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Hard & Software

Adobe tritt mit InDesign gegen den Monopolisten Quark XPress an

Neue Hoffnung im Layout

Was mit dem PageMaker nicht gelang, soll nun das Layoutmonster InDesign schaffen: Quark XPress vom Layout-Thron stoßen. Argumente dafür gibt es viele.

Ich erinnere mich genau - auf der CeBit ´93 bei der Aldus-Pressekonferenz in stockenden Worten die Übernahme durch Adobe bekanntgegeben wurde, keimte in der Welt der schönen Bilder Hoffnung auf. Quark XPress war im Bereich der professionellen Satzprogramme zum Standard geworden, hatte durch hohe Exaktheit und minimale Probleme bei der Ausgabe am Filmbelichter das Feld weit abgeschlagen. Andererseits hassten alle die Vorgehensweise der Firma Quark bezüglich ihrer Restriktionen, was Kopierschutz und Updates betraf. Das hoffnungsfrohe Produkt im geschlagenen Feld war der PageMaker, das Aushängeschild von Aldus und auch das Programm, das den Apple Macintosh zum Erfolg werden ließ. Leider hatte sich Aldus zu sehr auf die Anforderungen der breiten Masse konzentriert. Von Adobe erwarteten nun alle, dass der PageMaker wieder zum Standard in seinem Bereich werden würde.

Funktionierte aber nicht. Bis heute ist es nicht einmal gelungen, die Strukturen des PageMaker vernünftig in den Rahmen zwischen Illustrator und PhotoShop einzupassen. Adobe hat das - nach mittlerweile sieben Jahren - eingesehen und statt dessen ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Dieses Layoutprogramm orientiert sich an den Bedürfnissen des professionellen Anwenders und paßt optimal in die Reihe der anderen Adobe-Produkte. Der PageMaker soll sich weiterhin in den Büros tummeln.

Alles aus einer Hand

InDesign wendet sich an all jene, die bereits mit einem anderen professionellen Adobe-Produkt arbeiten: PhotoShop oder Illustrator. Dadurch verringert sich der Lernaufwand massiv. Gleiche Befehle finden sich in den gleichen Menüs wieder und machen dieselben Dinge. Zeichenstift oder Verlaufswerkzeug funktionieren wie viele andere genau gleich. Die nativen Formate von Adobe Illustrator, PhotoShop und die in der Druckvorstufe immer bedeutsameren Acrobat-PDFs können direkt in InDesign importiert werden.

Bilder und Grafiken aus Illustrator und PhotoShop werden in InDesign zu editierbaren Objekten. Laut Adobe spart das simple Ändern einer Illustrator-Grafik viel Zeit, meiner Meinung erfordert es viel Disziplin, genau das nicht zu tun, um zu verhindern, dass niemand mehr weiß, was das Original ist. Beispiel: Der Layouter setzt eine Zeitschrift mit Info-Grafiken, die sein Kollege entworfen hat. Leider hat eine der - immer wieder verwendeten - Info-Grafiken eine falsche Achsenbeschriftung. Unter Zeitmangel - und im Sinne Adobes korrigiert der Layouter das und bringt es auch korrekt in den Druck. Bei der nächsten Ausgabe der Zeitschrift erhält er fünf Info-Grafiken mit besagtem Fehler, die der Grafiker auf Basis der einen erzeugt hat. Ihn hat in der Hektik nämlich niemand über das Problem informiert.

PDF löst viele Probleme

Obwohl Layout- und auch manche Grafikprogramme heutzutage schon Bilder und Schriften für die Übergabe an die Druckerei zusammentragen können, kommt es immer wieder vor, dass eine Schrift fehlt oder das falsche Bild mitgeliefert wurde. Da sich diese Fehler oft erst im gedruckten Produkt offenbaren, sind sie meist sehr unangenehm. Die Praxis, solche Fehler zu verhindern, indem direkt Druckdateien geliefert wurden, bedeutet andererseits keinerlei Änderungsmöglichkeit in letzter Sekunde - und sei es nur ein Beistrich. Hier bietet das PDF-Format von Adobes Acrobat einen immer stärker angenommenen Verbesserungsansatz.

PDF-Dateien sind kleiner und kompakter als die entsprechenden Druckdateien, sie enthalten - wenn richtig voreingestellt - alle für die Ausgabe notwendigen Schriften und Bilder in den richtigen Formaten, man kann sie am Bildschirm betrachten und kleine Änderungen vornehmen, und der Druckprozeß wird besonders bei Drucker-RIPs, die PostScript Level 3 unterstützen, deutlich beschleunigt. Nicht zu vergessen, dass der Acrobat Reader, um PDF-Dateien zu lesen und zu drucken, für viele verschiedene Betriebssysteme lizenzfrei zur Verfügung steht oder die eingebauten Sicherheitsmerkmale, die auf Wunsch verhindern, dass PDF-Dokumente verändert werden. Adobe InDesign sichert Dateien direkt als PDF - ohne den Zwischenschritt über ein Programm wie Acrobat Distiller.

Kreativität total

Wenn man InDesign etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es Mangel an Kreativität. Früher war es üblich, dass Grafikprogramme eine Fülle von Funktionen enthielten, während Layoutprogramme hauptsächlich darauf ausgerichtet waren, möglichst viele Dateiformate zu verstehen. InDesign ist anders. Es verkauft sich als Layoutprogramm, geht aber in seiner Funktionsvielfalt weit in den Bereich der Grafikprogramme hinein. Es ist nicht mehr notwendig, vorher einen Rahmen zu erstellen und danach Text oder Bild zu importieren. Wozu auch? Wenn Sie einen Text plazieren, entsteht automatisch auch ein entsprechender Rahmen. Rahmen können beliebig verschachtelt sein und bleiben trotzdem einzeln bearbeitbar.

Das Verlaufswerkzeug läßt - wie bereits aus Illustrator gewohnt - keine Wünsche offen, da sie dem Gestalter volle Kontrolle über den Verlauf und alle seine Zwischenstufen geben. Das Bezierpfad-Werkzeug ermöglicht das Erstellen einfacher Grafiken oder die schnelle Bearbeitung importierter Grafiken. Mit der Schere werden Pfade zerschnitten, umgekehrt können mehrere Pfade auch zusammengesetzt werden. Während ich die beschriebenen Funktionen doch lieber im Grafikprogramm durchführe, gefällt mir die Umwandlung von Text in Pfade in InDesign doch sehr gut. Erst nach dieser Konvertierung können die Buchstaben mit Bildern, Grafiken oder kleinerem Text gefüllt werden. Als Illustrator-Anwender wird man sich fragen, wozu man überhaupt noch ins Grafikprogramm wechseln soll (kleiner Scherz am Rande).

Vorsicht: Freisteller

Ein heikles Thema betrifft die Möglichkeiten, die InDesign in Bezug auf Freistellungspfade bietet. Kurz zur Erinnerung: Da alle Bildformate rechteckig sind, werden PhotoShop-, TIFF-, aber hauptsächlich EPS-Dateien mit Beschneidungspfaden versehen, um die gewählten Objekte ohne Hintergrund darzustellen. Diese Pfade können beim Import in InDesign direkt in einen Rahmen konvertiert werden. Das gibt dem Layouter völlig neue Möglichkeiten der kreativen Seitengestaltung, trägt aber auch das Risiko, dass der neue Beschneidungspfad nicht so exakt ist wie der ursprüngliche.

Natürlich können Bild- und Textrahmen in InDesign gemeinsam skaliert werden, neu im Layout ist die Möglichkeit, beide zu neigen und damit interessante Effekte zu erzielen. Auch die Hemmnis der Montagefläche, die in anderen Programmen bei großen Bildern oder überdimensioniertem Text ein Drehen verhinderten, ist gefallen. Elemente können die Montagefläche teilweise verlassen, ohne beschädigt zu werden. Übrigens: Mit maximalen Seitengrößen von 4,57 x 4,57 m bietet InDesign deutlich mehr als seine Mitbewerber. Die Frage bei all dem kreativen Potential - das nur wenige Anwender nutzen - ist, ob nicht dadurch vermehrt Probleme entstehen.

Endlich: Ebenen beim Layouten

Erhöhte Produktivität wird das Schlagwort sein, unter dem viele Produktionsleiter InDesign unter ihre Fittiche nehmen werden. Beliebig viele Rückgängig- und Wiederherstellen-Schritte verhindern den Super-GAU per Tastendruck und animieren zum lustvollen Experimentieren. Dokumentenweite Ebenen sind mir schon lange abgegangen. Wer sich je damit gespielt hat, einen bestimmten Rahmen auszuwählen, wenn vier oder fünf über ihm lagen, versteht mich. Ebenen können ein- und ausgeblendet, untereinander verschoben oder undruckbar gemacht werden. Das ist ein echter Fortschritt. Dokumente mit gleichem Satz und gleichen Bildern, die in unterschiedlichen Sprachen existieren, müssen nicht mehr auf verschiedenen Seiten oder in verschiedenen Dateien Platz finden. Oder Marketingunterlagen, die für unterschiedliche Hierarchieebenen unterschiedliche Detailinformationen (z.B. Preise) bieten.

Im Bereich der Standardseiten führen objektorientierte Vererbungen zu modifizierten Töchtern und Enkeln, was Designvariationen wesentlich vereinfacht. Mehrere Ansichten einer Satzdatei gleichzeitig am Schirm zu haben, ist insbesondere bei großen und oder mehreren Schirmen interessant, da zum Beispiel bei Veränderungen im Detail auch gleich immer die Auswirkungen aufs Ganze gezeigt werden. Die Navigatorpalette ermöglicht zudem den schnellen Zugriff auf jeden Teil der Seite in Vergrößerungen von 5 bis 4.000 Prozent.

Aus hoch mach quer

Einen interessanten Ansatz bietet InDesign zur automatischen Layout-Anpassung. Da viele Dokumente sowohl im Hoch- für den Druck als auch im Querformat für den Bildschirm gesetzt werden müssen, denken Layouter seit Jahren darüber nach, wie man das effizienter tun könnte.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz versucht InDesign, Formatänderungen umzusetzen, kann aber bei effizienten Experimenten mit unterschiedlichen Spaltenmaßen oder Seitengrößen helfen. Wenn das in der Praxis wirklich so funktioniert wie bei meinen Testdateien, ist diese Funktion ein echtes Killer-Feature.

Endlich guter Blocksatz

Das für mich überzeugendste Argument, auf InDesign umzusteigen, liegt im Bereich der typographischen Kontrolle. Ach wie schön kann doch ein Blocksatz sein, und wie schwer ist er zu erreichen. Automatisch bis dato gar nicht, und auch manuell nur mit viel Erfahrung und Mühe. Beim Versuch, ganze Zeilen zu ziehen, haben sich die Programme bisher immer nur um eine einzelne Zeile gekümmert. Wie das Gewirr von einzelnen Zeilen dann aussah, war egal. In InDesign steht neben diesem auch ein neues Verfahren zur Verfügung: Der mehrzeilige Composer. Er bezieht einstellbar viele Zeilen in seine Berechnungen ein und erreicht damit einen gleichmäßigen Zeichenausgleich, vermeidet Trennungen und ist im Gegensatz zu traditionellen Satzgeräten in der Lage, in einem Absatz sowohl vorwärts als auch rückwärts zu blicken. Wahnsinn! Und es funktioniert wirklich.

Dazu kommt eine Programmgenauigkeit, die bis auf einen Millionstel Punkt genau positioniert, um auch auf höchstauflösenden Belichtern optimale Ergebnisse zu erzielen. Auch beim Zeichenausgleich bietet Adobe InDesign vorbildliche Möglichkeiten. Neben dem optischen Kerning, bei dem InDesign automatisch den idealen Zeichenabstand bestimmt, können Zeichenpaare manuell mit hoher Genauigkeit ausgeglichen werden. Bei längeren Texten kann die Laufweite individuell angepaßt werden, aber auch eigene Unterschneidungstabellen für einzelne Schriften werden unterstützt.

Optischer Randausgleich

Eine Funktion, die mir immer abgegangen ist und die ich in InDesign zum ersten Mal im DTP finde, ist der optische Randausgleich. Auch wenn im Blocksatz alle Zeilen an der gleichen Position enden und an einer anderen, ebenfalls gleichen Stelle enden, ergibt sich für das Auge nicht zwangsläufig eine Gerade. Beim optischen Randausgleich werden Satzzeichen und Trennungen aus dem Block gestellt, wodurch das Auge wundersamerweise ein viel stärkeres Blockempfinden hat. Ich liebe InDesign. Und für viele Profis wird das wohl auch ein Killer-Feature sein.

Flexible Raster und Linealhilfslinien machen das Arbeiten unmerklich angenehm. Der Anwender selbst kann einstellen, ab welchen Darstellungsgrößen welche Raster und Hilfslinien dargestellt werden. Es würde wohl keinen Sinn machen, bei einer Ganzseitendarstellung alle Raster und Hilfslinien einzublenden, da der Blick auf die eigentliche Arbeit dann nicht mehr gegeben wäre.

Die durchgängige Unterstützung konsistenter Farbausgabe mit Hilfe von ICC-basierten Farbmanagement-Kontrollen stellt einen großen Schritt in Richtung Standard-Farbe dar. Damit ist es auch dem Laien möglich, bessere Farbähnlichkeiten seiner gestalteten Seiten zwischen Druck und Desktop-Farbdruckern zu erzielen. Das Gelbe vom Ei sind diese Farbmanagementsysteme allerdings alle nicht, aber dafür kann InDesign nichts.

Apple, Java oder Basic Scripts

Adobe InDesign bietet Unterstützung von Skriptsprachen für die individuelle Anpassung des Programms: AppleScript, MS Visual Basic oder Visual Basic for Applications (VBA). Entwickler von JavaScript können auch C++-Code schreiben.

Adobe InDesign unterstützt zahlreiche Sprachen und wird mit 21 verschiedenen Wörterbüchern ausgeliefert. Einzelne Sprachen können mit Zeichen, Wörtern, Absätzen oder Textabschnitten verbunden werden, eine Sprache kann auch direkt Teil eines Zeichen- oder Absatzformates sein. InDesign verwendet dann automatisch die richtige Rechtschreibung und Silbentrennung.

Umstieg aus XPress und PageMaker

In einem Bereich wie dem Druck und dessen Vorstufe, wo es in hohem Maße auf Zeit und Produktivität ankommt, vertraut man auf wenige Standards, die man dann auch sehr gut kennt. InDesign verspricht hier Abhilfe, indem es behauptet, XPress-Dateien der Versionen 3.3x und 4.0 und PageMaker 6.5 Dateien direkt zu öffnen.

Dass das nicht wirklich funktionieren kann, muss jedem Anwender bewußt sein. Bei einfachsten Dokumenten ist dies vielleicht möglich, bei komplexeren verhindern unterschiedliche Arbeitstechniken und fehlende Funktionen der Programme die Fehlerlosigkeit. Durch die automatische Umwandlung ist auch meist ein Weiterarbeiten an dem Dokument nicht vernünftig möglich. Aber um das geht es auch nicht. Adobe tut alles, um InDesign schmackhaft zu machen und plant auch, Konvertierungskits für detaillierte Informationen zu den Konvertierungsmöglichkeiten bereitzustellen.

Fazit

Adobe InDesign ist zu viel von allem. Wunderbar, dass es all die neuen Möglichkeiten bietet, aber wo sollen all die Paletten am Bildschirm hin. Einen zweiten Monitor muß man sich (platzmäßig) leisten können, und auch dann ist der Mausweg dorthin lästig. Von einem modular aufgebauten Programm hätte ich mir erwartet, dass das nicht nur die Erweiterungsmöglichkeiten betrifft, sondern auch den Funktionsumfang selber.

Diese Kritik der Überfrachtung soll aber nicht den Eindruck erwecken, dass InDesign ein schlechtes Programm ist. Effizientes Arbeiten ist ebenso gegeben wie professionelle und stabile Druckergebnisse, insbesondere durch die PDF-Unterstützung. Der wesentlichste Kritikpunkt aller XPress-Anwender ist, dass InDesign nicht XPress ist. Wenn das verstanden wurde, werden die Anwender bestimmen, ob InDesign zum Standard wird. Der Preis, der zur Zeit bei einem Viertel von Quark XPress liegt, spricht jedenfalls dafür.

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