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Interview mit Messe-Chef Mag.Ing. Alfred Waschl

Bekannt wie Coca Cola

Die ifabo kämpft seit Jahren mit abnehmendem Ausstellerinteresse. Mit neuen Themen und Ausstellern sowie einem attraktivem Rahmenprogramm will Messe-Chef Mag. Ing. Alfred Waschl wieder Schwung in die Messe bringen. Rüdiger Maier stellte ihm dazu einige Fragen.

Die kürzlich zu Ende gegangene exponet konnte wiederum einen Zuwachs an Ausstellern melden. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung ?

Alfred Waschl: "Wir haben trotz unserer seriösen Arbeit mit der ifabo die Alleinstellung, wie wir sie vor einigen Jahren noch hatten, verloren. Es gibt halt in der Zwischenzeit einige Spezialmessen, die alle um ein bestimmtes Ausstellerpotential in Konkurrenz stehen.

Wir lassen aber, wie auch die Reed Messen Salzburg, unsere Besucherzahlen unabhängig überprüfen. Die Veranstalter der exponet machen das jedoch nicht. Und wir hatten im Vorjahr mit etwa 47.000 Besuchern, von denen 77,2% Fachbesucher waren, nach wie vor etwa doppelt so viele Besucher wie die heurige exponet. Daher wurde der exponet auch behördlich untersagt, sich als größte IT-Messe in Österreich zu bezeichnen.

Was tut die Messe Wien, um die Besucherzahlen zu erhöhen ?

Alfred Waschl: Die Besucher aus den Bundesländern werden heuer noch stärker als bisher beworben. Daher werden auch Busreisen aus den Landeshauptstädten geplant, die wie die Eintrittskarten über ein eigens installierte Call Center gebucht werden können. Um den Messebesuch noch angenehmer zu gestalten, haben wir gemäß der von uns in Auftrag gegebenen Studie das Hallenkonzept verändert. So gibt es keine "Sackgassen" mehr, sondern wir haben ein Kreisverkehr-System geschaffen.

Neben dem neuen Hallenkonzept haben wir aber auch über neue Themen für die ifabo nachgedacht. Das Thema E-Commerce ist im Augenblick aktuell wie kein anderes. Daher wird es im Rahmen einer großangelegten E-Commerce-Initiative täglich Vorträge dazu geben. Auch vor und nach der Messe werden dazu Veranstaltungen in unserem Messe Congress Center stattfinden. Gleichzeitig werden die ebenfalls attraktiven Themen Linux und Java stark auf der ifabo präsent sein. So konnten wir etwa den SuSE-Gründer Roland Dyroff als Vortragenden gewinnen.

Wie wichtig ist ein entsprechendes Rahmenprogramm für eine IT-Messe?

Alfred Waschl: Ein attraktives Rahmenprogramm ist nach unseren Erfahrungen für viele Besucher ausschlaggebend dafür, dass sie die Messe besuchen. Gleichzeitig ist es so auch den Besuchern aus Klein- und Mittelbetrieben möglich, den ganzen Tag intensiv zwischen dem Messebesuch und der anschließenden Kongressteilnahme aufzuteilen. Damit bestätigt sich die Meinung mancher Aussteller nicht, dass Kongress und Messe zueinander in Konkurrenz stünden. Sie ergänzen sich vielmehr und haben positive Wechselwirkungen.

Die ifabo war traditionell eine Messe ohne Begleitkongress. Daher wird das jetzt auch nicht so schnell angenommen. Wir glauben aber, dass wir heuer mit der Kooperation "Software Development Village" den Durchbruch in dieser Beziehung erzielen werden. Das von dem erfahrenen deutschen Anbieter LogOn Technology Transfer (http://www.ltt.de/ifabo.html) organisierte Projekt zeigt einen exklusiven Business-to-Business-Bereich, der drei wichtige Felder der Softwareentwicklung zusammen präsentiert: Java, Linux und Objekttechnologie. Neben der Ausstellung wird in einem Keynote Forum innerhalb des Village ein internationales Konferenzprogramm geboten. Mit diesem Projekt wollen wir unseren Ausstellern und Besucher ermöglichen, einen Blick in die Zukunft zu werfen, um sich auch entsprechend auf die kommenden Geschäftsfelder einstellen zu können.

Erste Erfolge dieser Kooperation können wir bereits an den ständig steigenden Zugriffen auf unserer Webseite ablesen. Hier können sich die Teilnehmer untereinander Termine vereinbaren, um so die Veranstaltung ganz gezielt für den geschäftlichen Erfolg zu nutzen.

Das Konzept der ifabo hat sich also deutlich gewandelt. Wie macht sich das bei den Ausstellern bemerkbar?

Alfred Waschl: Die ifabo war ursprünglich vor 29 Jahren eine Büromesse, davon sind wir inzwischen sehr weit entfernt. Andererseits ist der Name ifabo in Österreich so bekannt wie Coca Cola, daher wollen wir ihn nicht ändern. Wir müssen aber deutlich machen, dass wir heute andere Themen präsentieren und nicht in der Vergangenheit stehen geblieben sind.

Wir haben uns in den letzten Jahren ganz klar darauf konzentriert, dass die Qualität der Messe steigt und wir eine inhaltlich gute Substanz rund um aktuelle Themen aufbauen. Das wird besonders heuer deutlich, wo wir uns ganz bewusst den Themen Internet, E-Commerce, Linux oder Java widmen. Damit einher geht natürlich auch ein Wandel der Aussteller: Wir konnten viele neue, junge und noch kleine Firmen zur Teilnahme bewegen. Als Beispiel seien hier nur die Unternehmen im Umfeld von SAP erwähnt, die immer mehr werden. Wir haben heuer rund 100 Aussteller, die erstmals beziehungsweise erstmals wieder teilnehmen, darunter Unternehmen wie Adobe, NEC Deutschland, Xerox, die deutsche Telekom T-Online oder HP (im Bereich "Software Development Village"). Wir haben also durchaus berechtigte Hoffnung, dass wir zu einer Leitmesse für den Donauraum werden können.

Wie schauen die Pläne der Messe Wien in Bezug auf die Hallensubstanz und das Messeumfeld aus ?

Alfred Waschl: Mir ist natürlich bewusst, dass nicht nur die inhaltliche Qualität der Messe stimmen muß, sondern auch die der Infrastruktur (Hallen, Verkehr, Gastronomie). Große internationale Messen geben da eine hohe Latte vor, die wir auch erreichen wollen. Daher wurde ja auch das Pratermanagement damit beauftragt, eine entsprechende Lösung zu finden. So sind zum Beispiel von den 300.000 m² Grundfläche für den Betrieb der Messe nur etwa 160.000 bis 200.000 notwendig. 100.000 m² könnten unsere Eigentümer also zu einem allerdings ins Umfeld passenden Thema verkaufen.

Nachdem vor drei Jahren im Messe-Konsortium der klare Beschluss gefasst wurde, dass der Messestandort erhalten bleiben soll, müssen nun also entsprechende Schritte folgen. Ebenfalls klar ist - von allen internationalen Messestandorten - dass eine Messe einen entsprechenden Return-on-investment nur für die umgebende Stadt bringen kann, da hier ja die Einnahmen aus Übernachtung, Gastronomie etc. lukriert werden.

Wird es neue Messen im IT-Umfeld geben?

Alfred Waschl: Wir suchen natürlich auch immer nach neuen Messe-Ideen. So haben wir ein Konzept für eine reine Endverbrauchermesse geprüft, sehen aber derzeit dafür nicht die entsprechenden Gegebenheiten. Durchaus möglich ist es aber, dass wir durch die neue Ausstellerstruktur die ifabo 2001 in den Herbst hinein verlegen können, was sie von Großveranstaltungen wie der Cebit klarer abrücken würde. Bisher gab es wegen des Termins jedoch immer eine Mehrheit für das Frühjahr.

Was will die Messe Wien unternehmen, um die Bedeutung der ifabo zu stärken?

Alfred Waschl: Im Zeitalter der Kooperationen sind auch wir offen für diesbezügliche Gespräche mit anderen Messen. Es könnte sich ja international eine Kooperation von Cebit und Comdex anbahnen, und da würden die Karten wieder neu gemischt.

Wir wollen jedenfalls auch unsere Aussteller stärker einbinden. In Deutschland gibt es zum Bereich "Präsentation auf Messen" ja eigene Lehrgänge, bei uns fehlt so etwa noch völlig. Daher haben wir nun begonnen, regelmäßig Seminare für unsere Aussteller abzuhalten, um dort das einschlägige Wissen zu vermitteln. Ein Punkt ist dabei etwa, dass die Firmen von sich aus viel zu wenig Werbung vor der ifabo machen. Das muß sich aber ändern, wenn die Messe wieder stärker wahrgenommen werden soll. Und das sollte ja im gemeinsamen Interesse von Messe und Ausstellern liegen.

Vielen Dank für das Gespräch.


ZITATE von Hr. Mag.Ing. Alfred Waschl

Wir haben trotz unserer seriösen Arbeit mit der ifabo die Alleinstellung, wie wir sie vor einigen Jahren noch hatten, verloren. Es gibt halt in der Zwischenzeit einige Spezialmessen, die alle um ein bestimmtes Ausstellerpotential in Konkurrenz stehen.

Die ifabo war traditionell eine Messe ohne Begleitkongreß. Daher wird das jetzt auch nicht so schnell angenommen. Wir glauben aber, dass wir heuer mit der aus einer Kooperation "Software Development Village" den Durchbruch in dieser Beziehung erzielen werden.

Die ifabo war ursprünglich vor 29 Jahren eine Büromesse, davon sind wir inzwischen sehr weit entfernt. Andererseits ist der Name ifabo in Österreich so bekannt wie Coca Cola, daher wollen wir ihn nicht ändern. Wir müssen aber deutlich machen, dass wir heute andere Themen präsentieren und nicht in der Vergangenheit stehen geblieben sind.

Durchaus möglich ist es aber, dass wir durch die neue Ausstellerstruktur die ifabo 2001 in den Herbst hinein verlegen können, was sie von Großveranstaltungen wie der Cebit klarer abrücken würde. Bisher gab es wegen des Termins jedoch immer eine Mehrheit für das Frühjahr.

Daher haben wir nun begonnen, regelmäßig Seminare für unsere Aussteller abzuhalten, um dort das einschlägige Wissen zu vermitteln. Ein Punkt ist dabei etwa, dass die Firmen von sich aus viel zu wenig Werbung vor der ifabo machen.

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Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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