Übersetzt aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar
Es war wie in der guten alten Zeit vor zehn Jahren, als so viele Exemplare von MS-DOS in Umlauf waren wie von Windows, damals, als das Internet buchstäblich noch im Säuglingsalter war. Und: es war haargenau so, wie es mir die Leprechauns prophezeit hatten - eine Reise nach Anno Dazumal, voll alter Erinnerungen.
Als die Leprechauns an meiner Tastatur zu unserem monatlichen Treffen erschienen, erwarteten sie gespannt meine Reaktion auf eine URL, die sie mitgebracht hatten - http://siag.nu/index.html. Das ist die Site von Siag Office, theoretisch ein Mitbewerber zu Microsofts Office 2000. Auf Drängen der Leprechauns besuchte ich diese Site und wusste dann nicht, ob ich dem Brüllacher nachgeben sollte, der sich in meinem Bauch staute.
Ich gab nach und war sehr erleichtert - nicht zuletzt, weil es auch die Leprechauns wahnsinnig lustig fanden. Der Siag-Slogan lautet: "It sucks less" -- "Nicht gar so ein Schmarren". Mr. Snob hatte Tränen in den Augen als er meinte: "Nun, O Freund der Lebkuchen, wenigstens sind sie ehrlich. Sie haben nicht den Rummel und das Melodram einer Microsoft-Website. Und durch den Hinweis darauf, dass sie nicht gar so ein Schmarren sind, geben sie wenigstens ein bisschen Schmarren zu, aber die Implikation lautet, vielleicht, dass sie weniger Schmarren sind als... Office 2000?"
Ich blätterte durch die Site und las von Siags "erbärmlichem" Pathetic Writer, einer Textverarbeitung, die vollständig für X-basiertes Unix geschrieben ist. Das erinnerte mich an die frühen Tage der Computerei, als Tausende von Amateurprogrammierern ihre Applikationen als Shareware herausbrachten und deren Brillanz lautstark auf Usenet verkündeten. Downloads kosteten auch damals nichts, dauerten aber sehr lange. Wir hielten 1200 baud in jenen Tagen für ein schnelle Modemverbindung. Mann, 1200 baud... das hatten nur die besseren Leute...
Die Leprechauns dirigierten mich auch zu einer beliebten Page namens "Dave Central" auf http://linux.davecentral.com/officess.html, wo es unüberschaubare Mengen an Linux-Shareware gibt. Dieser Dave-Typ hat seine Seite nach Shareware für Linux und Shareware für Windows eingeteilt. Es erinnert mich an die Einteilung vor geraumer Zeit, die nach DOS und Windows erfolgte. Dave bezeichnet sich selbst als "Jäger und Sammler", wie etwa in seiner Eigenwerbung "Ich bin einer der Auserwählten, der stolze, unerbittliche... Ich bin Dave Franklin, Jäger und Sammler!"
"Seht Euch irgendeine der Sites an, die heute Linux-Applikationen anbieten und es wirft Euch zurück in die Zeit von DOS und Windows. Sogar die Sprache ist abgedroschen und ein wenig unreif. Wir Leprechauns erinnern uns noch daran, als Ihr mit der Suche nach und dem Lesen über neue Utilities und Anwendungen am Internet Stunden verbrachtet. Ihr, O Kenner der dragierten Erdbeerkeksis, nanntet das Internet in jenen Tagen den "Information Superhighway". Und die meiste Zeit über verwendete Ihr ein Programm namens Archie. Es war ein Gopher-artiges Programm mit dem man durch die Shareware-Bibliotheken surfen konnte - obwohl Ihr den Begriff "surfen" damals noch nicht kanntet."
Es war der ausgeglichene Mr. Skillin, der sagte: "Nun, die Lektion hier lautet, dass sich die Geschichte immer wieder wiederholt. Erinnert Euch: als MS-DOS neu war, schrieben die Programmierer in GroßemWahnsinns(TM)-Basic. Jeder hatte ein Utility-Programm für zwei Dollar im Angebot. Das gleiche passierte mit Windows - und seht nur, wie populär DOS und Windows wurden. Jetzt geschieht es mit Linux, und das bedeutet ganz einfach, dass Linux angekommen ist. Es wird nicht, wie Microsoft gehofft hat, wieder verschwinden. Und mehr und mehr Applikationen werden dafür geschrieben. Man weiß, dass etwas kraftvoll am Leben ist, wenn Sites wie Freshmeat (http://freshmeat.net) sehr beliebt geworden sind. Die Sache ist gegessen."
Bevor ich das Thema wechseln konnte, schaltete sich die allgegenwärtige Frau Schaum ein, unsere ewige Optimistin. "Apropos Internet" zwitscherte sie, "ich halte es für eine sichere Wette ist, dass Nordeuropa innerhalb von fünf Jahren mit den USA beim e-Commerce Gleichstand erreichen wird."
Ich wandte den Kopf zu Frau Schaum und fragte sie, ob sie zu dieser Prophezeiung ganz alleine gekommen sei. Sie bejahte eifrig - und zufällig war das auch Forrester Researchs These. Wie Frau Schaum gleich erklärte: "Dr. Therese Torris von Forresters Forschungszentrum für europäischen e-Commerce meinte, dass 30 Prozent der neuen Internet-Benutzer in Nordeuropa durch Gratiszugänge ans Netz kämen, und e-Commerce sollte bis 2003 um 100 Prozent pro Jahr wachsen. Ab 2004 werden rund 100 Millionen Menschen online einkaufen. Das europäische Online-Business wird 2004 einkommasechs Millionen Millionen Dollar (US$ 1.6 Trillion) umfassen, aber nur Nordeuropa wird in die Nähe der Umsätze der USA kommen. Dr Torris sagt, die europäischen Firmen müssten e-Commerce-Netzwerke bilden, um die einzelnen Abteilungen für den Handel in Echtzeit zu verknüpfen."
Die formidable Frau Besserwiß trat vor, um in der Schar Leprechauns auch einmal etwas sagen zu können. "Ich glaube, das interessanteste in nächster Zukunft sind die "private label"-Internetdienste. Ich weiß zwar nicht, ob sie den allgemeinen Umfang des Internet vergrößern oder sich Marktanteile auf Kosten anderer ISPs einverleiben werden, aber in jedem Fall werden sie als ein interessantes Phänomen zu beobachten sein - und bald auch die europäischen Märkte erreichen."
Ich setzte Frau Besserwiß davon in Kenntnis, dass ich mit dem Begriff "private label ISP" nichts anfangen konnte. Das war zwar nicht ganz richtig, aber sie liebt es, mit ihren Weisheiten angeben zu können und gerne helfe ich ihr dabei ein bisschen. Sie nahm die Gelegenheit augenblicklich wahr: "Das beste Beispiel, das ich Euch geben kann, ist das New York Yankees Baseball-Team. Sie haben eine Private Label-Internet Domain namens @newyorkyankees.com. In anderen Worten: wenn Ihr das Service verwendet, so könnte Eure e-Mail-Adresse evan@newyorkyankees.com sein. Oder, vielleicht seid Ihr David Bowie-Fan. Bowie hat die Private Label-Internet Domain @davidbowie.com.
"Jeder wird auf diesen Zug aufspringen. Markennamen, Fluglinien, Banken, Rockstars, Fußballmannschaften, ländliche Regionen und Städte. Es wird wie das Spiel mit Etiketten sein, das Visa und MasterCard eingeführt haben. Man kann Kreditkarten mit eigentümlichen Namen sehen, die dem Karteninhaber etwas Eigenwerbung verschaffen. Tatsächlich weiß ich, dass eine Eurer Kreditkarten, o Huldiger der Mandelcremeschnittchen, den Namen der Southwest Airlines trägt. Was hat sie mit Eurem Bankkonto zu tun? Gar nichts. Aber es ist ein gutes Werbevehikel für Southwest und sie können Euch zusammen mit der monatlichen Abrechnung Reklame schicken."
Ich war etwas verdrossen, dass Frau Besserwiß wusste, welche Kreditkarten ich besaß - aber die Leprechauns waren in dieser Hinsicht ganz erstaunlich. So denke ich, dass wir sehr bald sehr merkwürdige Internet-Adressen in der Gegend herumschwirren haben werden. Das Internet kennt bei der zukünftigen Verwendung keine Grenzen.
Copyright 1999 by Evan Mahaney (evan@reporters.net)
Das Zitat: "Siag wird in Modulen vertrieben, von denen nur das erste eine absolute Notwendigkeit ist. Der Rest kann auf Kosten reduzierter Funktionalität weggelassen werden."
Die Umstände: Zu lesen auf der Siag-Website, wo man ihre diversen Applikationen für das Betriebssystem Linux downloaden kann.
Die Übersetzung: Wir haben eigentlich noch keine vollständige Suite, aber wir haben viele kleine Teile, die man verwenden kann, um sich selber so eine Art vollständige Suite zu machen. Ähhh, es ist eigentlich keine Suite. Aber, wir machen Fortschritte in diese Richtung. Bleiben Sie dran.
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Das Zitat: "Die Firmen müssen die Klischees und den Rummel von gestern vergessen und sich auf die praktischen Belange konzentrieren, um die für den Erfolg von e-Commerce maßgebliche Infrastruktur aufzubauen, wie etwa Personal mit der richtigen Qualifikation."
Die Umstände: Dr. Therese Torris von Forresters European Internet Commerce Research in einem Kommentar zum Potential für europäischen e-Commerce im Wettbewerb mit dem amerikanischen.
Die Übersetzung: Die Handelsunternehmen in Europa müssen die alten Regeln über Bord werfen und innovativer werden. Wacht auf, Leute. Macht mit beim 21. Jahrhundert.
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Das Zitat: "Das Jahr 2000 leitet eine neue Epoche für Konsumelektronik ein, ein wichtiger Moment im Computing, weil Software neue Dienste und neue Tools für Konsumenten ermöglichen wird. So einfach ist das."
Die Umstände: Bill Gates bei seiner Eröffnungsrede auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas.
Die Übersetzung: Wir ändern den Namen unseres kleinen Betriebssystems von Windows CE auf Pocket PC und werden eine Zillion Wege finden, es Ihnen durch Verschmelzung mit Software und Inhalten zu verkaufen.
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Das Zitat: "Von allen Betriebssystemen da draußen hat es das beste Fundament."
Die Umstände: Steve Jobs auf seiner Eröffnungsrede zur Macworld Expo, wo er ein neues Mac-Betriebssystem namens OS X vorstellte (Man spricht es "OS Zehn" aus, obwohl es als "O ess ix" geschrieben wird). Es wird ab Juni erhältlich und ab Herbst auf allen gelieferten Macs vorinstalliert sein.
Übersetzung: OS X ist das sauberste und beste Betriebssystem überhaupt. Besser als Linux, Unix und Windows.
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Das Zitat: "Ich hoffe, dass wir den tatsächlichen Verhältnissen gut nachgekommen sind, als wir das "interim" gekübelt haben."
Die Umstände: Steve Jobs auf der Macworld Expo, in einer Ankündigung, dass zweieinhalb Jahre Suche nach einem neuen CEO vorbei sind - und Jobs der neue CEO ist.
Die Übersetzung: Es wird langsam Zeit, dieses dumme Spiel zu beenden und aufzuhören, so zu tun, als suchten wir einen neuen Chief Executive Officer. Ich bin der beste, wofür also das ganze.




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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 