Mehrheit seien, wenn es um Web Design und -Wartungs-Teams ginge. "Frauen haben ein natürliches Talent, durch das geschriebene Wort zu kommunizieren. Ihr werdet bemerken, dass die meisten ihrer Seiten unaufdringlicher sind, als bei denen, die von Männern gemacht wurden. Anstatt eines simplen "Click Here" formuliert eine Frau etwa: "Um davon ein Photo zu sehen, hier klicken". Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen.

Was dann geschah, hatte ich schon vorher geahnt; ich hätte auch vorhersehen können, wer der Nörgler sein würde: "Klar, das ist alles Quatsch." - und da war er schon, der Einwand von Mr Snearing. Mr Snearing hat gewisse Schwierigkeiten im Auskommen mit Frauen. Tatsächlich ist er ein Chauvinist. Er schob sein kleines Kinn vor und sagte: "Zeigt mir den Unterschied. Zeigt mir eine Website, bei der es einen erkennbaren Unterschied gibt."

Und wenn es einen Kommentar von Mr Snearing gibt, gibt es auch eine sofortige Reaktion von unserer führenden Feministen, Fräulein Donner. Sie torpedierte durch: "Du alter Bock. Das kann ich aus dem Stehgreif. Geh zu http://www.ancientthespians.com und sieh dir die Seite an. Sie ist gerüttelt voll mit Links, die für Journalisten - wie etwa unser Freund der Zimthörnchen - sehr nützlich sind. In Hinblick auf Information ist es eine gute und sehr brauchbare Website. Stilistisch betrachtet hat sie aber den Touch und das Feeling eines toten Aals. Sie wurde von Dave Jackson designt - ein guter Journalist, aber ein Mann, der beim Designen und Kommunikation zum Angreifen so seine Handicaps hat.

Nun sieh dir http://www.journalistexpress.com an. Für diese Seite sind ausschließlich Frauen verantwortlich. Sie ist freundlicher, weniger aufdringlich, leichter zu lesen und sie bietet mehr Material, an dem Journalisten interessiert sein könnten. Zwei Frauen haben diese Site auf die Beine gestellt. Die Redaktrice ist Laura Davidson, aber JournalistExpress ist Teil eines ganzen Portals namens CEOExpress (http://www.ceoexpress.com/), das Ms Patricia M. Pomerlau zum Editor hat - überall also Frauen. Sogar jemand mit so wenig Geschmack wie Mr Snearing kann den Unterschied zwischen diesen beiden Fallstudien erkennen. Der arme Dave Jackson holte schließlich eine Frau zu Hilfe, aber die Seite erfordert eine Generalüberholung, bei der Mr Jackson möglichst nichts mitzureden haben sollte."

Das folgende war ein Anblick, wie ich ihn schon öfter erlebt hatte. Mr Snearing trollte sich vom Zentrum des Keyboards auf die Esc-Taste, um dort zu schmollen. Fräulein Donner schob ihre umfangreiche Brust vor und winkte ihm spöttisch - zusammen mit Fräulein Schaum, im Überschwang darüber, dass Frauen endlich - endlich! - am Internet mit den Männern gleichzogen. Es war ein nettes, behagliches Gefühl für alle Leprechauns, oder fast alle: Mr Snearing ausgenommen.


Phrasen die übersetzt werden müssen


Das Zitat: "Wir haben viele Angebote und bewerten jedes einzelne nach seinen eigenen Kriterien. Sobald wir sie analysiert und eine Entscheidung getroffen haben, werden wir die entsprechenden Verlautbarungen machen."

Die Umstände: Corels Chief Financial Officer John Blain kündigte an, dass Corel seinen Merger mit Inprise abgeblasen hat und sich nach anderen "Deals" umsieht.

Die Übersetzung: Wir brauchen Geld wie einen Bissen Brot und an der Grenze zur Insolvenz greifen wir nach jedem Strohhalm, der uns retten kann.


 

Das Zitat: "Niemand ist in mehr Ländern und Sprachen zu Hause als wir."

Die Umstände: Bob Davis, der CEO von Lycos, verlautbarte, dass der spanische Telekom-Gigant Telefonica Lycos gekauft hatte und eine Partnerschaft mit dem deutschen Medienkonglomerat Bertelsmann einging.

Die Übersetzung: Niemand ist in mehr Ländern und Sprachen zu Hause als wir. Nun, mit Ausnahme von Microsoft vielleicht.


Das Zitat: "Wir arbeiten daran, diesen Fall so schnell wie möglich zu lösen, und das in fairer und vernünftiger Weise. Wir glauben, dass es für den Vorschlag der Regierung, Microsoft zu zerlegen, keine Basis gibt. Wir sind zuversichtlich, dass das Gericht diese übertriebene Forderung sofort ablehnen wird, so dass das Verfahren zügiger fortschreitet."

Die Umstände: Bill Gates, Microsofts CEO, über die Empfehlung des Department of Justice, dass Microsoft in zwei getrennte Firmen zerlegt werden sollte.

Die Übersetzung: Wir werden sie auf Granit beißen lassen, unsere republikanischen und demokratischen Gesetzgeber bearbeiten und diese Idee solange mit Krallen und Zähnen bekämpfen, bis sie sich erledigt hat.


Das Zitat: "Die Exekutive greift für Know-how und Ausbildung mehr und mehr auf den privaten Sektor zurück."

Die Umstände: Michael G. McCartney, ein Special Investigator der High Technology-Task Force des New Yorker Staatsanwalts, kommentiert seine Verwendung von "outside" High Tech-Experten.

Die Übersetzung: Ja. Wir greifen auf Hacker zurück. Wenn man einen Dieb braucht, um einen Dieb zu fangen, machen wir das eben so.


Das Zitat: "Unter dem Gesichtspunkt unserer Liquiditätsherausforderungen denke ich, dass wir all die richtigen Schritte unternehmen, um den Wert von GST zu erhalten, und um hochwertigen Service für unsere Kunden zu gewährleisten und unsere Mitarbeiter zu behalten."

Die Umstände: Tom Malone, CEO von GST, bei einer Verlautbarung, dass die amerikanische Telekomfirma Konkurs anmelden und seine Substanz an AOL/Time-Warner verkaufen würde.

Die Übersetzung: Wir waren pleite und hatten keine andere Wahl. Für 450 Millionen Dollar war das für AOL/Time-Warner ein Schnäppchen.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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