17-3-2017 Gedruckt am 30-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17175

Eine ganze Generation wird übersehen

Der blinde Fleck des Security-Recruiting

Jung, flexibel, dynamisch und am besten 20 Jahre Berufserfahrung. So sieht der ideale Bewerber für viele Unternehmen aus, laut einer Kaspersky-Studie auch in der IT-Security-Branche. Doch Ideale bergen ein Problem in sich – meistens sind sie unerreichbar. Auf der Suche nach Nachwuchskräften läuft die IT-Sicherheitsbranche dadurch Gefahr, eine ganze Generation cyberbegeisterter Talente zu übersehen. Sie konzentriert sich bei der Rekrutierung zu sehr auf Erfahrung und vorhandenes Fachwissen.

Rudolf Felser

Kaspersky illustriert zwei unterschiedliche Karriere-Verläufe in einem Comic. Das ganze Comic finden Sie unter dem Artikel. (Bild: Kaspersky Lab)

IT-Fachkräfte sehen laut der Kaspersky-Studie nachweisbare Erfahrung (30 Prozent) und vorhandene Kenntnisse von IT-Systemen (24 Prozent) als die wichtigsten Eigenschaften für eine Karriere in der Sicherheitsbranche an. Doch Absolventen und Schulabgänger könnten ihre mangelnde Erfahrung auf diesem Gebiet durch passende Persönlichkeitsmerkmale wettmachen. "Während sich Arbeitgeber bemühen, die immer größere Bedrohung durch Cyberkriminalität zu bekämpfen, um massive Störungen des öffentlichen und privaten Lebens abzuwenden, könnten technisch versierte junge Leute das immer größer werdende Qualifikationsdefizit wettmachen", schreibt Unternehmens-Chef Eugene Kaspersky in der Einleitung des "Kaspersky Cyberskills Report" (hier als PDF), für den insgesamt 12.000 Anwender und IT-Fachkräfte in den USA und Europa befragt wurden.
 
Nach Meinung der IT-Profis gehören zu den wichtigsten Merkmalen, mit denen die "jungen Wilden" ihre mangelnde Erfahrung kompensieren:
  • die Fähigkeit, quer denken zu können (44 Prozent),
  • sich in einem ungewohnten Umfeld (39 Prozent) und außerhalb festgelegter formaler Strukturen (38 Prozent) zurecht zu finden,
  • sowie die Neugierde erforschen zu wollen, wie Dinge funktionieren (35 Prozent).
 
Tatsächlich werden der jungen Generation von einer übergroßen Mehrheit der befragten IT-Fachkräfte genau diese Fähigkeiten zugesprochen. Die Werte reichen hier von 81 Prozent beim Thema Neugierde bis zu 72 Prozent bei der Kompetenz, auch in ungewohnten Umgebungen arbeiten zu können.
 
"Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels an Sicherheitsexperten muss sich die IT-Branche stärker der Realität stellen", konstatiert Holger Suhl, General Manager DACH bei Kaspersky Lab. "Unser Unternehmen ist jetzt seit 20 Jahren auf diesem Gebiet aktiv. In den letzten beiden Dekaden hat sich in der Cybersicherheitsbranche vieles verbessert. Bei der Rekrutierung allerdings war der Fortschritt leider nur sehr gering. Es kann nicht sein, dass wir eine ganze Generation wertvoller Fachkräfte nicht berücksichtigen, noch dazu, wo diese genau die richtigen Persönlichkeitsmerkmale mitbringen würden. Die Branche muss daher dringend ihre Einstellungskriterien anpassen, bevor wir das Momentum verpassen."
 

Blinder Fleck in beide Richtungen

Auch wenn die junge Generation die passenden Eigenschaften für den Kampf gegen Cyberkriminalität besitzen mag, so hat es die Branche in der Vergangenheit versäumt, sich als attraktiver Arbeitgeber in den Köpfen zu verankern. Laut Studie von Kaspersky Lab sehen 71 Prozent aller Absolventen für sich keine Karrierechancen in der IT-Sicherheit und 73 Prozent haben die Branche niemals als möglichen Arbeitgeber in Erwägung gezogen. Zudem haben fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) wenig oder gar keine Vorstellungen über die Aufgaben von IT-Sicherheitsexperten.
 
"Eine ganze Generation nicht für eine Karriere auf diesem Gebiet zu begeistern, könnte uns teuer zu stehen kommen", so Holger Suhl. "Es gibt nicht unendlich viele Talente für die Sicherheitsbranche und die Unternehmen versuchen eher, sich die vorhandenen Fachkräfte gegenseitig auszuspannen als neue Talente zu gewinnen. Was wir benötigen ist ein Mix aus neuen und erfahrenen Kräften, um hier die Lücken zu schließen. In Hinblick auf Bedeutung und Umfang täglich neuer Cybergefahren kann dieser Kampf nur durch einen gemeinschaftlichen Ansatz in einem Team aus Branchenexperten gewonnen werden. Unser hauseigenes Global Research and Analysis Team (GReAT) glaubt fest daran, dass Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft eine gewaltige Stärke im Kampf gegen die Cyberkriminalität aufbringen können."
 

Talente mit Wettbewerb anlocken

Im vergangenen Jahr hat Kaspersky Lab mit dem Kaspersky Academy Talent Lab einen internationalen Wettbewerb für Studenten und Nachwuchskräfte ins Leben gerufen. Am 13. März 2017 wurden die diesjährigen Gewinner bekannt gegeben – zwei Studenten aus den USA, die mit ihrer Sicherheitstraining-App unter anderem ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Dollar gewannen. Das Programm zur Nachwuchsförderung zielt darauf ab, aktuelle Cybersicherheitsherausforderungen über einen Wettbewerb für technische und kreative Talente zu lösen.
 

(Bild: Kaspersky Lab)