29-11-2016 Gedruckt am 24-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17048

Interview - Peter Hanke, NetApp

Digitalisierung: "Dazu braucht man Mut"

Digitalisierung und Storage gehören zusammen. Nicht umsonst fühlt sich Peter Hanke, Country Manager von NetApp Austria, heute am richtigen Platz. Kein Wunder, denn wenn er sagt "es gibt kein Digitalisierungsprojekt ohne Daten", dann hat er recht. Wofür man als IT-Firma dieser Tage Mut braucht, verrät er im Interview.

Rudolf Felser

Peter Hanke, Country Manager von NetApp Austria, im Interview mit monitor.at. (c) Rudolf Felser

 Peter Hanke, seit Mai 2016 Country Manager von NetApp Austria, ist in der heimischen IT-Branche kein Unbekannter. Er war vorher unter anderem bei den österreichischen Niederlassungen der ehemaligen Sun Microsystems, dann bei Citrix und Microsoft tätig. Für seinen aktuellen Arbeitgeber NetApp, und damit natürlich auch für ihn, ist die Digitale Transformation ein großes Thema. Schließlich basiert die Digitalisierung auf Daten, die effizient gespeichert und verwaltet werden wollen. Da verwundert es nicht, dass er in unserem Interview sagt: "Ich war noch nie so glücklich, in der IT zu sein, wie aktuell." Aber lesen Sie selbst.
  
Herr Hanke, warum reden gerade jetzt alle von Digitalisierung, obwohl die IT-Branche doch von Anfang an nichts anderes getan hat, als Businessprozesse und Geschäftsmodelle digital abzubilden?
Das Paradigma Digitalisierung ist aus meiner Sicht überstrapaziert. Im Grunde genommen ist es der Enabler für alles, was wir aus der IT tun. Wir digitalisieren jeden Prozess und jeden Arbeitsschritt. Was wir gerade erleben ist, dass unsere Welt in gewissen Bereichen gänzlich digitalisiert worden ist. Ich war noch nie so glücklich, in der IT zu sein, wie aktuell. Wenn wir über Digitalisierungsprojekte sprechen, auch mit Branchenfremden, merken wir, dass zunehmend darüber nachgedacht wird, wie man Arbeitsschritte vereinfachen kann. Das muss das Credo in Digitalisierungsprojekten sein: vereinfachen und effizienter sein. Trotzdem sollte Digitalisierung immer aus dem Fachbereich getrieben sein. Projekte, die rein aus der IT erfunden werden, enden selten dort wo sie enden sollten, dort wo der Mitarbeiter oder der Kunde eine Erleichterung spürt. Von dort sollte aber der Demand kommen.
Am Ende des Tages ist die Digitalisierung trotzdem ein IT-Thema. Für uns als IT-Unternehmen hat das besondere Qualität, denn Daten sind die Basis, auf der diese neuen Projekte entstehen. Deswegen werden wir als klassische Infrastrukturanbieter in der Wertschöpfungskette immer wichtiger. Das bedeutet für uns aber auch eine Challenge, weil wir vom klassischen Produktverkauf in die Lösungsanbieter gehen – wie es in den letzten 15 Jahren immer gepredigt wurde. Dieser Prozess ist für uns der herausforderndste in der Digitalisierung.
 
Wie können sich Unternehmen, besonders der Mittelstand, "fit" für die Digitalisierung machen?
Es steht und fällt mit dem Geschäftsmodell. Die Geschäftsidee und das Geschäftsmodell treiben immer die Digitalisierungsprojekte und nicht umgekehrt. Sonst wird man zu theoretisch. Ich muss mein Geschäftsmodell, egal wie groß das Unternehmen ist, immer wieder überdenken. Das wichtigste ist der Kunde. Egal, ob ich Autos produziere oder Semmerl. Wie komme ich an meinen Kunden und wie serviciere ich ihn am besten, damit er wiederkommt? Das muss der Antrieb für die Digitalisierung sein. Die Digitalisierung bringt einen Riesen-Vorteil: Der Kunde muss nicht mehr drei Straßen weiter sitzen, durch Technologie habe ich einen unbegrenzten Markt vor mir. Ich glaube, das erschreckt aber auch viele.
Wovon ich hundertprozentig überzeugt bin: Digitalisierung ist Sache des Vorstands, Geschäftsführers oder Eigentümers. Das kann man nicht einem IT-ler aufdrücken, das ist eines der wichtigsten Themen das in der Unternehmensführung definiert werden muss.
 
Welche Rolle nimmt NetApp bei der Digitalen Transformation seiner Kunden ein?
Aus meiner Sicht hat NetApp vor eineinhalb Jahren eine konsequente Entscheidung getroffen: Wir machen Storage, und nichts anderes. Außerdem haben wir entschieden, keine eigenen Cloud Services zu lancieren, was ein Unterschied zu fast allen Marktbegleitern ist. Wir bleiben Technologiehersteller und sehen unseren Mehrwert in der Technologie und begeben uns zum Thema Cloud Services in Partnerschaften. Das muss sich auch in Produkten niederschlagen. 2016 haben wir ONTAP 9 gelauncht, mit dem wir das erste Mal unsere Strategie konsequent in einem Produkt anbieten. Das Asset ist nie Hardware. Spindeln gut zu verbauen ist toll, aber die Unterscheidung zu anderen Herstellern ist gering. Unser echter Asset ist Software.   
Wir haben drei Varianten, in denen wir ONTAP zur Verfügung  stellen. Erstens so wie es unsere Kunden kennen: embedded in der Hardware. Zweitens bieten wir ONTAP rein als Software-Edition. Die ONTAP-Select-Software steht dem Kunden genauso als Software-Defined-Storage-Lösung zur Verfügung, wie embedded in der Hardware. Das minimiert den Vendor Lock-in. Wenn man etwa für eine Außenstelle kein NetApp-System braucht, sondern nur einen Server mit drei oder vier Festplatten, aber aus Management-Sicht keinen Unterschied zwischen Zentrale und Außenstelle will,  dann wähle ich einfach ONTAP Select als Software-Edition und kann sie auf jeglicher Hardware einsetzen.Dann gibt es unser ONTAP-Betriebssystem auch als ONTAP-Cloud-Variante. Kunden können bei Amazon oder Microsoft Azure ein NetApp-System im Datacenter einrichten.
Was hat das mit unseren Kunden zu tun? Digitalisierungsprojekte werden durch neue Sourcing-Modelle bedient. Wenn der Kunde Big Data probieren und testen will, dann musste er früher eine Hardwareumgebung kaufen. Er hat nicht gewusst ob die Größe passt, ob es reicht. Das hat hohe Initialkosten gebraucht und war der Tod für viele Projekte, bevor sie entstanden sind. Das ist vorbei. Ich kann heute als Kunde zu Amazon gehen, 5 TB Storage verprovisionieren und dort meine Hadoop-Umgebung in seinem Rechenzentrum als Service aufbauen. Da ich ein einheitliches Datenmanagement mit ONTAP drüber habe, kann ich entscheiden wo ich meine Daten ablege, habe sie unter Kontrolle und kann sie managen. Das ist aus meiner Sicht für den Kunden, was Datenmanagement betrifft, zukünftig das perfekte Modell. Im Moment gibt es nur einen Hersteller, der das bietet: uns.
 
Viele der neuen, disruptiven Geschäftsmodelle, mit denen Startups die Märkte aufwirbeln, sind stark datengetrieben. Optimalvoraussetzungen für einen Storage-Spezialisten wie NetApp, oder?
Deswegen bin ich froh, dass ich bin wo ich bin. Jeder, der heute in der IT arbeitet, kann sagen : Wow, ich bin am richtigen Platz. Wir gestalten mit und bekommen eine ganz neue Rolle. Vor sieben Jahren war Storage nur ein Kostenpunkt. Klar interessieren heute auch jeden Kosten. Aber in heutigen Digitalisierungsprojekten sind Kosten nicht der Treiber, sondern der Nutzen. Und es gibt kein Digitalisierungsprojekt ohne Daten.
 
Ist die Digitale Transformation auch intern für NetApp selbst ein Thema?
Absolut. Bei uns gab es vor eineinhalb Jahren einen CEO-Wechsel weil wir festgestellt haben, wir brauchen neue Gedanken. Es gibt neue Herausforderungen. Um zum Beispiel unser Betriebssystem zu öffnen, brauchte es einen ganz anderen Zugang. Ich muss nicht nur ein Betriebssystem zur Verfügung stellen, ich muss interne Prozesse verändern, etwa die Commisions für Sales verändern. Wenn die Mitarbeiter nur Geld bekommen, wenn sie Hardware verkaufen, was werden sie dann verkaufen? Bei uns bekommt der Seller unabhängig davon, wofür sich der Kunde entscheidet, seine Commision. Ein Geschäftsmodell zu verändern bedeutet immer, etwas zu riskieren. Aber ohne etwas zu riskieren wird man in den nächsten fünf oder sechs Jahren wahrscheinlich nicht besonders erfolgreich sein. Deswegen glaube ich, dass alle IT-Firmen die ihr Geschäftsmodell nicht anpassen, ein Problem haben. Dazu braucht man Mut. Ich muss Entscheidungen treffen.
 
Wie würden Sie die Lage hinsichtlich Digitalisierung in Österreich einschätzen?
Die ganze Wirtschaft beschäftigt sich damit. Das ist ein guter Startpunkt. Was ich manchmal vermisse ist, dass das Thema Digitalisierung aus meiner Sicht nicht wirklich hoch genug aufgehängt ist. In amerikanischen Unternehmen haben wir vielleicht sogar einen CDO, einen Chief Executive für Digitalisierung. Du brauchst Köpfe, die bestehende Geschäftsmodelle permanent evaluieren. Da haben wir Nachholbedarf. Eine Änderung in der Digitalisierung heißt gewohnte Prozesse hinter sich zu lassen und etwas Neues zu probieren. Das tut auch weh. Ein Projekt in den Sand zu setzen heißt nicht immer, einen schlechten Job zu machen. Da könnten wir noch innovativer, revolutionärer werden. An den Leuten liegt es nicht, wir haben extrem kluge Köpfe im Land. Aber ich denke schon, dass die Firmen sich diesem Thema stellen.