8-5-2017 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17255

Smarter Hochbeet-Garten über den Dächern Wiens

ConnectedGarden bei T-Mobile

Urban Gardening und IoT: Zwei Trends, wie sie verschiedener nicht sein könnten? Nicht unbedingt. Unter dem Motto - oder besser Hashtag - #ConnectedGarden wurden kürzlich 19 "SmartBeete" und zwei smarte Kräutertische auf der Dachterrasse des T-Mobile Hauptquartiers am Wiener Rennweg in Betrieb genommen. Herzstück der SmartBeete ist die IoT-Box von T-Mobile.

ConnectedGarden auf dem T-Center Dach (Bild: T-Mobile Austria)

"Das SmartBeet mit unserer IoT-Box als Herzstück ist ein Vorzeigeprojekt für das Internet der Dinge. Es zeigt wie man das Leben durch Digitalisierung erleichtern kann, indem unter anderem die Bewässerung eines Beetes intelligent gesteuert wird. Darüber hinaus können T-Mobile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab sofort auf der Dachterrasse Kräuter, Obst und Gemüse anbauen oder auch inmitten einer grünen und lebendigen Stadt-Oase Meetings abhalten", sagt Maria Zesch, CCO T-Mobile Austria.
 
Umgesetzt wurden die "SmartBeete", die auch beim fünften M2M/IOT Forum CEE im Wiener Rathaus gezeigt wurden, vom Wiener Startup Smartgreen Solutions. Das Unternehmen stellte sich zu Beginn seiner Entwicklung die Frage, wie man Grünflächen in der Stadt mit IoT smart machen und somit Anreiz für grünere Lebensräume schaffen kann. Die Gründer und Geschäftsführer von Smartgreen Solutions, Manfred Czujan und Robert Veselka, haben deshalb mit "SmartBeet" ein weitgehend autarkes System entwickelt, das die Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Regenwasser und Solarenergie mit modernsten Technologien wie Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) verbindet. So können private Terrassen oder kleine Flächen, die von der Stadt bereitgestellt werden und sich gut in Grünflächen umfunktionieren lassen, auch im Falle fehlender Infrastruktur zur Bewässerung genutzt werden. Die Zusammenarbeit entstand im Zuge der IndustryMeetsMakers-Initiative, bei der "Maker" wie Smartgreen Solutions und Industriepartner wie T-Mobile vernetzt werden.
 

Autarke und smarte Hochbeete dank IoT

Das SmartBeet besteht unter anderem aus einem Wassertank, in dem Regenwasser zur smarten Bewässerung gesammelt wird und Solarpaneelen, die die gesamte Elektronik mit Strom versorgen und zusätzlich Lademöglichkeit für Smartphones, Tablets und Notebooks bieten. Gespeichert wird der gewonnene Strom in einer umweltfreundlichen Salzwasserbatterie. Die IoT-Box von T-Mobile (Kostenpunkt 39 Euro) dient dabei nicht nur zur Erfassung, Bearbeitung und Übertragung von Daten, sondern besitzt auch ein stromsparendes GSM-Modul. Dieses eignet sich speziell für IoT-Anwendungen wie das SmartBeet, bei denen ein geringer Energieverbrauch im Vordergrund steht.
 
 
Sensoren im Beet messen die Feuchtigkeit des Substrats. Nur wenn die Feuchtigkeit zu niedrig ist, versorgt eine Pumpe das Hochbeet mit Wasser. Wettervorschaudaten, die ebenfalls in das System eingespeist werden, regulieren automatisch die Wassermenge. Wird eine Trockenperiode vorausgesagt, bewässert die Lösung entsprechend vorsichtig dosiert. Mit dem "SCiO"-Sensor, ein Nahinfrarot-Spektrometer, das die molekulare Signatur der Dinge erkennt, kann der Reifegrad des Beetinhaltes erkannt und in einer App angezeigt werden. Die Technologie kommt von dem Startup Consumer Physics aus Tel Aviv und wird in den nächsten Wochen in die SmartBeete eingebaut.
 
"Über den integrierten Mobilfunkanschluss können wir auf eine fertige Schnittstelle zugreifen, darüber funktionieren auch Over-the-Air-Updates automatisch", beschreibt Co-Grüner Manfred Czujan die weiteren Vorteile der IoT-Box. "Mit Hilfe der App, die von Smartgreen Solutions entwickelt wurde, ist der Nutzer immer darüber informiert, wie es den Pflanzen geht."
 

Mit App den Zeitaufwand fürs "Gartln" reduzieren

Die IoT-Box von T-Mobile steuert die Bewässerung und versorgt die Pflanzen mit Wasser. Mittels App erfahren die Gärtnerinnen und Gärtner, wann ihre Pflanzen das nächste Mal gegossen werden. Mit der App kann die Bewässerung auch je nach Beetinhalt, zum Beispiel für Tomaten, automatisch voreingestellt werden. So wird ein ressourcenschonender Umgang mit Wasser sichergestellt und der Zeitaufwand für die Betreuung eines Beetes reduziert. Damit Pflanzen ausreichend Nahrung haben, ist das Substrat im Inneren des Beetes wichtig. "Der richtige Aufbau des Hochbeets mit zerkleinertem Grünschnitt, Kompost und Hochbeeterde mit organischem Dünger, ergeben ausreichend Nährstoffe für alle Pflanzen", erklärt Klaus Samitz, Einkauf Garten HORNBACH Österreich, der im Namen von HORNBACH Erde, Dünger und die Bepflanzung von FloraSelf für die SmartBeete bereitgestellt hat.
 

Rundum innovativ, nachhaltig und sozial

Die autarke und umweltfreundliche Stromversorgung der SmartBeete auf dem T-Center-Dach funktioniert dank zwei großer Photovoltaik-Paneele deren Strom – und das ist eigentlich eine eigene Sensation für sich - in einer 236 Kilogramm schweren Salzwasserbatterie gespeichert wird. Diese Batterie ist die erste ihrer Art in Wien und eine der ersten in Österreich, die kommerziell eingesetzt wird. Entwickelt, gebaut und vertrieben wird diese Innovation von BlueSky GmbH, einem Komplettanbieter für Energiespeicherlösungen mit Sitz in Vöcklamarkt, Oberösterreich. Bei dem Batterie-Innenleben handelt es sich um versiegelte Energiespeichersysteme, basierend auf dem einzigartigen Salzwasser-Elektrolyt. Dafür werden reichlich vorhandene, nicht giftige Materialien und moderne, kostensparende Fertigungstechniken verwendet. Diese Salzwasserbatterien sind wartungsfrei und optimiert für tägliche Tiefentladung. Auch häufige Teilladungs- und –entladungszyklen haben keinen Einfluss auf die Lebensdauer der Batterie.
 
Eine weitere Innovation im SmartBeet ist das miniaturisierte Nahinfrarot-Spektrometer "SCiO", das die molekulare Signatur der Dinge erkennt. Damit lassen sich in Echtzeit Zusammensetzung und Reifegrad von eingepflanztem Obst oder Gemüse erfassen. Da SCiO erst seit Kurzem verfügbar ist, wird es in den kommenden Wochen in die SmartBeete eingebaut. Dahinter steht das Tel Aviv Startup Consumer Physics, das die Finanzierung vor einigen Jahren über die Crowd-funding-Plattform Kickstarter geschafft hat. Der SCiO-Sensor beleuchtet ein Objekt mit Infrarot und bezieht die gesamte Information über das reflektierte Licht, das einen einzigartigen molekularen Fingerabdruck besitzt und entsprechende Rückschlüsse über Zusammensetzung und Beschaffenheit ermöglicht.
 
Das Holz für die SmartBeete und Tische wurde in Österreich geschlägert. Gebaut wurden die Beete in der Tischlerei Job.Transfair, die langzeitarbeitlose Menschen über 50 Jahre beschäftigt. Das Design für die Beete entstand in Zusammenarbeit mit Nut und Feder, einer gemeinnützigen GmbH, die sich dem Ziel verschrieben hat, geflüchtete Menschen zu integrieren und zu beschäftigen.
 
Ein Schnäppchen ist das smarte Beet allerdings nicht, der Einstiegspreis beläuft sich auf 2.100 Euro. So viel muss einem die clevere Begrünung mit dem nachhaltigen und sozialen Charakter schon wert sein.