18-5-2017 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17279

Lizenzgebühren für indirekte Software-Nutzung

DSAG hält SAP-Vorgehen für unzureichend

Laut Entscheidung eines britischen Gerichts, können Softwarehäuser zusätzliche Lizenzgebühren verlangen, wenn andere Programme zum Zweck des Datenaustauschs auf ihre Software zugreifen. Zwar lässt sich dieses Urteil zur "indirekten Nutzung" nicht unmittelbar auf Anwender in Österreich, Deutschland und der Schweiz übertragen, dennoch sorgt das Thema auch unter den Mitgliedern der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) seit einiger Zeit für Gesprächsstoff.

(Bild: CC0 Public Domain - pixabay.com)

Die DSAG steht dazu in engem Austausch mit SAP. Nun hat der Softwarehersteller eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er seine Gedanken zur indirekten Nutzung darstellt. Obwohl die DSAG begrüßt, dass sich SAP mit diesem Thema auseinandersetzt, hält sie die Stellungnahme für unzureichend.
 
Die indirekte Nutzung von SAP-Software hat hohe Relevanz – das bestätigten zuletzt auch zahlreiche Medienberichte. So wurde beispielsweise erst kürzlich über eine Brauereigruppe berichtet, die ca. 564 Millionen Euro Rückstellungen gebildet hat, um die Risiken einer Klage seitens des Herstellers finanziell abzusichern.
 

Zwei Perspektiven

Grundsätzlich muss das Thema "indirekte Nutzung" laut der DSAG aus zwei Perspektiven betrachtet werden: Auf der einen Seite geht es darum, dass Anwender SAP-Software direkt oder indirekt nutzen. Diese Form der Nutzung sei lizenzrechtlich zu bewerten. Gegebenenfalls benötige man je nach Nutzung ein entsprechendes Nutzungsrecht in Form einer "Named-User-Lizenz" oder eine Engine. Laut DSAG gibt es jedoch innerhalb der SAP keine klare Definition beziehungsweise Regelung zur indirekten Nutzung. Nun kommuniziert SAP jedoch erstmals über Preismodelle zur indirekten Nutzung, für verschiedene Szenarien. Nach Ansicht der DSAG ist diese Veröffentlichung jedoch unzureichend, da noch einige Themen unbedingt einer zufriedenstellenden Klärung bedürfen.
 
"Die DSAG beschäftigt sich bereits seit Langem mit der indirekten Nutzung und es ist prinzipiell begrüßenswert, dass sich bei SAP nach vielen Jahren etwas bewegt", erläutert Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support. Allerdings sei das von SAP erarbeitete Dokument zur Preisgestaltung bei indirekter Nutzung derzeit noch unausgereift, da essentielle Fragen ungeklärt und viele Aspekte unberücksichtigt bleiben, und die DSAG habe von einer Veröffentlichung zum gegenwärtigen Zeitpunkt abgeraten. So betrachte das Papier beispielsweise vor allem bereits bekannte Fälle, lasse jedoch einige juristische Aspekte außen vor. So würde die Unsicherheit bei den Kunden nur noch größer und notwendige Investitionen in die Zukunft bleiben weiter blockiert.
 

Schritt in richtige Richtung

Auch SAP ist sich bewusst, dass die derzeitige Lage nicht perfekt ist. So schreibt Hala Zeine, SAP Corporate Development Officer, in einem Beitrag auf der Website von SAP zu diesem Thema: "Adressiert das jedes Szenario indirekter Nutzung in Zeiten von Devices, IoT und Collaborative Networks? Noch nicht. Es gibt viel zu tun und wir geben uns Mühe die Pricing-Szenarien weiter upzudaten um Ihnen (den Kunden) Mehrwerte zu verschaffen. Es ist allerdings ein Schritt in die richtige Richtung, hin zur Modernisierung des Pricings."  
 
Nichtsdestotrotz:"Als deutschsprachige SAP-Anwendergruppe empfehlen wir SAP-Kunden daher, sich möglichst reflektiert mit den Forderungen der SAP zu beschäftigen und über eine gründliche Prüfung nachzudenken", erläutert Andreas Oczko. Gleichermaßen sei eine Kontaktaufnahme zur DSAG-Geschäftsstelle empfehlenswert, um gemeinsam relevante Themen zu diskutieren, diese anschließend gebündelt an SAP zu kommunizieren und eine gemeinsame, adäquate Regelung zu erarbeiten.
 
Die DSAG hat unter lizenzen@dsag.de eine E-Mail-Adresse für Rückfragen eingerichtet.