22-11-2016 Gedruckt am 30-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17037

Interview - Michael Hollauf, MeisterLabs

Mit Mindmaps von Wien auf die Weltmärkte

Über sechs Millionen User haben mit den Tools des deutsch-österreichischen Unternehmens MeisterLabs bisher weltweit rund 500 Millionen Ideen und Tasks strukturiert. Co-Gründer und CEO Michael Hollauf hat mit monitor.at über seine Firma, Startup-Kultur und die Suche nach neuen Mitarbeitern gesprochen.

Rudolf Felser

Michael Hollauf, CEO von MeisterLabs (c) MeisterLabs

 Vom Startup zum etablierten Unternehmen: Das im Jahr 2006 von Michael Hollauf und Till Vollmer gegründete Software-Unternehmen MeisterLabs ist mit seinen beiden Lösungen MindMeister und MeisterTask mittlerweile höchst erfolgreich. Von Anfang an hatten die Gründer den Weltmarkt im Visier. MindMeister ist ein Online-Mindmap-Tool, mit dem Ideen visualisiert, entwickelt und mit anderen geteilt werden können. Bereits mehr als fünf Millionen Menschen verwenden den preisgekrönten Mindmap-Editor zum Brainstormen, Notizen machen und Projekte planen. MindMeister ist komplett webbasiert und funktioniert mit Windows, Mac OS und Linux auf allen gängigen Endgeräten.   
  
MeisterTask wiederum ist ein intuitives Multiplattform-Kollaborationstool, das effizientes und modernes Taskmanagement ermöglicht. Mit MeisterTask können Teams ihre Aufgaben in optisch ansprechenden, flexiblen Projekten organisieren und verwalten. Der Workflow lässt sich anpassen und wiederkehrende Schritte können automatisiert werden.
 
  
Das "Flaggschiff" des Unternehmens mit Büros in Wien und München ist aber weiterhin MindMeister mit rund 5,5 Millionen Usern weltweit. Das im Jahr 2015 gestartete MeisterTask, das eng mit MindMeister verzahnt ist und aus Mindmaps automatisch Tasks generieren kann, hat immerhin schon knapp 700.000 Nutzer. Zu den Kunden zählen neben international agierende Konzerne wie SAP, Oracle, Philips und CNN auch Universitäten, Schulen und Privatnutzer. Beide Software-Lösungen von MeisterLabs werden in einem Freemium-Modell angeboten.  
 
Herr Hollauf, Sie sind Österreicher, das HQ des Unternehmens ist in München. Sie haben aber auch ein Büro in Wien. Wie kam es dazu?  
Mein Mitgründer Till Vollmer lebt schon seit 20 Jahren in Deutschland, wir sind aber zusammen aufgewachsen und haben beide in Graz studiert. Vor zehn Jahren bei der Gründung war ich in Österreich und er in München. Unser Büro in Wien ist größer, hier haben wir 25 Leute und auch die Entwicklung sitzt in Wien.  
  
München war vor 10 Jahren auch Startup-freundlicher, oder?  
Österreich war damals in dieser Hinsicht nicht auf der Landkarte. Wenn man nach Amerika geht, und sagt man ist eine deutsche Firma, kommt das außerdem besser an, als wenn man sagt, man ist eine "austrian company"  – und erst erklären muss, dass es hier keine Kängurus gibt.  
  
Wie sehen Sie die Lage in Österreich heute?  
Es geht alles in die richtige Richtung, im Vergleich zu früher tut sich sehr viel. Es gibt viele Events und Gruppen, auch Inkubatoren. Wenn man dem neuen Kanzler Glauben schenken darf kann man hoffen, das es so weitergeht. Ich bin recht optimistisch.  
  
In den letzten zehn Jahren haben Sie viele Erfahrungen gemacht. Gibt es vielleicht etwas, dass Sie jungen Startups heute raten würden. Vielleicht einen Fehler, den Sie gemacht haben, und vor dem Sie andere bewahren möchten?  
Wir haben viele Dinge richtig gemacht – darauf bin ich stolz. Was ich gelernt habe: Das Team ist das Haupt-Asset, das man hat. Man muss die richtigen Leute finden und die Firmenkultur aufrecht erhalten. Vielleicht eines noch: Wenn man sein Vorhaben ohne fremdes Geld stemmen kann, dann würde ich das empfehlen. So bleibt man flexibler.   
  
Welche Vorteile bietet Ihre Software?  
Worauf wir von Anfang an gesetzt haben sind die Usability, Einfachheit und Simplizität. Wir versuchen Tools zu machen, die auf das Minimum reduziert sind und genau das bieten, was der Nutzer wirklich braucht. Die Arbeit mit unseren Tools soll Spaß machen. Lieber haben wir ein paar Funktionen weniger, dafür versteht der Nutzer das Tool. Auch auf das Design haben wir immer viel Wert gelegt.  
  
Vor zehn Jahren waren Sie auch mit Ihrem browserbasierenden Ansatz sehr früh dran.  
Das stimmt, deswegen hatten wir auch zu kämpfen und mussten technische Verrenkungen machen. Linien mussten wir zum Beispiel Pixel für Pixel zeichnen, das war damals kompliziert. Aber die Browsertechnologie hat sich rasant weiterentwickelt. Heute geht alles viel leichter.   
  
Suchen Sie aktuell Mitarbeiter?  
Wir suchen immer Leute, im Moment hauptsächlich Entwickler, aber auch Mitarbeiter im Marketing – und wir haben Internships gelauncht. Gute Leute zu finden ist immer ein Thema. In Österreich ist der Markt an guten Entwicklern ziemlich leergefegt. 
 
  
Was können denn neue Mitarbeiter von Ihrem Unternehmen erwarten?  
Was sie erwartet ist Möglichkeit in einem jungen, enthusiastischen Team zu arbeiten, das sich am "cutting edge of technology" bewegt. Wir haben es geschafft noch eine Startup-Atmosphäre zu erhalten, auch wenn wir seit acht Jahren profitabel und ein etabliertes Unternehmen sind. Aber wir arbeiten noch mit den guten Ideen der Startup-Firmen, mit viel Selbstbestimmung und Flexibilität für die Mitarbeiter. Wir sind stolz auf unsere Arbeitsatmosphäre und das Team. Es scheint den Leuten bei uns zu gefallen.