1-3-2000 | Aus MONITOR 3/2000 Gedruckt am 31-07-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/2193
Lösungen

IBM Kassenlösung für die Wiener Linien

Unterwegs in Wien

“Das neue Verkaufssystem sollte den Wiener Linien ermöglichen, ihren Fahrgästen sämtliche im Verkehrsverbund Ost-Region geltende Fahrausweise anzubieten. Durch die Neugestaltung der Fahrausweise wurde auch den Kundenbedürfnissen Rechnung getragen”, so Harald Grabmaier, Projektleiter von WILIPOS bei den Wiener Linien. Die von IBM und Partnerunternehmen realisierte WILIPOS-Lösung ersetzt das seit 1984 existierende Verkaufssystem der Wiener Linien in den Vorverkaufsstellen.

"Die technische Zielsetzung dieses Projektes sah von Anfang an den Einsatz einer flexibel anpassbaren Softwarelösung vor. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Abbildung des kompletten Angebotes an Fahrausweisen und Tarifen der Wiener Linien gelegt," so Marcus Oppitz, Geschäftsführer von MC Software, einem der Projekt-Partner.

Die Fahrausweise sollten vor Ort in den Vorverkaufsstellen auf das neue Fahrausweisformat in Scheckkartengröße gedruckt werden. Um die Verfügbarkeit in den Vorverkaufsstellen zu gewährleisten, waren die einzelnen Verkaufs-PCs als autonome Arbeitsplätze auszulegen. "Da eine korrekte Bestandsführung und Erfassung der Verkaufszahlen nur über eine zentrale Datenhaltung zu lösen ist, wurde ein periodischer Datenabgleich zwischen Verkaufsstellen und einer zentralen Datenbank gefordert", erklärt Oppitz. Den Verkäufern in den Vorverkaufsstellen sollte trotz der erweiterten Funktionalität ein einfaches nach ergonomischen Grundsätzen zu bedienendes Instrument angeboten werden.

Neben dem zeitgemäßen Design wurden vor allem die Wünsche der Fahrgäste nach handlicheren Tickets im Scheckkartenformat berücksichtigt. So entfällt künftig bei den Wochen- und Monatskarten das von den Kunden vielfach kritisierte Aufkleben der Wertmarken auf eine vorher zu besorgende Grundkarte. Als weiterer kundendienstlicher Vorteil sind durch die Integration der Bankomatkassen in das System sämtliche bargeldlose Zahlungsformen (Bankomat- und Kreditkarten sowie Karten mit "Quick-Funktion") verfügbar.

Organisatorische Zielsetzungen

"Da das Angebot an unterschiedlichen Fahrausweisen der Wiener Linien und des VOR in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat, sollte das neue System diesen Umstand Rechnung tragen und in Bezug auf Fahrausweis- und Tarifgestaltung ein Höchstmaß an Flexibilität und Verfügbarkeit bieten", erläutert Alfred Almeder, Abteilung Tarifangelegenheiten bei den Wiener Linien.

Gleichzeitig sollten sowohl die Stammdaten (Fahrausweistypen, Zonen, Tarife) als auch die Bewegungsdaten (Verkaufszahlen, Bestände, Finanzdaten) in einer einheitlichen Form zentral und aktuell zur Verfügung stehen und auch zentral gepflegt werden können. Auf Grund der geforderten Gebahrungssicherheit mußte eine exakte und eindeutige Kennzeichnung der Fahrausweise und die damit verbundene Bestandsführung realisiert werden.

Detaillierte Vorgaben

Als Grundlage für die Beschaffung des elektronischen Fahrausweisverkaufssystems für den betriebseigenen Vorverkauf wurde von den Wiener Linien unter Mitwirkung des Rechenzentrums der Wiener Stadtwerke ein Lastenheft erarbeitet, in dem die Systemanforderungen sehr detailliert dargestellt waren. Auf Grund der sehr spezifischen Projektanforderungen wurde im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung ein Verhandlungsverfahren abgewickelt. Nach fachlich-technischer sowie wirtschaftlicher Prüfung der eingelangten Angebote wurde seitens der an der Ausschreibung beteiligten Dienststellen der Wiener Linien einhellig vorgeschlagen, den ausgeschriebenen Auftrag zur Lieferung des elektronischen Fahrausweisverkaufssystems an IBM zu vergeben.

"Zur Qualitätssicherung wurde bereits in der Vorbereitungsphase ein umfangreicher Testdaten- und Testfallkatalog entwickelt, der im weiteren Projektverlauf einen systematischen Testbetrieb ermöglichte", weiß Gottfried Prohaska, Projektleiter WILIPOS bei IBM. In die Projektumsetzung war ein Team der Wiener Linien integriert, welches in allen Phasen des Projektes mitwirkte und die Abnahmen der einzelnen Projektphasen durchführte. Das Projekt war in die Phasen Vorbereitung (Project Definition Workshop, Pflichtenheft, Testfälle und Testdaten,...), Entwicklung inkl. Tests, Pilotierung, Schulung und Rollout gegliedert. Jede Phase wurde mit der Erfüllung gemeinsam definierter Ziele abgeschlossen.

Arbeitsplätze in den Verkaufsstellen

"Die Anforderungen an die Arbeitsplätze in den Verkaufsstellen sahen eine möglichst einfach handhabbare Softwarelösung vor. Diese Anforderungen konnten durch den Einsatz des mittels Parameter konfigurierbaren Standardprogrammes VIENNA POS der MC Software erfüllt werden", so Oppitz. Sonderfunktionen für den Verkauf von Fahrausweisen der Wiener Linien wurden in Form von Zusatzfunktionen implementiert.

Die Basis für die Verkaufsstellen-Arbeitsplätze sind IBM PCs mit dem Betriebssystem WindowsNT-Workstation. Die Anforderungen an den Druck von Fahrausweisen erforderten die Integration von 2 speziellen Druckern: Für das Erstellen von Fahrausweisen im Scheckkartenformat wurden Etikettendrucker der Fa. METO in zwei Bauarten (Bandit und Vulcano) integriert; für das Bedrucken von Fahrscheinen und den Druck von Verkaufsbelegen und Berichten wurde der 2-Stationendrucker IBM 4610 verwendet. Weiters wurde eine On-Line Anbindung von Bankomat-Terminals realisiert. Da die Datensicherheit bei Verkauf von Fahrausweisen besonders wichtig ist, wurde eine On-Line Sicherung der Verkaufstransaktionen auf einen physisch unabhängigen Datenträger in Form einer PCMCIA-Speicherkarte implementiert. Dadurch stehen auch im Falle eines Plattenausfalles sämtliche Verkaufsbelege zur Verfügung.

Die Systemarchitektur

"Die implementierte Software löst diese Anforderungen durch eine Kombination einer Client-Server-Architektur mit autonom arbeitenden Verkaufs-PCs in den Verkaufsstellen", erklärt Oppitz. Als Netzwerk wird dabei das Token-Ring-Netzwerk der Wiener Stadtwerke genutzt, das bis auf wenige Ausnahmen in jeder Verkaufsstelle und an allen Verwaltungsarbeitsplätzen zur Verfügung steht. In jenen Verkaufsstellen wo kein TR-Anschluß verfügbar ist werden ISDN-Wählleitungen verwendet.

"Um die Autonomie der Verkaufsstellen zu gewährleisten, sind die Verkaufsstellen-PCs mit einer eigenen lokalen Datenbank ausgestattet. Alle anderen Arbeitsplätze sind Clients an der zentralen Datenbank", unterstreicht Grabmaier.

Die zentrale Datenbank und die lokalen Datenbanken auf den Verkaufsstellen-PCs sind strukturgleich wobei die zentrale Datenbank die Gesamtheit aller Stamm- und Bewegungsdaten speichert und die einzelnen lokalen Datenbanken den jeweiligen für die Verkaufsstelle relevanten Ausschnitt der Daten enthalten.

Der periodische Datenaustausch mit der zentralen Datenbank erfolgt über das Token Ring-Netzwerk der Wiener Stadtwerke und stellt durch das angewendete Replikationsverfahren eine komplette und konsistente Datenverteilung zwischen den Verkaufsstellen und dem zentralen Server sicher. Der zentrale Server unter WNT hat dabei einerseits die Aufgabe der Datensammlung (Verkaufsdaten) und der Datenverteilung (Stamm- und Tarifdaten) und ist andererseits der Datenbankserver für die Verwaltungsebenen der vier Verkaufsstellenverwaltungen und der zentralen Datenverwaltung und Berichtserstellung. Der Datenaustausch durch die Replikationsprozesse erfolgt automatisch zu bestimmten Zeitpunkten sowohl während des Tagesbetriebes als auch nach Betriebsende.

Lösung bietet viele Vorteile

Die der Anwendung WILIPOS zu Grunde liegende Softwarelösung VIENNA POS ist als umfassendes Filialverwaltungssystem konzipiert und enthält sowohl die lokalen Komponenten für die Abwicklung der Verkaufstransaktionen in einem Kassenmodul (VIENNA POS Kasse) als auch die zentralen Komponenten zur Organisation der Stammdaten und Verkaufsdaten in einem zentralen Server (VIENNA POS Administration) .

Die Bedieneroberfläche des Verkaufsstellen(Kassen-)programmes wurde zu 90 % aus den parametrierbaren Funktionen des VIENNA POS Kassenprogrammes realisiert. Dabei wurde auf die klare und einfache Benutzerführung - abgestimmt auf die Arbeitssituation des Verkäufers - besonderer Wert gelegt. So wurde z.B. aus ergonomischen Gründen ein enger optischer Zusammenhang zwischen Bildschirmanzeige und PC-Tastatur - insbesondere den Funktionstasten - hergestellt. Damit ergibt sich zusammen mit einer klaren Farbkennung am Bildschirm eine einfache Bedienung durch Tastendrücke.

"Mit der neuen Generation an Fahrausweisen konnten neben dem wesentlichen Ziel des zeitgemäßen Scheckkartenformats auch noch einige interessante Verbesserungen für den Kunden erzielt werden", unterstreicht Grabmaier . Dazu einige Beispiele:

  • Wegfall des "unhandlichen Stammkartenkartons" durch Ersatz umweltfreundlicher (Papier) Scheckkarten-Fahrausweise.
  • Möglichkeit für Schüler die Zusatzkarte (=Netzaufzahlung für ganz Wien) auf einmal für das ganze Schuljahr (statt monatlicher Käufe) erwerben zu können.
  • Einmalzahler von Jahreskarten können dies schon einige Monate im Voraus durchführen, anstatt dies erst kurz vor Ablauf des alten Abos zu realisieren (Problem bei Abwesenheit).

"Das volle Engagement aller Beteiligten war Voraussetzung für die termingerechte Abwicklung des Projektplans. Dieses ständig spürbare Klima des aktiven Bemühens hat auch in allen "kritischen Phasen" dazu geführt, das nie der Rahmen der Sachlichkeit verlassen wurde, und somit den erforderlichen Lösungsansätzen keine unnötigen Behinderungen entstanden sind", ist Grabmaier sichtlich zufrieden mit dem Projektverlauf.

Projektmanagement und die Bereitschaft analytisch die Anforderungen der Wiener Linien zu erfassen, haben in allen Phasen das Verständnis für die betriebsnotwendigen Zusammenhänge gewährleistet. Als völlig unverzichtbar hat sich dabei auch die sorgfältig geführte Dokumentation aller Anforderungen dargestellt. (Mai)

Fakten Technologie

  • Autonome Verkaufsschalterplätze mit eigenen Datenbanken: 52
  • Verkaufsstellenverwaltungen (Clients): 4
  • Sonstige administrative Arbeitsplätze (Clients): 8
  • Zentraler Server: 1
  • Datenbank: Sybase SQL Anywhere
  • Programme/Implementierung: Borland Delphi, Borland Delphi Data Base Engine, ODBC
  • Berichte/Implementierung: Crystal Report

Transaktionen

  • Anzahl der Verkaufsbelege pro Monat insgesamt: 120.000
  • Anzahl der Verkaufsbelegpositionen pro Monat insgesamt: 300.000

Datenbank

  • Anzahl Tables: ca 120
  • Anzahl Stored Procedures: ca 50
  • Datenvolumen zentrale Datenbank: bis zu 2,6 GB
  • Datenvolumen Verkaufsstellen-Datenbanken: bis zu 100 MB

Ausstattung der Verkaufsstellen

  • IBM PC300GL
  • IBM 9514-TFT-Bildschirm
  • COMPUTONE-Schnittstellenkarte für die seriellen Peripherieeinheiten
  • JARLTECH-Display
  • IBM4610 Bondrucker
  • ESSELTE METO Bandit bzw. Vulcano Fahrausweisdrucker
  • Anbindung des Bankomat/Chip/Kreditkarten-Terminals

 

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