22-2-2017 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17136

Gastartikel - Helmut Preissner, IGEL Technology

Digitales Marketing und das Internet of Things

Eines der heißesten IT-Themen der nächsten Zeit ist die Entstehung neuer digitaler Zugänge zu Kunden und Partnern. Was ist hierbei aber schon im Vorfeld, bei der Planung und Konzepterstellung, zu beachten?

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 Wenn man einen Blick auf die IT-Projekte unserer österreichischen Kunden im Jahr 2016 wirft, lässt sich ein Trend ganz klar erkennen: Lösungen mit dem Ziel des digitalen Verkaufs bzw. des digital unterstützten Kundenmanagements sind auf dem Vormarsch und wachsen im zweistelligen Prozentbereich. Ein Bereich dieser Gruppe sind sogenannte E-Collaboration Lösungen, also Lösungen welche eine digitale Zusammenarbeit sowohl intern als auch zum Endkunden hin ermöglichen bzw. optimieren. 
 
Man kann sich das folgendermaßen vorstellen: In einem Unternehmen arbeiten Marketing, Sales und Product-Management über eine E-Collaboration-Anwendung zusammen, kreative Ideen werden gemeinsam in Mindmapping Tools entwickelt, Kommunikation und Diskussionen werden über Instant Messenger, Video- und Audio-Conferencing-Dienste geführt und der Projektfortschritt mit Hilfe von Projektmanagement Tools kontrolliert. Wissen und Erfahrungen werden in Intranet-Wikis organisiert und Grafiken, Texte und Designs werden über Collaborative-Reviewing-Dienste zur Freigabe hochgeladen. Wer die ganze Fülle moderner Collaboration Tools konsequent nutzt und kombiniert, kann Workflows optimieren und jede Menge Zeit und Geld sparen.
 
Diese Dienste laufen größtenteils Hardware-Plattform unabhängig, dass heißt die Mitarbeiter können sich fließend zwischen den Endpoints, also Thin Clients, PCs, Tablets oder Smartphones, und Orten, wie z.B. dem Arbeitsplatz, dem Auto, beim Kunden oder im Home-Office, bewegen. E-Collaboration gewährt eine ständige Erreichbarkeit - wenn man so will - aber auch die Möglichkeit anzuzeigen, dass man derzeit nicht erreichbar ist. Wenn man den arbeitspolitisch-sozialen Aspekt zur Seite schiebt - dieser wäre einen eigenen Artikel wert - ist man bereits beim Thema IoT angelangt: Betrachtet man jeden Endpoint als Teil des eigenen firmeninternen IoTs so stellt man relativ rasch fest, dass man sich noch bevor der erste Workflow designed wird über zwei Dinge den Kopf zerbrechen muss: Wie gewähre ich die Sicherheit meiner IoT-Devices und wie kann ich es verwalten?
 

RTOS, das Herzstück

Herzstück einer jeden IoT-Device ist das sogenannte Echtzeitbetriebssystem (real time operating system; RTOS), also ein Betriebssystem, das in der Lage ist, Echtzeit-Anforderungen der Anwendungen und der Kommunikation zu erfüllen. Viele dieser Betriebssysteme, wie z.B. Google Brillo, Windows 10 for IoT oder Apples iOS, haben leider den fahlen Beigeschmack, dass man aufgrund der Natur dieser Unternehmen auf den Gedanken kommen könnte, dass das eigene IoT von Dritten zum fröhlichen Datensammeln genutzt wird. Somit sollten in erster Linie Betriebssysteme von solchen Anbietern in Betracht gezogen werden, welche zumindest Bankensicherheitsstandards erfüllen - und dem Administrator so viele Rechte einräumen dass dieser mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen kann, dass sein System unter Fremdeinwirkung steht.
 
Des Weiteren muss ein RTOS die Fähigkeit haben nicht nur mit unterschiedlichsten Sensoren, Devices, Wearables und Peripheriegeräten zusammenarbeiten zu können, sondern diese auch zu verwalten. Somit ist gewährleistet, dass Sie - gesetzt den Fall Sie möchten zu einem beliebigen Zeitpunkt ihre IoT-Devices upgraden, erweitern, ersetzen oder re-designen - mit dem richtigen RTOS dazu auch in der Lage sind. Man stelle sich folgendes vor: Viele innovative österreichische Firmen haben schon vor einiger Zeit damit begonnen ihre Produkte, wie z.B. einen Fahrstuhl, mit einer Vielzahl von Sensoren auszurüsten. Sollte nun also zum Beispiel einer dieser Sensoren ausfallen und der Fahrstuhl meldet sich als Einheit in einem einfachen IoT-Verwaltungssystem, so wird dieser seinen Status auf "Fail" ändern, solange bis der Fehler vor Ort behoben wurde.
 
Intelligentere RTOS-Betriebssysteme bzw. deren Managementsysteme erkennen automatisch um welchen Sensor es sich genau handelt, da das RTOS auf jedem einzelnen Sensor autark läuft. Und nun zur Manageability: Mit der richtigen Management-Software für die Betriebssysteme Ihrer IoT-Devices ist es nun ein Leichtes ganz gezielt zu analysieren welcher Sensor genau betroffen ist, Regeln für die Betriebssicherheit zu erstellen (z.B. Fahrstuhl darf noch bis Erdgeschoss fahren oder muss sofort außer Kraft gesetzt werden), oder auch - und nun kommen wir zu einem weiteren Punkt von IoT - die Daten aus den Betriebssystemen zu sammeln und in einem vordefinierten Format für sogenannte Realtime-Analytics-Systeme, dem wahrscheinlich spannendsten Aspekt von Big Data, zur Verfügung zu stellen.
 

Realtime Analytics als Schnittstelle zwischen digitalem Marketing und dem IoT?

Ja. Dies kann man folgendermaßen zusammenfassen: Marketing befasst sich mit der Zukunft, also wie kommt man zukünftig besser mit der eigenen Firmen-Message zu den Kunden, welche es auch interessiert. Das IoT befasst sich mit der Gegenwart, sammelt in Realtime Daten und die Big-Data-Realtime-Analytics-Systeme, wie z.B. von SAP, Tipco oder SAS, legen sich mit einer Analyse aus gegenwärtigen und gesammelten (vergangenen) Daten über die beiden vorhergehenden Themenbereiche um zukünftige Trends vorauszusagen.
 
Nehmen wir dazu ein Beispiel aus dem Bereich wearables: Smartwatches von z.B. Apple, Samsung, Polar und anderen Herstellern sind die derzeit prominentesten Vertreter von IoT-Devices, welche am Körper getragen werden und als I/O-Schnittstelle für biometrische Daten dienen. Wenn man diese gesammelten Daten nun zum Beispiel für eine gezielte Marketing-Kampagne nutzen möchte (wer hat kalte Hände und benötigt beheizbare Handschuhe), dann muss man logischerweise zuerst auf diese Daten zugreifen können. Danach kann man diese auswerten. Hierzu gibt es Möglichkeiten wie Daten-Kauf beim Hersteller oder die Erstellung, Lizenzierung und Verbreitung einer eigenen App um an diese Daten zu kommen - sofern es der User zulässt.
 
Und genau dieser Punkt stellt die wichtigste Frage: Haben Sie als Unternehmen genau die Daten Ihrer Kunden, die benötigt werden, um ein digitales Marketing erst möglich und sinnvoll zu machen und nicht ins "Blaue zu schießen"? Oder wissen Sie, wie Sie diese Daten bekommen, welche Sie für eine sinnvolle digitale Kampagne benötigen? Falls nicht, könnte es im Vorfeld ziemlich kostspielig werden. Dies ist der Grund, warum viele Firmen zuerst das Feld des Data Mining betreten um eine solide Grundlage für deren Kampagnen zu legen.
 

Fazit

Für ein effizientes und effektives Konzept in Bezug auf Digitales Marketing und das Internet of Things empfiehlt es sich, von innen nach außen zu bauen - also zuerst definieren, welche Daten man braucht, welche man bekommen kann, welche sinnvoll sind und wie man die Sicherheit des IoT und die einhergehenden Schnittstellen (Sensoren, etc.) sowie die Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit gewährleistet. Dann ist der Grundstein für ein erfolgreiches IT-Projekt für die Kombination dieser beiden Themen gelegt.
 
Helmut Preissner ist Country Manager Austria des Thin-Client-Spezialisten IGEL Technology GmbH.