Primär galt es, ein zentrales Data Warehouse zu implementieren, in dem - quasi als Basis für die schnelle Reaktion auf Kundenwünsche und Marktveränderungen - alle Daten für rasche Auswertungen zur Verfügung stehen. Es wurde nicht nur ein umfassendes, sondern auch ein sehr zügiges Projekt. Bereits nach einer Woche war die Lösung produktiv nutzbar.
Innovative IT-Konzepte sind das A und O für die im März 1999 gegründete Österreichische Post AG, deren zentrale Geschäftsfelder die Beförderung von Briefen, Paketen und Personen sowie das Angebot von Finanzdienstleistungen der Postsparkasse P.S.K. sind. Nicht zuletzt, um den Kundenservice der veränderten Marktsituation anzupassen, wollte die "Gelbe Post" die Verteil- und Steuerungstechnik der Paketzentren und damit die Briefbeförderung optimieren.
Mehr "Drive" ins Unternehmen
"Wir wollten 'Drive' in das Unternehmen bringen", bilanziert Max Schaffer, Chief Information Officer (CIO) der Österreichischen Post AG. Allein 1999 veranschlagte man für den IT-Sektor ein Kostenbudget von rund einer Milliarde Schilling, also umgerechnet 150 Millionen DM. Für das nächste Jahr soll es nochmals etwa die gleiche Summe sein. Der Fokus lag von Anfang an primär auf der Errichtung eines zentralen Data Warehouses.
Im Rahmen dieses Projekts, "Konsolidierung der Unternehmensdaten" tituliert, wollte man erreichen, dass die unternehmensrelevanten Daten aus den verschiedenen operativen Systemen kontrolliert in ein einheitliches System zusammenfließen und einer schnellen und effizienten Analyseumgebung zuführen. "Wir mussten die ganzen Datenströme im Unternehmen optimieren - angefangen von den Sortieranlagen bis hin zu den Verteilzentren", erläutert Max Schaffer die damit verbundenen Anforderungen des heute mit rund 36 200 Mitarbeitern zweitgrößten Unternehmen Österreichs.
SAP als Ausgangspunkt
Da die DV-Infrastruktur der Österreichischen Post AG vorwiegend auf betriebswirtschaftliche Standardlösungen à la SAP aufbaut, galt es primär, diese Daten zu integrieren. Doch für umfassende Auswertungen mussten sie noch um weitere Informationen ergänzt werden, etwa aus Excel-Files oder um Host-Daten. Diese umfangreichen Extraktionsmöglichkeiten waren deshalb ein wichtiges Kriterium, als es um die Auswahl der zentralen Data-Warehouse-Lösung ging. Auch der Faktor Zeit spielte eine maßgebliche Rolle. Das Werkzeug sollte eine schnelle Inbetriebnahme ermöglichen. "Die Geschwindigkeit, mit der ein Data Warehouse aufgebaut werden kann, ist wichtig - auch im Hinblick auf den Return on Investment", weiß der CIO. Wenig Programmierarbeit lautete deshalb eine der Schlüsselanforderungen.
Nachdem diverse Tools genau unter die Lupe genommen worden waren, fiel die Entscheidung deshalb schnell zugunsten ActaWorks von Acta Technology. Üblicherweise verzögern neben der Bereinigung der Daten besonders bei der Einbindung von SAP-Daten umfangreiche ABAP-Programmierungen die Implementierung und somit auch die schnelle Nutzung der Daten. Man versprach sich hier von dem speziell auf die Anforderungen im SAP-Umfeld zugeschnittenen ActaWorks einiges: "R/3-Daten lassen sich damit ohne viel Programmierarbeit in das zentrale Data Warehouse einspeisen", so der IT-Stratege Schaffer. Zu den Besonderheiten des Acta-Tools zählt nämlich die automatische Generierung von ABAP/4-Code. Es werden keine Spezialisten mehr für die Parametrisierung benötigt.
Das Data Warehousing-Tool greift darüber hinaus direkt über den Application Layer auf die R/3-Daten zu und ist dadurch in der Lage, auch die für detaillierte Analysen erforderlichen Informationen aus den Pool- und Cluster-Tabellen mit einzubeziehen. "Anders als bei vielen anderen Produkten braucht man keine umfangreichen SAP-Tabellenkenntnisse", unterstreicht Max Schaffer diese Vorzüge.
Zentrale Datenpumpe
Problemlos gestaltete sich auch die Integration von Daten aus Nicht-SAP-Anwendungen bzw. externen Datenquellen wie Oracle-, Informix-, SQL-, Sybase- oder ODBC-Datenbanken. Die Österreichische Post AG setzt die Software deshalb mittlerweile sogar zum Einlesen von Flat Files - etwa im ASCII-Format - ein. Die Zeiten, in denen die "Gelbe Post" für den Datenimport eigens Schnittstellen-Programme für die operativen betriebswirtschaftlichen Systeme entwickeln musste, sind damit endgültig passé. "Mit einer zentralen Datenpumpe gelingt es uns, sowohl SAP- als auch Nicht-SAP-Daten schnell und einfach ins Data Warehouse zu integrieren", erläutert Max Schaffer.
Damit realisierte die Österreichische Post AG ihr Data Warehouse in Rekordzeit. Binnen einem Tag hatten Mitglieder des 20-köpfigen DV-Teams der "Gelben Post" die Datenpumpe installiert. Binnen einer Woche lief die Lösung bereits im Produktivbetrieb. "Die Implementierung war genial - kurz und schmerzlos", resümiert der CIO. Als zentrales Werkzeug übernimmt das Tool heute bei der Tochter der Post und Telekom Austria AG das Extrahieren, Laden und Transformieren von Daten in das unternehmensweite Data Warehouse des führenden Dienstleisters für Postbeförderung in Österreich. Die auf den jeweiligen Korrespondenz-Servern der Postämter liegenden Daten werden in die zentralen Oracle-Datenbanken des Data Warehouses transportiert.
Wurde in der Vergangenheit großer Aufwand mit der Datensammlung betrieben, so dass kaum Zeit für eingehende Analysen blieb, liegt nun großes Augenmerk auf der Datenanalyse. Eingesetzt wird dafür der plattformübergreifende Hyperion Essbase OLAP-Server. Bei bester Performance ermöglicht das Tool die Analyse auch großer Datenmengen in einer Web-zentrierten Architektur.
Damit analysiert die gelbe Post unter anderem die Leistungen einzelner Filialen, um festzustellen, wie viele Briefe sortiert oder ausgetragen wurden. 1998 beförderte das Unternehmen beispielsweise in ganz Österreich 3,4 Milliarden Briefe, Postkarten und Info-Mails, 43,4 Millionen Pakete, 813 Millionen Zeitungen und Regionalmedien sowie 1,1 Millionen EMS (Express Mail Service)-Sendungen. Doch diese Auswertungen sind nur ein Teil des Konzepts. Auch in Sachen Kostenanalyse und Leitweginformation wird das Data Warehouse benötigt.
Für ein modernes "Tracking & Tracing", wie das Leiten und Nachverfolgen von Briefe und Paketen im Fachjargon heißt, müssen die statistischen Daten aus den aus den Brief- und Paketsortieranlagen gesammelt werden. "Die Empfänger- und die Absenderdaten inklusive der Leitweginformationen werden heute jeder Sendung in Form eines auf dem Kuvert aufgespritzten Strichcodes beigelegt", erklärt Max Schaffer. So lassen sich Pakete und Briefbehälter nicht nur anhand der Labels zielgenau verteilen, sondern auch in ein elektronisches Sendungsverfolgungs-System aufnehmen. In Kürze soll es den Geschäfts- und Privatkunden der Post damit möglich sein, durch Eingabe einer Referenznummer den Weg ihrer Briefsendungen und Pakete im Internet nachzuvollziehen. Die Zeiten mühsamer Nachforschungsaufträge sind dann endgültig passé. Ein weiterer Nutzen: Die Österreichischen Post AG kann so vermehrt bei internationalen Projekten zur Qualitätssicherung im Postverkehr mitwirken.
Data Warehouse als "Dreh- und Angelpunkt"
Das Data Warehouse ist damit zum wichtigen Datenpool und Dreh- und Angelpunkt neuer IT-Konzepte geworden. Die Implementierung der "Datenpumpe" war dabei allerdings nur der erste Schritt. Step by step will die Österreichische Post AG nun auch die sogenannten Acta RapidMarts einsetzen. Sie stellen die für spezielle Analysen erforderlichen Datenmodelle (Data Marts) bereit und sind auf den Hyperion Essbase Analyse Server optimiert. Das Unternehmen muss damit nicht mehr - wie bislang üblich - selbst Datenmodelle für bestimmte Auswertungen erstellen. Unterstützt wird die Österreichische Post AG in der Implementierung von dem gemeinsamen Partner von Acta und Hyperion, der SABA Consulting GmbH. Als Projektleiter für das Großprojekt "Neugestaltung des Berichtwesens in der österreichischen Post AG", zeichnet Robert Pöll, Geschäftsführer der Saba Consulting, auch für das Gelingen dieses Teilprojektes verantwortlich. Unter seiner Gilde implementierte das erfahrene Beraterteam gemeinsam mit den Mitarbeitern der Post in kürzester Zeit Acta als SAP-Extraktor und Hyperion Essbase als OLAP-Datenbank.
Im Controlling-Bereich, wo SAP R/3 CO eingesetzt wird, nutzt Max Schaffer - immer den schnellen Return on Investment im Blick - ein entsprechendes Rapid Mart-Modul schon: "Damit sind ohne Customizing schnellere Auswertungen möglich - wieder einen Zeitvorteil."
Hyperion Österreich
Tel. 01/710 41 72
http://www.hyperion.com




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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 