19-4-2017 Gedruckt am 27-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17224

Gastartikel – Stefan Müller, it-novum

Pentaho im Praxiseinsatz

Die Einsatzgebiete von Pentaho sind praktisch unbeschränkt – vom klassischen Datenintegrations- und Data Warehouse-Projekt über eingebettete Analyselösungen bis zu innovativen Anwendungen für Industrie 4.0, Smart Factory und Smart City. Vier Use Cases zeigen, wie sich die Open Source Business Intelligence-Plattform nutzen lässt.

(Bild: CC0 Public Domain - pixabay.com)

Der offene, modulartige Charakter von Pentaho erlaubt es, dass sich einzelne Komponenten, z.B. für Datenintegration, Analysen oder Dashboards, herauslösen und als Embedded-Komponente in anderen Anwendungen verwenden lassen. Das macht deutlich, dass für die Anwender der Open Source-Plattform nicht nur wirtschaftliche Aspekte (Kostenersparnis) im Vordergrund stehen, sondern zuerst technische: Wenn der Zugriff auf den Code gewährleistet ist und ein Pool ausgereifter ETL- und Analytics-Werkzeuge zur Verfügung steht, ist eine schnelle Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen möglich. Die Einsatzmöglichkeiten für Pentaho sind daher vielfältig. Das zeigten auch die Präsentationen dieser vier Unternehmen beim diesjährigen von it-novum und Pentaho organisierten Pentaho User Meeting:
 

Eurofunk: Pentaho als Embedded-Lösung für Rettungskräfte 

Das österreichische Familienunternehmen eurofunk Kappacher entwickelte 2015 sein Statistik- und Reporting-Tool neu und entschied sich, als Grundlage Pentaho zu verwenden. Dafür sprachen hauptsächlich zwei Gründe: Zum einen konnten in das Tool nicht nur Karten von Google eingebunden werden, sondern auch Kartendaten von Kunden, die oft über weitaus mehr Informationen verfügen als Google Maps. Zum anderen konnten damit die umfangreichen Berechtigungen innerhalb einzelner Leitstellen abgebildet werden. Meistens sind mehrere Leitstellen miteinander vernetzt, greifen aber auf das gleiche System zu. Mit der Software überwachen Leitstellen der Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienste unter anderem ihre gesetzlich festgesetzten Reaktionszeiten auf Notrufe. Wird ein Notruf abgesetzt, darf nur eine bestimmte Zeit verstreichen – je nach Land ca. sieben bis zwölf Minuten – bis die Rettungskräfte vor Ort eintreffen. Fragen sind dabei: Wie lange dauert es, bis ein Anruf von einer Leitstelle angenommen wurde? Wie lange hat es von der Annahme des Notrufs bis zum Ausrücken gedauert? Um welche Einsätze hat es sich dabei gehandelt? Bei wie vielen Einsätzen konnte die Hilfsfrist nicht eingehalten werden? Aus den Auswertungen können die Leitstellen gegebenenfalls Maßnahmen zur Optimierung ableiten, z.B. für eine effizientere Planung von Einsatzkräften oder Dienststellenstandorten.
 

Swissport: Vereinfachung von Datenintegrationsprozessen

Swissport stellte seine selbstentwickelte Business Rules Engine vor, mit der die ETL-Prozesse bei der Integration von SAP-Daten rationalisiert wurden. Die Business Rules Engine ist als Plugin für Pentaho auf Github erhältlich und trennt IT-Prozesse von Geschäftsregeln, sodass sich Fachanwender und IT-Abteilung unabhängig voneinander um ihre Prozesse kümmern können. Die IT sorgt dabei zwar für die Bereitstellung der Prozesse; die Ausgestaltung der Geschäftsregeln und -logik liegt aber bei den Business-Usern. Das sorgt nicht nur für schlankere Prozesse, sondern auch für eine bessere und genauere Trennung der Verantwortlichkeiten. 
 

STIWA: Pentaho als Industry 4.0- Lösung

In vielen Produktionsanlagen sind noch zahlreiche verborgene Schätze mit Optimierungspotential in Form von ungenutzten Daten verfügbar. Aus diesem Grund hat STIWA die Analysesoftware AMS Analysis-CI entwickelt. Sie basiert auf dem Pentaho Analyzer und Mondrian. Damit wird eine Problemidentifizierung bis zur Einzel-Achsbewegung bzw. zum Einzel-Messwert möglich. Ziel ist es, alle verfügbaren Signale und Daten zu erfassen, zu verarbeiten und zu vernetzen. Mit gezielten Problemanalysen lassen sich um bis zu 30 Prozent kürzere Hochlaufzeiten bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen erzielen oder eine bis zu 15 Prozent Verbesserung der Gesamtanlageneffektivität erreichen. 
 
Ohne die bereits verfügbare Basisfunktionalität und die Erweiterbarkeit mit anderen Analysetools wäre die Entwicklung nur schwer möglich gewesen. Konkret hilft die verwendete Komponente Pentaho Analyzer dabei,
  • Shopfloor Meetings mit Reports zu unterstützen,
  • Ursachen- und Korrelationsanalysen zur Problemidentifizierung durchzuführen,
  • Qualitätsanalysen und eventuelle Reklamationen auszuwerten, um gegebenenfalls Optimierungsbedarf zu erkennen.
 

Deutsche Bundespolizei: ein Data Warehouse für die Bundesbehörde 

Früher wurde die "Polizeiliche Eingangsstatistik" in ca. 72 Excelsheets erfasst, in die jeder statistisch polizeilich relevante Vorgang manuell eingetragen werden musste. Die Dienststellen vor Ort erfassten die Daten und übersandten die Exceltabellen an die jeweilig übergeordneten Direktionen. Diese prüften die erfassten Daten und führten die Daten wiederum zusammen und übersandten sie an das Präsidium. Das Präsidium wiederum prüfte die Daten und fasste sie bundesweit zusammen. Daraus ergab sich eine Verzugszeit von einem Monat, bis die Daten offiziellen Stellen zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Bundespolizei benötigte daher eine Vorgangsweise, wie man die vielen Anfragen (durchschnittlich drei bis vier pro Tag aus Parlament, Polizeipräsidium, Bundesinnenministerium, EU oder Frontex) effizienter handhaben konnte. Nötig war außerdem eine "Datenwaschmaschine" zur Qualitätssicherung, da die angelieferten Daten aus den einzelnen Polizeiinspektionen immer anders erhoben bzw. nicht vollständig und daher nicht immer vergleichbar waren. Heute stehen Auswertungen schon nach wenigen Klicks zur Verfügung und können damit ohne großen Zeitverzug der anfragenden Stelle zugeschickt werden. Der Vorteil von Pentaho liegt darin, dass die Daten sauber aufbereitet sind, dadurch vergleichbar und auf Knopfdruck ausgewertet werden können. Vor dem Hintergrund der politischen Brisanz mancher Anfragen ist der Aspekt der Datenqualität von großer Bedeutung, da (supra)staatliche Stellen verlässliche Daten brauchen.
 
Stefan Müller ist Director Business Intelligence & Big Data bei it-novum.