3-2-2017 Gedruckt am 27-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17113

Exklusiv-Interview zur Automic-Übernahme

"CA und Automic sind ein Traumpaar"

Im Januar wurde der rund 600. Mio. Euro schwere Deal von Automic und CA Technologies abgeschlossen. Seitdem ist der Automatisierungs-Spezialist mit starken österreichischen Wurzeln Teil der CA-Familie. Wir haben uns mit Automic-CEO Todd DeLaughter und Ayman Sayed, President und Chief Product Officer von CA Technologies, zum Gespräch über die gemeinsame Zukunft der beiden Unternehmen getroffen.

Rudolf Felser

Todd DeLaughter, nunmehr General Manager der frischgebackenen CA-Tochter Automic, und Ayman Sayed, President und Chief Product Officer von CA Technologies, nach dem Interview im Wiener Automic-Office. (Bild: Rudolf Felser)

 Automic mit Hauptsitz in Wien ist Spezialist für Business Automation Software, die hilft Unternehmen durch die Automatisierung von IT- und Geschäftsprozessen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Das 1985 von Franz Beranek als SBB Software in Österreich gegründete Unternehmen, das später in UC4 Software und schließlich in Automic umfirmierte, gehört jetzt zu CA Technologies.
 
CA Technologies ist knapp zehn Jahre älter und wurde 1976 in News York gegründete. Das Unternehmen hat eine lange Reihe von Übernahmen hinter sich, die erste schon ein Jahr nach seiner Gründung. Seitdem ging es bis heute Schlag auf Schlag.
 
Wir trafen Ayman Sayed, als President und Chief Product Officer an oberster Stelle für CA Technologies tätig, und den in Wien wohnenden Automic-CEO Todd DeLaughter zum Exklusiv-Interview.
 
Die Wiener Büros von CA Technologies und Automic liegen sehr nah beieinander, wortwörtlich um die Ecke. Und heute sitzen wir alle hier, und nicht in einem Office in New York oder Bellevue (Anm.: Sitz der US-Niederlassung von Automic). Man könnte fast meinen, der Deal nahm hier seinen Anfang. 
Ayman Sayed: Wir hatten Automic schon einige Zeit im Auge. Das ist die größte Akquisition von CA Technologies der letzten zehn Jahre, was den Kaufpreis und das Volumen betrifft, und sie hat großes Potenzial. Automic passt sehr gut zu unserer Application-Economy-Story und zur digitalen Transformation. Automic hat eine exzellente Sammlung an Automatisierungs-Lösungen aufgebaut, in einem Portfolio das CA's Portfolio und CA's globale Präsenz gut ergänzt – egal ,ob von der Technologie-Ausrichtung, den Produkten und dem Portfolio oder den Kundensegmenten. Wir freuen uns sehr über die Möglichkeiten, die wir unserer vereinten Kundschaft nun bieten können, und ihre Reaktion auf den Deal waren bisher sehr positiv. Sie sehen, dass wir Ihnen helfen werden ihre digitale Transformation und ihre Reise in die Application Economy zu beschleunigen.
 
Wie viele Ihrer Kunden haben schon zuvor Lösungen von beiden Unternehmen genutzt?
Todd DeLaughter: Eine ganze Menge. Im Zuge unserer Analysen haben wir herausgefunden, dass es eine gewisse Überschneidung gibt. Das heißt aber nicht, dass es keine Geschäftschancen bei diesen Accounts mehr gibt, denn jetzt können wir uns gegenseitig helfen diesen Kunden Lösungen in Bereichen anzubieten, die wir vorher nicht adressieren konnten. Bei ungefähr 25 Prozent unserer kombinierten Kundenbasis kam bislang nur einer von uns zum Zug. Das erlaubt es uns, das Geschäft zu erweitern und gemeinsam unsere Kontakte und Beziehungen zu den Kunden weiter zu verbessern.
 
Umgekehrt bedeutet das, 75 Prozent ihrer zusammengenommenen Kunden hatten bereits eine Geschäftsbeziehung zu beiden Unternehmen?
DeLaughter: Aber nur weil wir einen Kunden hatten, den auch CA hatte, heißt das nicht, das wir dort bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten. Es gibt einen Share of Wallet (Liefereigenanteil; gibt an, wie hoch der Anteil eines Unternehmens als Lieferant am gesamten Einkaufsvolumen des belieferten Kunden ist) den wir jetzt heben können, indem wir die Beziehung zum Kunden vertiefen und weil wir nun wissen, wo wir unsere Produkte noch positionieren können.
 
Was war eigentlich der Hauptgrund für diesen 600-Mio.-Euro-Deal?
Sayed: Die Automatisierung ist eine der tragenden Säulen, wenn man eine moderne Software Factory aufbaut und ein Unternehmen für die digitale Transformation bereitmacht. Automatisierung ist hierbei ein Schlüsselfaktor und damit stehen die Lösungen von Automic im Zentrum der Digitalisierung. Außerdem – angesichts der Veränderungen in Technologie und Business-Modellen und Trends wie der Migration in die Public oder Hybrid Cloud – ist die Kombination der Portfolios von CA und Automic ein attraktives Angebot für Unternehmen, die die Flexibilität und Freiheit suchen ihre Workloads überall platzieren zu können, wo sie wollen, egal ob im physischen oder virtuellen Datacenter, ihrer eigenen Private Cloud, der Public Cloud oder mehreren Public Clouds. Unsere kombinierten Lösungen geben ihnen die einzigartige Möglichkeit, die Platzierung und das Management dieser Workloads, egal wo sie liegen, zu automatisieren und zu orchestrieren.
 
Hatte CA noch nichts mit Automics Lösungen vergleichbares im Portfolio?
Sayed: Wie hatten ein sehr komplementäres Angebot. Der jeweilige Fokus, den CA und Automic beispielsweise auf die Bereiche Process Automation, Process Orchestration oder Release Automation gelegt haben, passen sehr gut zusammen und ergänzen sich. Das ist einer der Gründe, weswegen die beiden Unternehmen ein Traumpaar sind.
 
Hat man bei CA vor der Akquisition darüber nachgedacht, solche Lösungen selbst zu entwickeln?
Sayed: CA investiert sehr viel in Forschung und Entwicklung (F&E), jedes Jahr rund eine Milliarde Dollar. In den letzten anderthalb Jahren haben wir mehr als ein Dutzend neue Produkte und Lösungen gelauncht, haben das aber auch ergänzt durch gezielte Zukäufe – um Best-in-Breed-Lösungen und -Technologie aufzubauen. Bei Automic hat es wie erwähnt sehr gut gepasst.
 
Wird die Marke Automic bestehen bleiben oder voll in CA Technologies integriert? Herr DeLaughter berichtet aktuell als General Manager direkt an Sie. Wie lange wird das so bleiben?
Sayed: Wir arbeiten die Details der Integration und kombinierten Roadmap noch aus. Natürlich konnten wir damit erst anfangen, nachdem der Deal unter Dach und Fach war (Anm.: der Abschluss der Akquisition wurde offiziell am 19.1. verlautbart). Wir werden in den nächsten Wochen alle Details über das Branding, die kombinierten Roadmaps und die gesamte Produktpositionierung durcharbeiten.
 
Automic hat ja Erfahrung im Re-Branding, angefangen bei SBB Software, über UC4 und zuletzt eben Automic. Das ist für Sie also nichts Neues Herr DeLaughter. Aber was bedeutet diese Übernahme für bestehende Kunden von Automic. Gibt es zum Beispiel weiter Support für Ihre Lösungen?
DeLaughter: Wie Ayman schon gesagt hat, arbeiten wir an einer gemeinsamen Produkt-Roadmap, die wir allen unseren Kunden präsentieren können. Kunden von Automic haben durch die globale Marke CA neue Vorteile. In manchen Ländern, in denen wir zuvor keine kritische Masse erreicht haben, haben wir sie mit CA sicher. Wir werden Produkte anbieten können, mit denen wir viel mehr Leute erreichen können. Nicht nur unsere bestehenden Kunden, sondern auch künftige, werden von unserer Technologie-Kombination profitieren. Ich denke nicht, dass unsere Kunden eine große Veränderung bemerken werden, außer, dass wir eine ganze Reihe neuer Themen haben, über die wir mit ihnen sprechen können – was positiv ist. Bisher waren die Reaktionen sehr gut.
 
Was können auf der anderen Seite bestehende oder potentielle CA-Kunden in Zukunft vom kombinierten Portfolio erwarten?
Sayed: Die Kunden von CA haben allen Grund sich über diese Akquisition zu freuen. Zusammen sind wir in der Lage, ihnen Best-in-Breed-Automatisierungs-Lösungen anzubieten. Firmen haben heute verschiedene Automatisierungs-Lösungen im Einsatz, die in vielen Fällen als isolierte Inseln arbeiten und die Automatisierung einer Workload, einer Prozesskette oder einer Release Activity abdecken. Sie setzen also multiple Lösungen ein. Unser kombiniertes Portfolio wird es ihnen erlauben, eine End-to-End-Plattform zu schaffen, welche die Basis für alle Automatisierungs- und Orchestrierungs-Bedürfnisse bildet und es ihnen erlaubt, ihre Prozesse und Workloads dorthin zu legen, wo sie gebraucht werden.
 
Das bedeutet also weniger Komplexität auf der einen Seite, um mehr Komplexität auf der anderen Seite zu managen.
DeLaughter: Aber versteckt vor den Kunden. Es ist eine Automatisierungs-Plattform, anstatt einem Bündel an Produkten und Tools für einzelne Automatisierungen. Aus meiner und der Perspektive jener von Automic gesehen, auch unabhängig von der aktuellen Übernahme, haben wir in den letzten Jahren eine Abflachung der Produktivitätsgewinne durch IT-Technologien gesehen. Wir glauben der Grund dafür ist, dass sich die Technologien oft noch auf dieses "Insel-Dasein" beschränken. Ein Prozess wird abgearbeitet, dann gibt es eine Pause bis ein Mensch den Output eines Systems in den Input eines anderes System verwandelt. Der einzige Weg, um die Produktivität weiter zu steigern, ist die Prozesskette von Anfang bis Ende zu automatisieren. Und das ist genau das, was wir tun.
 
Sie haben von einer Roadmap gesprochen. Wann sind die ersten neuen beziehungsweise kombinierten Produkte zu erwarten?
Sayed: Wir haben zwei Leitprinzipien: Erstens wollen wir diese Integration mit minimaler Störung des Geschäfts beider Unternehmen über die Bühne bringen. Zweitens wollen wir sichergehen, dass wir die Interessen unserer gemeinsamen Kunden schützen. Das bedeutet, wir wollen ihnen eine zukunftssichere Roadmap bieten, die auch ihre derzeitigen Investitionen schützt. Anfang Februar kommen unsere Engineering-Teams zusammen und arbeiten sich durch jede Roadmap um Pläne für deren Verschränkung zu machen. Todd und ich geben ihnen eine Richtung und ein Ziel vor. Innerhalb von ein paar Wochen sollten wir die gemeinsame Roadmap und Lösungen haben, die wir präsentieren können.
DeLaughter: Zusammen werden wir noch bessere Lösungen anbieten können, da wir sie jetzt in gemeinsamer Entwicklung integrieren. Diesen Vorteil bieten wir unseren gemeinsamen Kunden. Für Automic-Kunden sollte sich nichts verändern, aber unsere gemeinsamen Kunden können sich auf noch besser integrierte Lösungen freuen.
 
Der Vorteil, den österreichische Kunden bislang haben, ist das Headoffice von Automic in Wien. Wie sind Ihre Pläne in Bezug auf das österreichische HQ und seine Mitarbeiter? Werden Sie die Büros von CA und Automic zusammenlegen?
Sayed: Unser Ziel ist es, weiterhin hier vor Ort zu investieren. Wir haben keine Pläne, die Belegschaft oder den Fokus, etwa F&E oder Vertrieb, zu verschieben. CA ist ein globales Unternehmen mit globaler Präsenz. Wir haben auch andere Zentren in Europa, der Standort hier in Wien gibt uns einen guten Zugang zu qualifiziertem Personal und zu dem globalen und europäischen Business. Wie Sie schon erwähnt haben: Es ist ein glücklicher Zufall, dass die Büros von CA und Automic nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind. Das macht die Integration leichter. Ich überlasse es Todd und seinem Team sowie Mario (Anm .: Mario Reismüller, Country Manager von CA Technologies in Österreich) zu entscheiden, wie die Immobilien hier am besten genutzt werden können und ob es zwei Büros oder ein Büro in Wien haben werden.
Außerdem hat CA Automic nicht nur wegen seiner Lösungen, sondern auch aufgrund seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erworben. Wie bei jeder Integration kann es sein, dass sich einige Jobtitel oder Funktionen ändern, um eine Angleichung an beide Organisationen zu erreichen. Die Führungsteams von sowohl CA als auch Automic werden eng zusammenarbeiten, um über mögliche Personalanpassungen oder -änderungen zu entscheiden.