2-12-2016 Gedruckt am 30-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17054

Gastkommentar - Karl-Heinz Täubel, unit-IT

Mittelstand 4.0: Chancen und Herausforderungen

Die digitale Transformation sämtlicher Lebensbereiche und Wirtschaftszweige schreitet in rasantem Tempo voran. Obwohl sich die meisten Mittelständler der damit einhergehenden Chancen für ihr Business bewusst sind, agieren sie gegenwärtig allerdings noch immer zögerlich.

Karl-Heinz Täubel, Geschäftsführer von unit-IT (c) unit-IT

 Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen birgt die digitale Transformation ein enormes Potenzial, effizienter und kostengünstiger zu arbeiten. Ein Beispiel hierfür ist die Nutzung cloudbasierter as-a-Service-Angebote, mit deren Hilfe sie auf hochwertige Technologien und Anwendungen zugreifen können, die zuvor aus Kostengründen nur großen Unternehmen und Konzernen vorbehalten waren. Dazu zählt etwa Software für die Bereiche Enterprise Resource Planning (ERP) und Customer Relationship Management (CRM). Immer mehr KMU haben inzwischen auch in punkto Outsourcing aufgeholt. Die Vorteile einer ausgelagerten IT-Infrastruktur liegen klar auf der Hand: So entfallen nicht nur hohe Anschaffungs-, Betriebs- und Wartungskosten, externe IT-Dienstleister verfügen außerdem über eine ausgeklügelte Sicherheitsstrategie für das von ihnen betriebene Data-Center und gewährleisten dabei regelmäßige Backups und Updates. Neben der Konzentration auf das Kerngeschäft ermöglicht Outsourcing somit mehr Flexibilität und eine schnellere Reaktionsfähigkeit auf sich ändernde Kundenanforderungen. Zudem machen sich viele KMU innovative Lösungen zunutze, um den Automatisierungsgrad ihrer Produktions- oder Arbeitsabläufe zu erhöhen und Geschäftsprozesse zu mobilisieren.
 
Insgesamt ist zu beobachten, dass die meisten mittelständischen Betriebe die Möglichkeiten, die die fortschreitende Digitalisierung für sie bereithält, längst als wichtige Chance begreifen und in Teilen auch schon nutzen – etwa um ihre Wettbewerbsfähigkeit auszubauen und ihre Effizienz zu steigern. 
 

IT-Branche ist gefragt

Nun, da wir uns am Übergang zu Industrie 4.0 befinden, wird es jedoch nicht mehr genügen, lediglich einzelne Bereiche und Abläufe zu digitalisieren. Vielmehr gilt es, gesamte Wertschöpfungsketten intelligent miteinander zu vernetzen und enorme Datenmengen sinnvoll zu verarbeiten, um rascher auf Marktveränderungen reagieren und Kundenwünschen punktgenau entsprechen zu können. Während viele Mittelständler ein durchaus hohes Interesse an entsprechenden Innovationen zeigen, agieren sie gegenwärtig noch zögerlich. Sie haben etwa Vorbehalte in Hinblick auf Datensicherheit und Investitions- und Folgekosten sowie die Befürchtung, nicht über die nötigen IT-Kenntnisse für die Umsetzung zu verfügen. Nicht zu vernachlässigen ist zudem der Umstand, dass es in einigen Regionen auch schlicht am Ausbau leistungsfähiger Netze beziehungsweise der nötigen Internetgeschwindigkeit fehlt. Dabei sind gerade KMU aufgrund ihrer Größe in der Lage, rascher auf neue Technologien umzusteigen als große Unternehmen, wo sich Neuerungen oft äußerst langwierig gestalten.
 
Aus diesem Grund sind nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern durchaus auch die IT-Branche gefragt, Hemmnisse abzubauen sowie Vorbehalte und Gerüchte auszuräumen. Schließlich sind kleine und mittelständische Betriebe das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Mit umfassender Beratung und vor allem konkreten, praxisnahen Lösungen müssen IT-Unternehmen Mittelständler dabei unterstützen, eine nachhaltige Digital-Strategie zu entwickeln. Nur so können KMU ihr Entwicklungspotenzial in Richtung Industrie 4.0 auch wirklich ausschöpfen.
 
Karl-Heinz Täubel ist Geschäftsführer der unit-IT Dienstleistungs GmbH & Co KG.