6-6-2017 Gedruckt am 25-06-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17298

Interview – Martin Madlo, Interxion

Cloud, Connectivity und erfolgreiches Business

"Letztendlich geht es nicht um Technologie, sondern um das Business", sagt Martin Madlo, Chef von Interxion in Österreich. Als daraus folgenden, logischen Schritt etabliert der Anbieter von Rechenzentrumsdienstleistungen seinen Hub in Wien als Cloud Hub und ermöglicht es internationalen und lokalen Cloud-Anbietern – etwa den führenden Public-Cloud-Service-Anbietern Microsoft und AWS – den Interxion-Kunden ihre Dienste anzubieten.

Rudolf Felser

"Es wird auch weiterhin Workloads geben, die im traditionellen Umfeld effizienter abgebildet werden können." - Martin Madlo,Managing Director von Interxion Österreich (Bild: Interxion)

Martin Madlo, seit 2015 Managing Director von Interxion Österreich, steht seit mehr als 15 Jahren in den Diensten des Unternehmens. Insgesamt kann er auf 25 Jahre Erfahrung in Planung und Betrieb hochverfügbarer Rechenzentren zurückblicken, beispielsweise auch bei den Österreichischen Lotterien. Wir haben ihn zur Rolle Interxions in der Cloud-Welt befragt, dazu, wo Cloud Sinn macht und wo nicht und darüber, wie viel man mit der Wolke sparen kann.  
 
Herr Madlo, Interxion ist Anbieter von Rechenzentrumsdienstleistungen, beispielsweise Stellfläche für die Einrichtung einer eigenen Private Cloud, bietet aber außerdem Anschluss an große Public Clouds, wodurch sich auch hybride Konzepte umsetzen lassen. Wie bzw. wo sehen Sie Ihre Rolle in der Cloud-Welt? 
Interxion hat sich über die letzten Jahre als Carrier-Hub in der ganzen CEE Region, nicht nur in Österreich, etabliert. Damit haben wir ein Environment für Unternehmen geschaffen, auf einfachste Weise miteinander zu kommunizieren bzw. Ihre Bedürfnisse an Carrier-Connectivity zu decken. In Folge haben wir den Interxion Hub in Wien auch als Content Hub etabliert. Die weltweiten Content-Anbieter stehen mit ihren Leistungen von diesem Campus aus zur Verfügung. Als logischer nächster Schritt in Carrier- und Content-Neutralität etabliert Interxion den Hub in Wien als Cloud Hub und ermöglicht es internationalen und lokalen Cloud-Anbietern, ihre Dienste in diesem Environment anzubieten. Ergänzt durch unser Cloud-Connect-Service, das es Kunden ermöglicht sich direkt mit den führenden Public-Cloud-Service-Anbietern wie Microsoft und AWS zu verbinden. Dadurch haben unsere Kunden vielfältige Möglichkeiten, die Vorteile von Cloud in Wien zu nutzen. 
 
Was antworten Sie jemanden, der heute noch an der Sinnhaftigkeit der Cloud-Idee für sein Business zweifelt? 
Ich versuche bewusst, das Wort Digitalisierung zu vermeiden. Das ist mittlerweile ein abgedroschenes Schlagwort. Ich glaube, es geht bei Unternehmen um das Enabling des Business, flexibel, agil und innovativ zu sein. Cloud bzw. bei Hybrid IT – ich versuche immer Cloud nicht losgelöst, sondern in einem Hybrid-IT-Environment zu sehen – ermöglicht es dem Unternehmen, diese Flexibilität, die es am heutigen Markt benötigt, umzusetzen. Letztendlich geht es ja nicht um Technologie – das versuche ich immer wieder zu betonen –, sondern um das Business. Darum, den Herausforderungen, denen Unternehmen heute gegenüberstehen, gewachsen zu sein. Warum ich immer wieder Hybrid IT betone ist, weil ich der festen Überzeugung bin das Cloud, sowohl in der Private- als auch als Public-Variante, nicht für alle Workloads im Unternehmen – zumindest mittelfristig – die geeignete Lösung ist. 
 
Es gibt also immer noch Dinge – oder besser Daten bzw. Prozesse – die man lieber im eigenen Rechenzentrum behält, egal ob es im eigenen Haus oder bei einem Dienstleister steht? 
Natürlich. Es wird auch weiterhin Workloads geben, die im traditionellen Umfeld effizienter abgebildet werden können. Vor allem wenn es um Industrie 4.0 oder Factory Processing geht. Es wird auch weiterhin Sinn machen, das mit traditionellen Systemen zu betreiben. Die Umsetzung von Industrie 4.0 und die Verarbeitung der Fülle an Daten, die daraus resultieren, erfordern aber sicher neue IT-Konzepte, die einerseits Private-Cloud-Lösungen erfordern, oder, um die Flexibilität der Workloads zu erreichen, zum Teil in Public-Cloud-Lösungen realisiert werden müssen. 
 
Gerade KMU können doch am meisten von der Auslagerung Ihres Rechenzentrums an Anbieter wie Interxion profitieren, oder? Sie können dadurch viel Aufwand für Wartung und Betrieb im eigenen Haus einsparen. Ist dieser Gedanke in Österreich angekommen? 
Eine aktuelle Studie, die Interxion durchgeführt hat, zeigt, dass österreichische Unternehmen noch immer zögerlich bei der Umsetzung von Cloud-Lösungen sind. Wir liegen gemeinsam mit Frankreich eher im Mittelfeld. Wie immer sind da die Nordics weit voran und wesentlich technologieaffiner, als es österreichische Unternehmen sind. Die Umsetzung von Cloud erfordert aber auch die nötigen Bandbreiten, um Daten effizient zwischen den jeweiligen Standorten der Unternehmen und der "Cloud", egal ob diese als Public-Cloud-Lösung oder als Private-Cloud-Lösung in einem Co-Location Center untergebracht ist, zu transportieren. Dass es hier in Österreich nach wie vor Aufholbedarf gibt, wird immer wieder diskutiert. 
 
Sie haben kürzlich den Ausbau Ihres Wiener Standortes um weitere 1.400 m² bekanntgegeben, insgesamt lassen Sie sich das 23 Mio. Euro kosten. Kein Pappenstiel, das muss man erst einmal verdienen. Wurde der Platz schon knapp? 
Die Erweiterung wurde mit 2. Quartal 2017 in Betrieb genommen. Der Bedarf an Co-Location-Services ist nach wie vor ungebrochen. Vor allem aus dem Content-Service und Cloud-Service-Bereich gibt es starke Nachfrage. Nicht nur europaweit, sondern für den Campus Wien im Speziellen, der durch seine Carrier- und Cloud-Hub-Funktion über die Grenzen Österreichs hinaus für Unternehmen interessant ist. 
 
Auch an anderen Interxion-Standorten, beispielsweise in Deutschland, wird ausgebaut und erweitert. Es wird gesagt, das Geschäft laufe praktisch von alleine. Stecken Rechenzentrumsdienstleister mitten in einem Boom? 
Das Geschäft läuft sicher nicht von alleine, sondern Interxion hat durch den konsequenten Ausbau seiner Standorte in ganz Europa über viele Jahre die Grundlagen geschaffen, das richtige Serviceportfolio an den richtigen Standorten in Europa mit den geeigneten Netzwerkverbindungen zu etablieren. Das ist eine der Grundvoraussetzungen, um für Cloud-Service-Anbieter das richtige Environment anzubieten. 
 
Heißt das, die Branche boomt, oder nicht? 
Ich würde es anders formulieren, es nicht als Boom bezeichnen. Unternehmen erkennen, dass der Betrieb von eigenen Rechenzentren am eigenen Standort ineffizient ist – sowohl von den Investitions-, als auch von den laufenden operativen Kosten – und dass der Betrieb auch der eigenen Hardware an einem Co-Location-Standort einiges an Kosteneinsparungen bringt. Die Möglichkeit, vom Co-Location-Datacenter auch direkt Zugang zu den führenden Cloud-Service-Anbietern zu bekommen, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. 
 
Weil Sie gerade Kosten erwähnt haben. Interxion hat doch gerade eine Studie durchgeführt, in der es auch um Einsparungen geht. Wie viel kann man denn mit der Cloud sparen? 
Wir haben 1.100 IT-Entscheidungsträger in Europa befragt, aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Österreich. Allein in Österreich sind 120 Unternehmen befragt worden, mit einem Umsatz von jeweils mehr als 250 Mio. Euro im Jahr. 50 Prozent der befragten österreichischen Unternehmen haben angegeben an, dass sie seit der Einführung von Cloud in Co-Locations Spaces 25 bis 50 Prozent eingespart haben. Der Betrieb einer Private Cloud im eigenen Rechenzentrum erzielte nur eine Einsparung von 25 Prozent und weniger.