Evan Mahaney
Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar
Wie mir meine kleinen grünen Freunde, die Leprechauns, erklärten, fassten viele technisch versierte Leute den Anschlag auf die berühmtesten Web-Sites als ein Schild mit "technisch versierte Leute gesucht" auf. Als ein gutes Omen für Informatik-Absolventen, die sich eine lukrative Einnahmequelle erschließen wollen.
Der cholerische Mister Snearing drückte es so aus: "Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass die meisten Leute, die heute ins College gehen, heute noch gar nicht erfundene Berufe ausüben werden". (Das ist richtig -- ich schlug das nach, als die Leprechauns wieder verschwunden waren. Wenn es nach den Erhebungen der kanadischen Regierung geht, hat der Computer den Jobmarkt anscheinend so drastisch verändert, dass neue Jobs schneller entstehen als alte verschwinden. Die Website dazu: http://worksearch.gc.ca/cgi-bin/start.pl ).
Mr. Snearing sagte, dass die Anschläge im Februar auf Sites wie Yahoo, CNN, eBay und andere das perfekte Beispiel für die Schaffung neuer Arbeitsplätze "vor unser aller Augen" sei. "In der Minute als Yahoo paralysiert wurde", fuhr er fort, "und meine Leprechaun-Kollegen bestätigten mir, dass es eine Hacker-Attacke war, konnten wir die Jobs entstehen sehen. Sicherheitsorgane für alle größeren Websites werden so üblich werden wie Polizisten, die durch unsere Städte patroullieren. Davon können wir ausgehen. Es ist zwar ein bisschen zu spät, aber das ist wohl immer so, wenn Innovation nur durch Gier angetrieben ist."
Die Bedeutung von "Sicherheitsorganen" und "Gier" verstand ich nicht ganz, so war ich Fräulein Erklärs dankbar, dass sie es war, die Konversation fortzusetzen. Sie kann zwar etwas aufdringlich und einschüchternd werden, aber sie geht bei der Erörterung gerne ins kleinste Detail.
"Nun, O Feinschmecker der Mandeltopfengolatschen, Mr. Snearing denkt, und das ist ein guter Gedanke, dass die Bosse von Yahoo und CNN und all den anderen großen Sites schon vor einiger Zeit über die Sicherheit ihrer Web-Sites hätten nachdenken sollen. Schließlich habt Ihr und viele andere Journalisten auf diese Problematik schon vor Jahren hingewiesen. Ihr und wir erwähnten das im Monitor schon vor 18 Monaten, als die Sites des FBI und des U.S. State Departments von Hackern nur so zum Spaß unter ihre Kontrolle gebracht wurden. Es war damals schon erkennbar, dass ernstzunehmenderes Hacking bald an die Stelle der Jux und Dollerei treten würde, deren Opfer das FBI wurde. Nun werden die Firmen für ihre Security so viel oder mehr zahlen müssen als für Marketing und Design." Sie lächelte verkrampft, um mich wissen zu lassen, dass sie ihre Deutung der Sache beendet hatte.
Ich teilte den Leprechauns mit, dass ich mich nicht auskannte. Security war immer Teil der Schlacht am Internet gewesen, unabhängig von der Größe der Mitspieler. Und Sicherheits-Jobs waren immer das tägliche Brot für das Wachstum des Internet gewesen. Ich blickte in die Gesichter jedes einzelnen Leprechauns und wurde von allen angestarrt, als wäre ich hoffnungslos schwer von Begriff.
Ich hätte in großen Maßstäben und angestrengter denken sollen.
"Nun, O Schmauser der dreilagigen Mürbteigriegel, die Sicherheitsvorkehrungen, über die Ihr sprecht, sind jene zum Schutz von Finanztransaktionen. Webkaufleute waren immer schon sehr besorgt um Kreditkartennummern und Kontendaten. Aber das sind kleine Fische verglichen mit dem in Zukunft möglichen massiven Beschuss. Jemandes Kreditkartennummer zu stehlen lässt sich nicht damit vergleichen, Yahoo für einen halben Tag vom Netz zu nehmen. Und ein halber Tag lässt sich nicht mit einem höchst destruktiven Treffer vergleichen, der sie für eine ganze Woche aus dem Verkehr zieht."
Mr. Snearing sah mich ernst an und fuhr fort: "Ihr müsst Euch das in großen Maßstäben vorstellen. Ihr müsst Euch das bis vor kurzem noch Unvorstellbare vorstellen. Krieg unter Regierungen. Regierungen, die es auf die Geschäftswelt abgesehen haben. Erpressung. Bestechung. Ihr könnt an eine Zelle hartgesottener krimineller Hacker denken, die Yahoo erklären: "Wir werden euch für zumindestens 10 Tage paralysieren. Zahlt uns 30 Millionen Dollar, und wir nehmen nicht nur Abstand davon, sondern zeigen euch auch noch, wie ihr euch vor derartigen Anschlägen schützen könnt. Glaubt Ihr nicht, dass die Yahoo-Direktoren lieber löhnen würden als sich Milliarden an Geschäftsentgang einzuhandeln?"
An diesem Punkt schaltete sich Frau Spott in die Konversation ein. "Die Internet-Jobs, über die wir hier sprechen, sind systemweite defensive Sicherheitspositionen. Und wir reden hier auch über wirklich großes Geld für dieses Fachwissen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass gute Web-Polizisten in der Gegend von 150.000 Dollar pro Jahr lukrieren könnten. Das rührt von dem Umstand her, dass es völlig anderer Security-Skills bedarf, um heimtückische Anschläge zu handhaben, wie Mr Snearing sie ausgemalt hat. Und ein smarter Programmierer, der sich mit Software und Codieren auskennt, hilft da nicht viel weiter. Die neuen Leute in der Security müssen denken können wie Diebe. Sie müssen etwas von Psychologie verstehen und gerissen sein. Sie müssen tausend Szenarios gleichzeitig bearbeiten können. Sie werden Meister eines Schachbretts aus High-Tech-Gerät und technischen Kniffen sein."
"Und sie werden Team-Spieler sein müssen. Ganze Armeen dieser hochbezahlten Spezialisten werden notwendig sein, um nur eine Website zu verteidigen. Das unglaublichste ist aber, dass diese Jobs noch nicht einmal erkannt oder beschrieben sind. Das wird sich erst im Laufe dieses und des nächsten Jahres entwickeln. Es ist eine gute Zeit für junge Leute wie viele Eurer Leser welche sind, über ein Leben als Security-Cop nachzudenken."
Frau Spott machte eine Pause und erklärte dann in autoritärem Tonfall: "Eines kann ich Euch sagen. Es wird ein spannender Beruf werden. Es wird viele Positionen geben und es wird Spionage und Gegenspionage involvieren."
Mit einem Glitzern in ihren Augen erklärte sie noch, wie sehr ihr selbst diese Rolle gefallen würde: "Es wird fast so werden wie in den Tagen als die Leute vom KGB und CIA sich in dunklen Gassen Berlin herumdrucksten. Aber statt dunkler Gassen und verschwörerischer Cafes werden diese neuen Agenten in state-of-the-art Computerlaboratorien und den Festhallen der Firmen arbeiten. Es wird aber trotzdem aufregend."
Einige Anmerkungen
Zitat: "Es ist die Brücke für Web-Autoren in die XML-Welt der strukturierten Daten, die auch in der Lage ist, mit User-Agents zusammenzuarbeiten, die HTML 4 unterstützen."
Umstände: W3C-Direktor Tim Berners-Lee stellt eine neue Web-Sprache namens XHMTL 1.0 vor.
Übersetzung: HTML ist tot. Wir sind in der nächsten Generation angelangt, und Verleger werden uns lieben, weil bald Hunderte neuer Titel in den Regalen rund um den Globus erscheinen werden.
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Zitat: "Verstärkt durch Kupfertechnologie, bietet der neue Supercomputer RS/6000 SP über 144 Knoten und 1152 Prozessoren und das SDSC-System ist der mächtigste Supercomputer, der heute der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung steht."
Umstände: IBM Presseaussendung.
Übersetzung: Wir sind schneller als du, ätsch. Und wir haben Kupfertechnologie in unseren Chips Wirklichkeit werden lassen. Wir sind also auch reicher als du, ätsch.
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Zitat: "Für jede Web-Site gibt es einen augenblicklichen und drängenden Bedarf nach multinationalen und mehrsprachigen Strategien. Wir marschieren geradewegs auf die Internationalisierung der Web-Sites zu."
Umstände: Ein kürzlich gemachtes Statement von Steve Jurvetson, Managing Director bei Draper Fisher Jurvetson, einer Venture Capital-Firma, auf der Venture Capital Conference in Palo Alto.
Übersetzung: Jene von euch, die noch immer Nationalismus und Isolationismus praktizieren, müssen über den Tellerrand der eigenen Küche hinaus denken und sich umsehen in der Welt. Der W-E-L-T. Das ist die große Kugel, auf der wir wohnen. Aufwachen.
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Zitat: "Innerhalb der letzten 24 Stunden haben wir eine Situation erkannt, die dazu geführt haben könnte, dass in die Kundendatenbank eingebrochen wurde, darunter auch in die Information über Kreditkarten. Wir habe während der letzten 48 Stunden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht."
Umstände: RealNames-Chef Keith Teare kam der Tatsache nach, dass seine Kundendatenbank gehackt worden war, und dass die Kreditkartennummern und Passwörter wahrscheinlich Mitte Februar ausgespäht wurden.
Übersetzung: Die Wendung "die dazu geführt haben könnte" ist reine Drückebergerei. Es hat dazu geführt. Aber was, tausend Rosen, wir haben die Tür fest verriegelt, nachdem das Pferd abgehauen ist.




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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 