26-1-2017 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17103

Interview - Oliver Krizek, NAVAX

"Wir müssen uns in die Denkmodelle des Konsumenten versetzen"

"Die Menschen, die bei uns kaufen, sind wie du und ich und können mit IT-Fachbegriffen teilweise nicht so viel anfangen. Ich darf dementsprechend nicht davon ausgehen, dass sie mit den gleichen Fachbegriffen umgehen können wie wir", erklärt NAVAX-CEO Oliver Krizek im Interview mit monitor.at. Was er sonst noch so sagt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Rudolf Felser

"Die österreichische Wirtschaft, die zum Großteil aus KMU besteht, ist sehr weit", sagt NAVAX-Chef Oliver Krizek im Interview. (Bild: NAVAX)

Oliver Krizek ist Gründer und Geschäftsführer der NAVAX Unternehmensgruppe und mit seinem IT-Systemhaus seit über 20 Jahren in den Bereichen ERP, CRM, Business Intelligence, Controlling & Budgetierung sowie Collaboration & Mobility tätig. In der Branche ist er beileibe kein Unbekannter: So stand er beispielsweise 2015 im Finale des "Entrepreneur Of The Year", seinem Unternehmen wurde vergangenes Jahr für außergewöhnliche Leistungen um die österreichische Wirtschaft das österreichische Staatswappen verliehen, und er ist Teilnehmer an Fachdiskussionen, wie etwa dem letzten Round Table zum Thema ERP des Monitor.
 
Wir haben uns mit Oliver Krizek zum Interview getroffen und – neben dem allgegenwärtigen Thema Digitalisierung – darüber gesprochen, ob ein Staatswappen auch einen Effekt auf das Business hat.
 
Herr Krizek, bevor wir zu den modernen Themen kommen eine Frage, die eher etwas mit alten Traditionen zu tun hat: NAVAX darf seit Kurzem das österreichische Staatswappen der Republik Österreich im geschäftlichen Verkehr führen. Herzlichen Glückwunsch dazu! Aber macht das für Sie im Business-Alltag einen Unterschied? Achten die Kunden auf so etwas?
Auf nationaler Ebene bringt es da und dort etwas. Wir haben einige Kunden, auch aus staatsnahen Gebieten. Da fällt es positiv auf und hilft bei der Akquise, um Beständigkeit und Stabilität zu signalisieren. Nur 0,3 Prozent der österreichischen Unternehmen haben das Wappen erhalten. Unternehmen bekommen es erst nach einer gewissen Zeit am Markt und mit einer gewissen Stabilität im Geschäftsmodell, das ist aus meiner Sicht die eigentliche Message. Natürlich hat es auch eine gewisse Innenwirkung. Es signalisiert, dass man als Arbeitgeber ein sicheres Umfeld bietet. In Deutschland und der Schweiz bringt es weniger. Auch wenn man nicht unterschätzen darf, dass in Deutschland österreichische Titel gut ankommen, wenn man damit in der richtigen Art und Weise umgeht.  
Ob das ein Entscheidungsgrund für Kunden ist? Es kann – wenn die Chancen 50 zu 50 stehen – das Zünglein an der Waage sein. Ich glaube aber nicht, dass es ein großartiges Marketinginstrument ist, um vollautomatisch Kunden akquirieren zu können. Das Wappen kann vertrauenerweckend sein.  

 
Nun zu den "moderneren" Themen. Derzeit dreht sich ja alles um den Begriff "Digitalisierung", sogar hohe Politiker nehmen das Wort in den Mund – was nicht Jedermann als gutes Omen wertet. Was bedeutet Digitalisierung für NAVAX?
Digitalisierung ist für uns eine neue Wachstumsmöglichkeit bzw. auch ein neueres Thema, das wir positiv zur Geschäftsentwicklung nutzen können. Ich sage bewusst "nutzen können", denn es hängt von uns ab was wir daraus machen. Der Markt ist sensibilisiert durch das Thema. Wir positionieren uns verstärkt in diesen Bereichen. Das Internet of Things, die Anbindung von diversesten Gerätschaften an das Internet und die interne IT, erlaubt es, Informationen auf digitale Weise zu bekommen, die man vorher nur manuell erhalten konnte und die jetzt vollautomatisch ins System laufen und neue Daten bringen, die vorher nicht erfasst worden sind und jetzt für strategische Entscheidungen genutzt werden können. Es gibt eine Studie die besagt, dass 70 Prozent der Kunden wissen, dass sie etwas machen müssen, aber nicht wie, und etwa 30 Prozent wissen, dass sie etwas machen werden, brauchen aber einen letzten Boost. Wir starten darum gemeinsam mit einer digitalen Marketingagentur und Microsoft eine Offensive, die "Digibusters".
 

Auf der Website digibusters.com werden Lösungen für Probleme geschildert, nicht Produkte in den Vordergrund gestellt. (Bild: Screenshot)

Was kann man sich unter "Digibusters" vorstellen?
Das ist eine Plattform, mit der wir Kunden nicht Programmatiken oder Software anbieten, sondern Lösungen. Dort findet man Beiträge aus dem Unternehmensalltag, und wie diese Probleme durch digitale Prozesse gelöst werden können. Der Kunde sagt zum Beispiel: "Ich habe keine tagesgenauen Vertriebsumsätze." Dann hilft es wenig ihm zu sagen, er soll ein CRM-System kaufen. Der normale Kunde, der nicht aus der Branche ist, fängt damit nichts an. Aber man kann ihm eine Customer Journey oder eine Story bieten, die das thematisiert. So liefert man ihm eine Lösungsmöglichkeit und beschreibt, wie ihn die IT unterstützen kann – nicht welches Produkt er braucht und wie toll der Hersteller ist. Wir versuchen damit, neue Kunden zu gewinnen und sie auf einer ganz anderen Ebene abzuholen. Die Menschen, die bei uns kaufen, sind wie du und ich und können mit IT-Fachbegriffen teilweise nicht so viel anfangen. Ich darf dementsprechend nicht davon ausgehen, dass sie mit den gleichen Fachbegriffen umgehen können wie wir. Das sage ich auch meinen Mitarbeitern. 
 
Wie ist es von Ihrer Warte aus in Österreich um das Thema Digitalisierung bestellt?
Es sieht grundsätzlich positiv aus. Ich glaube, dass wir weiter sind als wir manchmal glauben. Das ist aber eine schwierige Frage, weil es kein Ende der Digitalisierung gibt. Es gibt Bereiche, die sehr stark davon profitieren, und es gibt Bereiche die hinten nach sind. Der öffentliche Bereich hat zum Beispiel sehr früh damit begonnen. Ich glaube aber nicht, dass man beurteilen kann ob man als Land insgesamt weiter ist als ein anderes oder nicht. Man muss jedes Themengebiet für sich betrachten. Die österreichische Wirtschaft, die zum Großteil aus KMU besteht, ist sehr weit. Alleine aufgrund der wirtschaftlichen Positionierung Österreichs glaube ich, dass wir gut digitalisieren. Die andere Frage ist, wie gut Österreich dabei ist, digitale Themen auch aufzubereiten, im IT-Bereich auch digitale Lösungen anzubieten. Hier glaube ich, dass wir im Vergleich mit anderen Ländern ein bisschen das Nachsehen haben. Das hat auch mit der Finanzierung und anderen Dingen zu tun. Da sind wir nicht so gut aufgestellt wie Berlin oder Paris – mit einem Silicon Valley brauchen wir uns erst gar nicht zu vergleichen. Das Potenzial, das wir in diesem Land hätten, nutzen wir nicht genug. Da wäre mehr drinnen.
 
Wenn ein Unternehmen mit dem Anliegen zu Ihnen kommt, es "will jetzt auch digitalisieren" – wozu raten Sie dann?
Dann sage ich immer: "Schauen wir uns bitte Ihr Geschäftsmodell an und wohin bei Ihnen die Vision und der Markt gehen. Wer sind Ihre Konkurrenten?" Wir gehen das eher auf der ganz übergeordneten Metaebene an und nicht auf der IT-Ebene. In welchen Branchen bewegt er sich und welche Möglichkeiten gibt es? Wir versuchen Geschäftsmodelle und neue Ideen zu finden – unter unserer Anleitung, aber auch unter externer. Deswegen sind wir gefordert, die Technologien, die es in der Geschäftsprozess-Digitalisierung gibt, selbst anzuwenden, um dem Anwender Ideen zu liefern. Wir müssen uns in die Denkmodelle des Konsumenten versetzen. Die "Generation X" muss ich anders adressieren als einen 55jährigen. Ich muss überlegen, wer meine Zielgruppe ist und wie ich sie ansprechen muss.
 
Ich habe gehört, Sie verzeichnen gerade gesteigerte Nachfrage aus der Baubranche?
Da unterstützen wir die Unternehmen bei der Durchführung von Bauprojekten, nach der Planungsphase. Es geht darum, alle manuellen Prozesse digital zu erfassen: Wer arbeitet wann, wo, und macht was? Im Prinzip nichts anderes als Projektmanagement, nur ein bisschen erweitert. Die Branche ist sehr konservativ. Das sind keine Unternehmen, die jedes Jahr ihre Software wechseln – auch, weil sie eine gewisse Größe haben. Sie müssen auf zukunftsträchtige Technologien setzen, die sie in den nächsten 30 Jahren einsetzen können. Der Bauleiter sitzt nicht mehr mit Zettelwerk da, sondern überwacht mit einem Tablet den Bau und schickt Daten retour, damit eine laufende Nachkalkulation passiert und somit ein viel genaueres Management stattfindet. Die Bauwirtschaft war in den letzten Jahren geprägt durch Lösungen, die für sich gesehen geniale Produkte waren und das Bauunternehmen in klar abgegrenzten Bereichen unterstützt haben. Mittlerweile geht das weiter. Diese Produkte haben ein gewisses Technologiealter erreicht. Das stehen jetzt Projekte an, in denen man diese Technologien gegen neue austauscht.