17-5-2017 Gedruckt am 29-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17275

NürnbergMesse und Österreich

Vom Christkindlmarkt zur IT-Security-Messe

Österreich hat laut Peter Ottmann, CEO der NürnbergMesse Group, immer schon eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Messestadt Nürnberg gespielt. Über das Potenzial des Messestandorts für österreichische Unternehmen erzählten er und Österreich-Chefin Inge Tremmel bei einem Pressegespräch.

Rudolf Felser

(Bild: NürnbergMesse - Heiko Stahl)

Wenn man an Veranstaltungen in Nürnberg denkt, fällt einem wahrscheinlich als erstes der Klassiker ein: der Christkindlmarkt. Wenn es Sinn macht, wird der sogar im Frühling wiederholt, wie Peter Ottmann, CEO der NürnbergMesse Group kürzlich in Wien bei einem Pressegespräch erzählte: "Vor zwei Wochen hatten wir 500 Tourismusmanager aus aller Welt in Nürnberg zu Gast. Ihnen wurde an einem Abend im Rathaus eine Budenstadt aufgebaut. Es gab Glühwein, Bratwürste und Lebkuchen. Es hatte 11 Grad. Den Tourismusmanagern hat es gut gefallen."
 
Das habe etwas mit dem Image der Stadt zu tun, so Ottmann. "Immer wenn jemand aus Nürnberg auftaucht, redet er vom Mittelalter. Aber wie sieht es heute aus?", stellte er die Frage in den Raum, um sie sogleich selbst zu beantworten. Er sprach von Nürnberg als Hauptstadt der "Metropolregion Nürnberg". Wirtschaftlich sei die Region, würde man sie als eigenen Staat behandeln, auf Platz 18 in der EU, noch vor Ungarn und Portugal – auch dank vieler "Hidden Champions". Die NürnbergMesse Group selbst, zu jeweils annähernd 50 Prozent in der Hand der Stadt Nürnberg und des Freistaates Bayern, ist einer der 15 größten Messeveranstalter der Welt. "Aber wir wären nicht dort, wo wir heute sind, wenn wir nicht internationalisiert hätten. Das hat nur funktioniert, weil Österreich schon immer eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Messestadt Nürnberg gespielt hat", streute der CEO Rosen.
 
 

Peter Ottmann, Geschäftsführer NürnbergMesse (Bild: NürnbergMesse - Jan Scheutzow)

Auf dem internationalen Parkett hat das Unternehmen Tochterfirmen in Brasilien, China, Indien, Italien, Nordamerika und auch Österreich. Etwas weniger als die Hälfte aller veranstalteten Messen finden im Ausland statt. Der Anteil des im Ausland gemachten Umsatzes beträgt laut Ottmann jedoch erst rund 10 bis 12 Prozent, hier will man nach Möglichkeit noch nachbessern. 
 

"Österreich hat mitzureden" 

Inge Tremmel ist die Geschäftsführerin der NürnbergMesse Austria GmbH. Sie zog bei dem Pressegespräch Parallelen zwischen Nürnberg und Österreich: "Wie haben auch in Österreich sehr viele Hidden Champions. Ganz oft stehen österreichische Unternehmen dahinter, wo es gar nicht nach Österreich klingt. Sie sieht für heimische Unternehmen viel Potenzial in den Nürnberger Messen. Einerseits durch die Internationalität der Veranstaltungen in Deutschland und dem Rest der Welt, andererseits durch das "Gespür" der NürnbergMesse Group: "Neben klassischen Leitmessen versteht es die  NürnbergMesse immer wieder, in Trendthemen hinein zu gehen. IT-Sicherheit war zum Beispiel ein Trendthema, jetzt ist es ein Mega-Thema. Da haben wir in Österreich mitzureden. Die österreichischen Austellerzahlen auf der it-sa (Anm.: eine erfolgreiche IT-Security-Messe in Nürnberg; siehe auch unseren Artikel zur it-sa 2016) haben sich verdoppelt, Unternehmen und Startups aus Österreich stellen dort aus." Aus Sicht der IKT-Branche sind außerdem noch die Messen MT-CONNECT (Medizintechnik), U.T.SEC (Drohnen) sowie insbesondere die Net.Law.S (Recht im digitalen Raum) zu erwähnen.
 

Inge Tremmel, Geschaeftsfuehrerin NürnbergMesse Austria (Bild: NürnbergMesse)

Vom Mittelalter und über die Gegenwart spannte CEO Ottmann den Bogen schließlich in die nahe Zukunft – und landete bei dem Thema Investitionen. In den nächsten zehn Jahren sollen 400 Mio. Euro in den Messestandort Nürnberg investiert werden, dazu kommen 200 Mio. Euro Kosten für Maintenance der bestehenden Substanz. Das meist geht in Infrastruktur und Hallenneubau. Aber auch – oder besonders – ein Messeveranstalter kann sich nicht vor der Notwendigkeit der Modernisierung verschließen. "Einen zweistelligen Millionenbetrag investieren wir nur in das Thema Digitalisierung", so Ottmann. Vielleicht ist die NürnbergMesse Group ja für den einen oder anderen österreichischen Hidden Champion aus der IKT-Branche nicht nur als Messe-Partner, sondern auch als Kunde interessant.