14-2-2017 Gedruckt am 29-04-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17125

Interview – Wolfgang Mayer, Citrix

Interesse ist da, die Umsetzung noch mangelhaft

Seit November 2015 kümmert sich Wolfgang Mayer als Country Manager von Citrix um die regionale Strategie, Schlüsselkunden und Partner sowie um die Intensivierung der Absatz- und Vertriebsaktivitäten in Österreich. Es war ein arbeitsames Jahr, wie er im Gespräch mit monitor.at erzählt. Aber es hat sich ausgezahlt.

Rudolf Felser

"Wir sind für alle interessant", sagt Wolfgang Mayer, Country Manager von Citrix in Österreich. (Bild: Rudolf Felser)

 Mayer kann auf 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken und -greifen. Er war unter anderem schon als Country Manager von Micro Strategy Österreich, Sales & Marketing Director Austria bei ATOS Origin sowie Director Sales Austria bei Fujitsu Siemens tätig. Vor seinem Engagement bei Citrix verantwortete er den Vertriebskanal "Finance" bei Cisco Österreich. 
 
Im Interview mit monitor.at spricht der erfahrene Manager über sein erstes Jahr unter Citrix-Flagge, übererreichte Ziele, den digitalen Arbeitsplatz und darüber, warum sich KMU mit Umstellungen leichter tun, als große Unternehmen.
 
Herr Mayer, Sie sind seit etwas mehr als einem Jahr Country Manager bei Citrix. Eines Ihrer Ziele war es, gemeinsam mit den Partnern das Wachstum voranzutreiben. Ist Ihnen das gelungen?  
Ja. Zahlen dürfen wir keine nennen. Ich kann nur sagen: Wir haben die von der Company gesetzten Ziele übererreicht. Das Jahr 2016 war in Österreich ein Restrukturierungsjahr. Ich war auch für Eastern Europe zuständig, wo wir in einer Transition Phase sind. 2016 war davon geprägt, die Länder neu aufzustellen, von ihrer Ausrichtung, dem Partner- und People-Management. Das ist jetzt in der Umsetzung. Wir sind in Österreich ungefähr zehn Leute, sind gestaffed wie Citrix noch nie gestaffed war und haben auch neue Positionen schaffen können. Damit ist für 2017 alles aufgegleist. Die Restrukturierung in Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn ist durchgeführt. Ich habe das übergeben, es wird eine weitere Transition geben. Für mich hat das den Vorteil, dass ich mich jetzt zu hundert Prozent auf Österreich konzentrieren kann – was mir wichtig ist, weil ich mich lieber auf Kunden- und Partner-Seite sehe als nur im Management auf der PowerPoint- und Excel-Seite. Das wird mir Freiräume schaffen, um mehr beim Kunden und am Markt präsent zu sein.  
 
Im Digitalisierungs-Kanon, den man derzeit von allen Ecken und Enden hört, singt Citrix unter anderem den Part des "Digital Workplace". Da passt auch die kürzlich erfolgte Unidesk-Übernahme gut dazu. Wie sieht er denn aus, der moderne, digitale Arbeitsplatz? Was versteht Citrix darunter?  
Wie er aussieht muss letztendlich der Kunde entscheiden. Wir leben vor, was heute möglich ist: So zu arbeiten, dass wir als Citrix-Mitarbeiter egal wo wir sind, egal um welche Uhrzeit, egal in welchem Netzwerk und auf welchem Device, immer arbeiten können. Das ist auch für mich ein Grund, mit Citrix als Arbeitgeber sehr happy zu sein, weil es für jeden Einzelnen eine enorme Flexibilität bedeutet. Das hängt natürlich von der jeweiligen Aufgabe und Job Description ab. Aber auch in Österreich öffnet sich der Markt mehr, um den Mitarbeitern das Vertrauen zu geben, von zu Hause und unterwegs zu arbeiten. BYOD ist ein großes Thema. Das wollen wir als Citrix forcieren und vorleben. Wir haben bei Citrix absolut freie Wahl der Devices. Ich kann die Hardware von der Firma nehmen und kümmere mich nicht darum, könnte aber auch mein eigenes Device anschaffen, bekomme von der Company alle drei Jahre einen gewissen Betrag zur Verfügung gestellt und bin komplett frei. Das ist für viele Firmen interessant, die Devices wie Apple aus Kostengründen nicht unbedingt forcieren – es ist nicht mehr das Sicherheits- und Betriebssystem-Thema, da hat Apple aufgeholt. Aber es ist auf der Kostenseite ein Unterschied. Aber wenn ein Mitarbeiter das privat verwendet, würde er das auch gerne in der Firma verwenden. Das gibt eine gute Möglichkeit, dem Mitarbeiter einen Benefit zu geben und in Wahrheit auch Kosten zu sparen, weil ich das Management dem Mitarbeiter übergebe. Er kümmert sich um Updates, Upgrades, Reparatur, etc. Wir leben das alle, damit ist es für uns in der Firma relativ einfach, das mit den Kunden zu besprechen.
 
Citrix ist in Österreich ein KMU, global gesehen ein riesiger Konzern. Ist der Digital Workplace nur ein Thema für große Unternehmen, oder auch für kleine Firmen?  
In kleinen Unternehmen ist es sogar leichter umzusetzen. Wenn man Citrix in Österreich mit seinen zehn Mitarbeitern als Beispiel nimmt: Ich habe keinen Server in der Firma stehen. Das interessante für die kleinen Unternehmen ist, dass man sich durch die Flexibilität auf das Business konzentrieren kann. Die ganze IT-Infrastruktur, Verfügbarkeit, das Security-Thema können andere besser machen. Dafür ist Citrix ein sehr guter Partner. Auf dem Citrix Summit (Anm.: der kürzlich in den USA stattfand) ist auch eine Programm gemeinsam mit Microsoft und HP speziell für den KMU-Bereich vorgestellt worden. Da ist auch Cloud ein Thema. Damit schließt sich der Kreis: Wir sind für alle interessant. Ich glaube, es ist im KMU-Umfeld sogar leichter Umstellungen zu machen, als im Enterprise-Umfeld bei einem großen Finanz- oder Industrieunternehmen. Dort muss viel mehr organisatorisch eingegriffen werden.
 
Wo steht Österreich in Sachen digitaler Arbeitsplatz? Citrix hat ja vor einiger Zeit dahingehend eine Studie durchgeführt.  
Interesse ist da, die Umsetzung noch mangelhaft. Wir haben viele Projekte, bei denen wir sehr stark an der Basis arbeiten müssen, weil der digitale Arbeitsplatz eine große Veränderung darstellt. In der Architekturtechnologie ist das easy umzusetzen, egal ob man On Premise, Hybrid oder Cloud verwendet. Das ist für Citrix vollkommen egal. Das wichtige, wo wir auch vermehrt vertrieblich den Fokus setzen, ist zu verstehen, wie der Kunde und sein Unternehmen funktioniert. Man muss herausfinden, was die Ansatzpunkte und die Treiber für Unternehmen sind, um den digitalen Arbeitsplatz anzupassen, einzusetzen und zu erweitern. Da geht es nicht nur darum, mit dem IT-Management zu reden, die das umsetzen, sondern mit dem Business zu reden. Wir haben letztes Jahr einen Fokus getestet. Ich habe an einem HR-Event teilgenommen um den Personalverantwortlichen zu zeigen, was heute möglich ist, und um zu hören, welche Rückfragen kommen. Da geht es um Sicherheit und Flexibilität. Die Personalverantwortlichen wollen die richtigen New Talents bekommen, die mit IT aufgewachsen sind. Wir sind an der Schwelle in diese Richtung zu gehen, was die Umsetzung betrifft.  
 
In Österreich gibt es also Luft nach oben?  
Aus meiner Sicht absolut. Das Thema Desktop-Virtualisierung ist schon lange da, wird aber jetzt zusätzlich durch Cloud-Initiativen aller Hersteller getrieben – aber auch von den Unternehmen. Die Frage lautet: Was ist mein Core-Business und wo kann ich Services zukaufen, um meinen täglichen Ablauf IT-unterstützter zu garantieren? Dadurch rückt unser Thema wieder viel mehr in den Fokus.
  
Was sind für Citrix die Schwerpunkt-Themen des Jahres 2017? Kürzlich fand ja auch, wie Sie schon erwähnt haben, der Citrix Summit statt. Wo will das Unternehmen hin, bzw. etwas konkreter: Was sind Ihre Ziele für Österreich dieses Jahr?  
Voriges Jahr war das meist benutzte Wort bei Citrix "Fokus". Wir haben uns auf die Neuausrichtung fokussiert. Heuer ist dieses Thema wirklich in der Umsetzung. Da gibt es drei Punkte: Das sind Workspace, das Thema Netzwerk-Virtualisierung/Security und das Thema Microsoft-Zusammenarbeit, was auch bedeutet die große Zahl der Microsoft-Kunden mehr zu integrieren und zu schauen, welche Vorteile können wir mit einer Citrix-Lösung und der Microsoft Cloud, also Azure, am Markt platzieren. Den Workspace decken wir End to End ab, von BYOD, über Security, Application Delivery bis VDI, On Premise und Cloud, so wie es der Kunde möchte. Ein Vorteil von uns im Vergleich zum Mitbewerb ist, dass wir nicht auf einen Hypervisor oder eine Cloud fixiert sind. Das ist der Mehrwert, den wir bringen. Es ist extrem wichtig, diese Reise mit dem Kunden mitzumachen. Nicht zu sagen, dass der Kunde einen bestimmten Provider oder Hypervisor haben muss. Das ist uns egal, auch wo die Daten, die Applikation und das Management liegen. Diese Flexibilität, die wir unseren Kunden auf der Reise in die zukünftige IT-Welt bieten, ist ein großer Vorteil.  
 
Ein anderes wichtiges Thema ist IT-Security. Wie können Citrix-Lösungen den Unternehmen da helfen?  
Wir brauchen die Garantie, das die Mitarbeiter egal wo sie sind, egal mit welchem Device, egal mit welcher Applikationen sie arbeiten, einen sicheren Zugriff auf Unternehmensdaten haben. Dazu kombiniert Citrix Soft- und Hardware zu einer Lösung. Das ist der Mehrwert, den wir als Unternehmen liefern können: Wir adressieren die Sorgen vom Security Officer des Unternehmens, wer zugreifen darf. Darf ich im Restaurant auf meine Finanzdaten zugreifen? Darf ich auf meinem Handy etwas approven, oder nur am Laptop im Firmennetz? Das sind aus meiner Sicht die Security-Themen, die inhaltlich sind. Hacking und dergleichen, das ist ein anderes Thema. Unser Ansatz ist sicherzustellen, dass der mobile Arbeitsplatz funktioniert.