31-3-2017 Gedruckt am 27-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17196

Interview - Kai Grunwitz, NTT Security

"Stärker als je zuvor"

Seit mehr als einem halben Jahr heißt die ehemalige NTT Com Security bereits NTT Security. Das klingt nach einer kleinen Namensänderung, hat aber (nicht nur) hinter den Kulissen durchaus große Auswirkungen. Was das bedeutet, erklärt Kai Grunwitz, Senior Vice President Central Europe bei NTT Security, im Interview.

Rudolf Felser

Kai Grunwitz, Senior Vice President Central Europe bei NTT Security (Bild: NTT Security)

Im Sommer 2016 hat die NTT Security Corporation als Teil der NTT Group ihren Betrieb aufgenommen. Sie kam nicht aus dem Nichts, sondern ist zum Teil aus NTT Com Security hervorgegangen. Ziel der Umstrukturierung war es, die Security-Expertise der gesamten Gruppe zu bündeln und die Zusammenarbeit zu stärken. Wir haben mit Kai Grunwitz, Senior Vice President Central Europe bei NTT Security, über die Veränderungen gesprochen und darüber, was sie für die Kunden des Unternehmens, aber auch der ganzen Gruppe, bedeuten.
 
Nach der Umstrukturierung der NTT-Gruppe ist NTT Security scheinbar ein wenig in den Hintergrund getreten. Man liest meistens von den anderen Gruppenmitgliedern NTT Com, NTT Data oder Dimension Data. Es wirkt fast so, als würde NTT Security in den anderen Unternehmen aufgehen. Täuscht der Eindruck?  
Ich bin immer sehr daran interessiert, aus meiner Sicht falsche Wahrnehmung zu korrigieren. Die NTT Security wird als eigenständiger Brand nicht verschwinden. Wir haben im Moment vier Holding-Unternehmen, die an der NTT-Holding hängen: NTT Com, Dimension Data, NTT Data und NTT Security. Ich klammere hier Japan mit NTT DoCoMo aus, weil das Unternehmen in Europa keine große Rolle spielt. Diese vier Unternehmen sind gleichberechtigt an der Holding aufgehängt und haben ein eigenständiges Branding. Um am Markt effizient als NTT agieren zu können, haben wir beschlossen, den Go-to-Market-Ansatz zu verändern. Wir konsolidieren in Deutschland und Österreich – die Schweiz nimmt eine Sonderrolle ein – Innovation, Expertise, sowohl im Consulting als auch bei den Managed Security Services, in der NTT Security und verlagern die vertrieblichen Aktivitäten zu den anderen Einheiten, der NTT Com, NTT Data und Dimension Data, um so die Zusammenarbeit intern zu optimieren. Damit wir als "One NTT" auftreten können und um Security in alle Transformationsprojekte, die bei den Kunden stattfinden, integrieren zu können. Unser Ansatz ist, die Security so aufzustellen, dass alle Gruppenmitglieder die NTT-Security-Services direkt in ihre Standard-Offerings integrieren. Aber der Brand NTT Security wird weiterhin vorhanden bleiben.
 
Das klingt ein bisschen wie Whitelabeling, wenn Ihre Dienste unter anderen Marken verkauft werden.   
Da gebe ich Ihnen Recht. Wobei wir das Portfolio, die Portfolioentwicklung und auch die Kommunikation zum Markt als eigenständiger Brand vornehmen. Dass wir primär über die anderen Mitglieder der Holding verkaufen, schließt andere Partnerschaften am Markt nicht aus. Wir arbeiten auch in Zukunft durchaus mit anderen Systemintegratoren und Beratungshäusern zusammen. Wir möchten nur versuchen, als NTT den Marktzugang über die NTT-Gruppenmitglieder zu konsolidieren.  
 
Ändert das etwas für Ihre bestehenden Kunden? 
Für unsere Kunden ändert sich nichts. Sie bekommen die Services geleistet wie zuvor auch, bekommen aber über die NTT-Gruppe erweiterte Möglichkeiten, auf die Security Services zuzugreifen. Zum anderen ist auch wichtig, dass unsere Herstellerpartner über die NTT-Gruppe erweiterte Marktzugänge erhalten. NTT Security ist wie ein Hersteller gebrandet, innerhalb der Gruppe und zum Markt. Wir sind ein Service-Produkt. 
  
Der Vertrieb wird also zum Teil an die Gruppe ausgelagert, die Verrechnung bleibt aber bei Ihnen? 
Da muss man differenzieren. Für Bestandsverträge wird sich nichts ändern. Für Neuverträge, die über die anderen Unternehmen abgeschlossen werden, wird der Kunde natürlich einen Vertragspartner wie NTT Data, Dimension Data oder NTT Com haben.
 
Die Umstrukturierung in der Gruppe betrifft ja nicht nur NTT Security. Da werden gerade viele Steine umgedreht, ist das richtig?  
Es gibt wie jedes Jahr zum Anfang des Jahres Veränderungen in Unternehmen. Eine klare Strategie innerhalb der NTT ist, die Zusammenarbeit über die Gruppenmitglieder zu verstärken. Die NTT Security ist nur ein Baustein in einer One-NTT-Strategie. In Österreich können wir über e-shelter Rechenzentrumsleistungen anbieten, über Dimension Data Infrastrukturthemen adressieren, wir können über die NTT Data Transformation- und Business-Consulting-Themen transportieren, und wir haben mit NTT Security im Endeffekt einen übergreifenden Overlay an Themen, die wir abdecken. Als NTT-Gruppe sind wir breit aufgestellt und bieten ganzheitliche Lösungen sowohl für den Mittelstand, als auch im Großkundenbereich. Das sehen wir als unser Alleinstellungsmerkmal in Österreich. Die Haupt-Veränderung sehe ich im Moment darin, dass die Zusammenarbeit über die einzelnen Unternehmensbereiche hinweg sehr stark im Fokus unserer Gruppe liegt. Stärker als je zuvor.
 
Verstehen die Kunden, was sich geändert hat?  
Der Großteil der Kunden steht dem sehr offen gegenüber. Die meisten verstehen das, weil sie auch schon zum Teil Vertragsbeziehungen mit anderen NTT-Gruppenmitgliedern haben und es dementsprechend als Vorteil sehen, weniger Vertragspartner zu haben. Das vereinfacht für viele Kunden die Zusammenarbeit mit der NTT-Gruppe. Der wichtigste Punkt: Am Ende geht es den Kunden darum, dass die Services, die sie beziehen, weiterhin so geleistet werden, wie sie das gewohnt sind. Das ist für viele Kunden das A und O.
 
Ist die Umstrukturierung mittlerweile abgeschlossen?  
Wir haben vergangenen August NTT Security gestartet. Die Umfirmierung als solche ist abgeschlossen. Die Transformation unserer Markt- und Vertriebs-Strategie ist zum Großteil abgeschlossen. Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Ich spüre ein Momentum innerhalb der NTT-Gruppe aber auch in Richtung des Marktes, das noch stärker ist als je zuvor. Mit dem netten Nebeneffekt: Auf dem Markt der Security-Experten habe ich mehr Initiativbewerbungen von Top-Experten als je zuvor. Weil die Message des spezialisierten Security-Players mit der Agenda, die digitale Transformation für Unternehmen sicher zu machen und hochwertige Managed Security Services anzubieten, immer am Puls der Innovation im Security-Umfeld ist. Das ist eine hochattraktive Message, auch für NTT-Security als Arbeitgeber. Das sehen wir. Wir wachsen im Moment sehr stark. Wir werden unsere Kapazitäten kontinuierlich ausbauen, verdoppeln, kann man offen sagen. Deswegen sind wir permanent auf der Suche nach Top-Talenten auf dem Markt. Auf unser Recruiting haben die Veränderungen einen sehr positiven Effekt.
 
Apropos digitale Transformation: Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang IT-Security? 
Viele Unternehmen gehen heute in die digitale Transformation. Oftmals werden dort funktionale Aspekte allein in den Vordergrund gestellt. Was mir eine wichtige Message ist: Digitale Transformation ohne integrierte Security ist riskant. Man sollte Security immer als integrativen Teil betrachten.