4-11-2016 Gedruckt am 30-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/17020

Data Market Austria gestartet

Daten sind die neue Infrastruktur

Das Projekt Data Market Austria, ein Leitprojekt im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms "IKT der Zukunft" des bmvit, durchgeführt durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, will ein Daten-Services-Ökosystem in Österreich etablieren.

Rudolf Felser

CC0 Public Domain - pixabay.com

 "Daten sind das neue Öl." Diese Aussage hat man schon gehört, und eigentlich ist sie schon wieder überholt. Mittlerweile heißt es unter den Experten vielmehr: "Daten sind die neue Infrastruktur." Denn von der Verfügbarkeit der (richtigen) Daten hängt heute der Geschäftserfolg ab. Dabei sollte es doch an Daten nicht mangeln. Unzählige Unternehmen, Personen und Devices erzeugen, sammeln, speichern und senden Informationen. Doch es fehlt an Schnittstellen zwischen den Produzenten, Konsumenten und "Veredlern" von Daten. Genau hier setzt das Projekt "Data Market Austria" (DMA) an, ein Leitprojekt im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms "IKT der Zukunft" des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), durchgeführt durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, das am Donnerstag mit einer Kickoff-Veranstaltung offiziell gestartet wurde. Das Ziel: Es soll nicht weniger als ein "umfassendes Daten-Services-Ökosystem" in Österreich geschaffen werden, um eine sichere Technologie und innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln.
 

Suboptimal, aber Vorzeigecharakter

Derzeit sieht es in Österreich in dieser Richtung noch – positiv ausgedrückt – suboptimal aus, wenngleich das Land dank einiger Pilotprojekte, Initiativen und Bemühungen der öffentlichen Hand im internationalen Vergleich sehr gut dasteht. Trotzdem sind hierzulande die Anforderungen für ein erfolgreiches datengetriebenes Business noch nicht ausreichend erhoben und die vorhandenen Erfolgsbeispiele nicht sichtbar genug. Bestehende Daten-Infrastrukturen sind nicht ausreichend verbunden oder integriert, die Qualität der existierenden Daten ist oft schlecht und eine effiziente Nutzung dieser Daten dann auch noch wegen fehlender Interoperabilität nur mit hohem Aufwand und Kosten möglich.
 

Moderator Peter A. Bruck, Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, und Lisbeth Mosnik, beim bmvit zuständig für das Forschungsförderungsprogramm IKT der Zukunft, beim Kickoff-Event (c) CC by Data Market Austria

Das DMA-Projekt will die Situation verbessern, unter anderem durch eine deutlich verbesserte Technologiebasis für einen Datenmarkt. So sollen etwa Blockchain-Ansätze für eine stabile, verteilte und sichere, aber eben auch interoperable Dateninfrastruktur sorgen. Außerdem sollen Mechanismen und Tools für den Handel mit Daten und Services entstehen – unter Services versteht man bei DMA Cloud-basierende Datenanalyse-Programme. Ebenfalls geplant ist die Entwicklung von Analyseverfahren, die es erlauben sollen große Datenmengen von verteilten Systemen in hoher Geschwindigkeit und nicht zuletzt auch mit hoher Sicherheit zu verarbeiten.
 

Community muss gepflegt werden

Das alles steht und fällt natürlich mit der Community, den Daten-Lieferanten und -Anwendern. Diese soll durch die Einbindung aller relevanten Parteien, also KMU, Startups, Großunternehmen, Forschung und Verwaltung, in das Daten-Services-Ökosystem gepflegt werden. Damit aus dem derzeit zarten Pflänzchen dereinst ein starker, stabiler und tragfähiger Baum erwächst. Dazu gehören auch die passenden rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
 

CC by Data Market Austria

Die Initiative fußt auf miteinander verbundenen Cloud-Systemen für einen transparenten, aber kontrollierten, Zugriff auf die verteilten Services sowie auf die offenen, semi-offenen und geschlossenen Daten über das Portal von Data Market Austria. Hier liegt auch eine der Besonderheiten dieses Projektes: Es geht eben nicht nur um Open Data oder Open Government Data, sondern auch um Closed Data. Der "Hersteller" der Daten soll immer die Kontrolle über sein "Produkt" behalten – und es natürlich auch monetarisieren können.
 
Mit Pilotsystemen soll gezeigt werden, was sich die Macher hinter dem Data Market Austria vorstellen und was machbar ist. Als Beispiel wurde bei der Kickoff-Veranstaltung von Projektleiter Allan Hanbury von den Research Studios Austria ein Taxi-Flottenmanagement genannt, das in Planung ist. Durch Echtzeit-Daten zu unter anderem öffentlichem Verkehr, Wetter, Fahrplänen, Veranstaltungen, usw. sollen die optimalen Standorte für Taxis prognostiziert werden. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) plant, wie monitor.at in Erfahrung bringen konnte, als einer der insgesamt 17 initialen Projektpartner nicht nur seine Daten zur Verfügung zu stellen, sondern künftig auch beispielsweise Verkehrsdaten in seine lokalen Vorhersagen einzubeziehen. Das sind nur zwei einfache Exempel, wie die effiziente, innovative Nutzung von verschiedenen Datenquellen den Beteiligten – und im Bestfall der ganzen Gesellschaft – einen Vorteil verschafft. Welches Potenzial tatsächlich freigelegt werden kann, darauf darf man gespannt sein.
 
Weitere Infos zum Data Market Austria und den beteiligten Projektpartnern finden Sie unter datamarket.at.