17-11-2016 Gedruckt am 24-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17034

11. ÖCI-BARC-Tagung

"Adapt or die": Controlling muss sich wandeln

Gestern, am 16. November, fand im Apothekertrakt von Schloß Schönbrunn die 11. ÖCI-BARC-Tagung statt. Veranstaltet wurde sie von den beiden Namensgebern, dem Österreichischen Controller Institut (ÖCI) und dem Business Application Research Center (BARC). Einer der Höhepunkte war die Verleihung des Best Practice Award in Kooperation mit Monitor.

Rudolf Felser

Christian Schütz (Geschäftsbereichsleiter Casinos Österreich) bekam den Best Practice Award von Rudolf Felser (Chefredakteur Monitor) überreicht. (c) Controller Institut/APA-Fotoservice/Hinterramskogler

Rund 150 Controlling-, Finanz- und IT-Verantwortliche, Geschäftsführer und Führungskräfte, die vor einer Softwareauswahlentscheidung stehen oder den Einsatz der bereits eingesetzten IT-Tools optimieren wollen, besuchen jährlich die ÖCI-BARC-Tagung. Mirko Waniczek, Geschäftsführer von Contrast EY Management Consulting, der gemeinsam mit Robert Tischler, dem Geschäftsführer von BARC Österreich, die fachliche Leitung der Tagung innehat, freute sich bei seinen einleitenden Worten über die vielen neuen Gesichter im Publikum. Er wertete das als Indikator für den praktischen Nutzen des Events bei der bevorstehenden Auswahl einer Softwarelösung für das Unternehmen. 
 
Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die sich um Software für Planung, Reporting, Analyse und OLAP im direkten Vergleich dreht, standen diesmal – neben den "Dauerbrennern" Business Intelligence (BI) und Big Data – auch Predictive Analytics und das aktuelle Hype-Thema Digitalisierung. Kein Wunder, sind doch BI und Big Data mit die Grundlagen der "Digitalen Transformation" in den Unternehmen. 
 

"Adapt or die" 

Dementsprechend behandelten auch die beiden Fachvorträge des Vormittags die Zusammenhänge dieser Begriffe. In seinem Vortrag mit dem plakativen Titel "Adapt or die" beschäftigte sich Carsten Bange, Geschäftsführer der BARC GmbH, mit der Rolle von BI in Zeiten von Digitalisierung, Big Data, Self-Service und Operationalisierung. "Momentan sind spannende Zeiten. Wir sehen, dass BI immer wichtiger wird, andererseits werden die BI-Organisationen in den Unternehmen immer uninteressanter. BI wird immer wichtiger, aber auch unrelevanter, weil es ausgelagert wird. Klassische Ansätze funktionieren heute oft nicht mehr. Wie passen wir uns an?", leitete er ein und gab einen Überblick aber ebenso nützliche Tipps für das Publikum. Zum Abschluss redete Bange den Anwesenden noch einmal ins Gewissen: "Es gibt viele neue Probleme und Aufgaben. Wenn die BI-Organisation im Unternehmen das nicht macht, macht es jemand anders. Dafür muss man sich anpassen." 
 
Im Anschluss trat Martin Zirkel, Partner in der Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, auf die Bühne. Seine Präsentation trug den nicht minder provokativen Titel "How to fail Big Data Strategy". Zirkel legte dabei die häufigsten Fallstricke bei der Umsetzung einer Big-Data-Strategie dar. "Big Data ist der wesentliche Kern. Wir haben auf einer Seite die riesigen Datenmengen – die erstmal nichts bringen – aus denen Sie mit Analytics Wert gewinnen können. Die vielen statistischen Methoden, die wir heute anwenden, sind nichts Neues. Aber durch die modernen Technologien wie In-Memory kann man sie jetzt richtig nutzen", brachte es Zirkel auf den Punkt. Zum Abschluss gab er noch einen Tipp, der nicht ausschließlich mit Technologie zu tun hatte: "Fangen Sie an mit einer Big Data Strategie, beachten Sie die Fallstricke. Eine der wesentlichen Herausforderungen ist das Knowhow. Sie müssen die richtigen Kollegen finden, die Sie unterstützen. Es ist nicht leicht, aber man kriegt sie." 
 

Den Anbietern auf den Zahn gefühlt  

Der Nachmittag war den Software-Lösungen gewidmet. Zwölf Softwareanbieter stellten sich mit ihren Lösungen dem direkten Vergleich. Nach einer neutralen Einschätzung seitens BARC zeigen die Anbieter anhand eines vorgegebenen strukturierten Präsentationsleitfadens ihre Lösungen, die in den anschließenden Live- Demonstrationen konkret vorgeführt werden. Außerdem bestand die Möglichkeit, sich bei der begleitenden Fachausstellung individuell und persönlich direkt vor Ort bei den vortragenden Softwareanbietern über deren Lösungen und Dienstleistungen zu informieren.  
 
Die Anbieter waren: 
 

And the nominees are... 

Krönender Abschluss der Veranstaltung war am frühen Abend erneut die Verleihung des "Best-Practice Awards" für Business Intelligence und Data Warehousing in Kooperation mit dem Monitor. Prämiert wurden zum mittlerweile dritten Mal Best-Practice-Ansätze hinsichtlich des Einsatzes innovativer Vorgehensweisen im Zuge der Projektplanung und -implementierung sowie exzellente Projektergebnisse im Sinne von Funktionalität, Anwendungsorientierung, Kosten/Nutzen oder technischer Umsetzung der Lösung. 
 
Nominiert waren das Projekt "BI-Analytics" der Abteilung Finanzen und Controlling der Papstar Österreich Vertriebs AG, das Projekt "Working Capital Management" der gleichnamigen Abteilung der ÖBB, das Projekt "Business Intelligence im Risikomanagement für Kapitalanlagen" der Abteilung Risikomanagement der BONUS Pensionskassen AG sowie das Projekt "BSC II" der Abteilung Administration und Organisation der Casinos Austria AG. Ebenfalls in der engeren Wahl gewesen wäre die Einreichung des IT-Unternehmens Automic, das mit einem interessanten Projekt in Zusammenarbeit mit dem Anbieter Qlik teilgenommen hat. Da jedoch Beratungsunternehmen und Software-Hersteller ausdrücklich von der Teilnahme ausgenommen sind, wurde das Projekt nicht bewertet.  
 

Die Bank gewinnt 

Die Award-Trophäe ging schließlich an das Team der Casinos Austria AG und wurde von Monitor-Chefredakteur Rudolf Felser feierlich überreicht. Das Projekt "BSC II" bestand aus der IT-Implementierung einer "Balanced Scorecard" (BSC) auf Basis von MicroStrategy und TN Planning, die mit dem Partner Thinking Networks umgesetzt wurde. "Wir haben nach einer Lösung gesucht mit der es uns gelingt, die 12 Casinos in Österreich unter einem gemeinsamen strategischen Dach zu führen. So wollten wir erreichen, dass in jedem Betrieb konsistent am selben Ziel gearbeitet wird. Nicht nur anhand der Zahlen als Blick in die Vergangenheit, sondern mit einem besseren Verständnis unserer Gäste und Kunden", erklärte Christian Schütz, Geschäftsbereichsleiter Casinos Österreich, bei der Preisverleihung. 
 

vlnr: Robert Tischler (Geschäftsführer BARC Österreich), Heiner Hippke (Senior Consultant, Thinking Networks), Gerwin Jöbstl (Business Development/Controlling, Casinos Austria), Katharina Brunner (Leiterin Administration & Organisation, Casinos Austria), Christian Schütz (Geschäftsbereichsleiter Casinos Österreich), Rudolf Felser (Chefredakteur Monitor) und Mirko Waniczek (Geschäftsführer Contrast EY Management Consulting) (c) Controller Institut/APA-Fotoservice/Hinterramskogler

Bereits seit 2012 hat Casinos Austria in Österreich eine BSC im Einsatz. Auslöser für das damalige Projekt war der Wunsch, das Unternehmen und seine wichtigsten Kennzahlen nicht nur aus Sicht der Finanzen, sondern ganzheitlich zu betrachten. Nachdem die gesammelten Zahlen aber schwer darstellbar waren, sollte diese umfassende 360-Grad-Sicht auf das Unternehmen auf einer eigenen Plattform dargestellt werden. Ziel war es, es dem Management durch diesen Überblick zu ermöglichen, kontinuierlich die Performance des eigenen Geschäfts einzusehen und zu bewerten, wie gut sich diese mit der Vision und Strategie des Unternehmens deckt. Die neue Software bildet die Wirkungszusammenhänge zwischen allen Geschäftsprozessen des Unternehmens nachvollziehbar ab und verknüpft diese mit den strategischen Unternehmenszielen. Durch die Anwendung lässt sich die strategische Zielerreichung jederzeit prüfen. Als aktives strategisches Steuerungsinstrument können auf dieser Datenbasis zudem Maßnahmen zum Gegensteuern festgelegt werden, deren Wirkung ebenfalls in das Monitoring einfließen. 
 
Das System bleibt offen für Veränderungen. Jederzeit können beispielsweise neue Kennzahlen oder Treiber definiert sowie Maßnahmen zur Strategie-Erfüllung im System als neue Einflussfaktoren im Performance-Monitoring ergänzt werden. Alle relevanten Steuerungsinformation finden die User des österreichischen Teilkonzerns (Casinos Österreich) nun "auf Knopfdruck" im neuen Balanced Scorecard System in Form von individuellen Dashboards für den persönlichen Informationsbedarf.  
 
Der Termin für die 12. ÖCI-BARC-Tagung vom Österreichischen Controller Institut und dem Business Application Research Center steht übrigens bereits fest: Das Dutzend wird am 21. November 2017 voll gemacht.