30-3-2017 Gedruckt am 27-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17191

Interview - Yanmin Wang, Huawei

Der Smartwatch-Markt braucht Zeit

Geduld ist eine Tugend. Das gerät in den heutigen Zeiten – und besonders am kurzlebigen Technologie-Sektor – oft in Vergessenheit. Trotzdem sagt Yanmin Wang, President der Huawei Consumer Business Group in CEE und der Nordic Region: "Wir müssen mehr Geduld mit dem Smartwatch-Markt haben." Auch die virtuelle Realität sieht er erst in ein paar Jahren im Alltag angekommen. Dafür fordert er mehr Aufmerksamkeit für Machine Learning, in dem seiner Ansicht nach großes Potenzial steckt.

Rudolf Felser

Yanmin Wang, President der Huawei Consumer Business Group in CEE und der Nordic Region (Bild: Rudolf Felser)

Yanmin Wang ist seit Februar 2014 in seiner aktuellen Position bei Huawei tätig, aber bereits seit 1999 im Unternehmen. Er ist für die Leitung des gesamten Produktportfolios der Huawei Consumer Business Group in der CEE&Nordic Region sowie für sämtliche Bereiche des Managements verantwortlich. Zur Präsentation der Huawei-P10-Familie kam er extra nach Wien angereist, wo das neue Smartphone-Flaggschiff des Unternehmens in gewohnt festlichem Rahmen und in Anwesenheit von allerlei Prominenz gefeiert wurde. Am Rande der Veranstaltung nahm sich der erfahrene Manager Zeit für ein Interview mit monitor.at.
 
Die aktuell auf dem Markt erhältlichen Premium-Smartphones sind sich alle sehr ähnlich. Sie bieten ähnliche Features, ähnliche User-Interfaces, haben alle gute Kameras und sehen sich mittlerweile sogar immer ähnlicher. Was macht da den Unterschied? Wieso sollte man als Kunde zu einem Huawei-Smartphone greifen?
Wir arbeiten hart um am Markt hervorzustechen. Wie bieten zusammen mit Leica außergewöhnliche Fotografie-Funktionen, ein neues, eigenes Chipset und ein eindrucksvolles neues Design. Damit liefern wir eine sehr aufregende User Experience.
 
Wird die seit dem P9 bestehende Kooperation mit Leica von den Kunden gut aufgenommen?
Die Leute lieben Produkte von hoher Qualität und mit einem klassischen, traditionellen Touch. Unsere Zusammenarbeit mit der Premium-Marke Leica kommt deswegen am Markt sehr gut an.
 

Huawei P10 (Bild: Rudolf Felser)

Es dreht sich also nicht nur um die Features, sondern nicht zuletzt auch um Emotionen?
Ja. Bei einem High-Quality-Foto geht es nicht nur um den Sensor oder die Auflösung, sondern auch um viele andere Dinge. Was den Part der Optik betrifft ist Leica einer der besten Partner, die man haben kann. Wir wiederum sind führend bei Technologien für Telekommunikation, Chipsets und Software. Diese Kombination erlaubt es uns, den Kunden eine sehr gute Fotografie-Erfahrung zu bieten. 
 
Das Wachstum am Smartphone-Markt ist deutlich gesunken. Wie sieht Huaweis Antwort darauf aus?
Ich würde sagen, der Smartphone-Markt ist erwachsener geworden. Die Leute entscheiden sich nicht mehr nur anhand von Marken oder dem Preis, sie suchen nach Produkten mit einem echten Mehrwert für sie. Deswegen sehen wir die Fotografie als eines der wichtigsten Smartphone-Features und investieren auch weiterhin in diesem Bereich. Der Markt entscheidet. Das Wachstum wird zwar insgesamt langsamer, aber Produkte aus dem Medium- und Highend-Segment, die einen wirklichen Nutzen bringen, werden von den Kunden weiterhin begrüßt.   
 

Huawei-Logo & Claim an der Kellerwand des Palais Coburg (Bild: Rudolf Felser)

Welche Rolle spielen Smartwatches in der Strategie von Huawei? Diese Gerätekategorie hat sich ja nicht unbedingt als der erhoffte Umsatzbringer für die Branche erwiesen.
Die derzeitige Lage für Smartphones, beziehungsweise Wearables überhaupt, ist nicht leicht. Selbst Fitbit und Jawbone erleben schwere Zeiten. Aber wir sind ein großes Unternehmen. Wir glauben daran, dass Smartwatches den Usern einen echten Nutzen bringen können. Deswegen müssen wir auch weiterhin in diesem Bereich investieren. Unsere neue Huawei Watch 2 hat sehr innovative Features, wie zum Beispiel das Dual-SIM-System mit einer Nano- und einer eSIM-Karte, damit man sie auch ohne Smartphone verwenden kann. Die Watch 2 fokussiert auf Sport, denn Sport liegt immer im Trend. Die Leute wollen gesund leben. Sie hilft den Leuten gesund zu leben, ohne die Connection zur Welt zu verlieren. Wir müssen mehr Geduld mit dem Smartwatch-Markt haben, er braucht noch Zeit.  
 
Wie wichtig ist Virtual Reality für Huawei? Da spielen ja besonders hochauflösende Displays eine große Rolle.
Virtual Reality wird langsam erwachsen, aber ich denke es wird noch ein paar Jahre dauern, bis diese Technologie im normalen Alltag angekommen ist. Ich persönliche ziehe es vor, mehr Energie in Machine Learning zu investieren. Darin steckt viel Potenzial, um die Produktivität zu erhöhen und den Leuten Zeit zu sparen. Wir müssen Machine Learning mehr Aufmerksamkeit schenken. Dabei geht es nicht um Entertainment, sondern um Produktivität.