20-10-2016 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16997

it-sa 2016

Es "brummt" auf der Nürnberger Security-Fachmesse

Am Dienstag startete in Nürnberg die IT-Security-Fachmesse it-sa. 489 Aussteller präsentieren noch bis 20. Oktober ihre neuen Lösungen dem interessierten Fachpublikum. Das ist keine hohle Worthülse, tatsächlich besteht aktuell großes Interesse an dem Thema IT-Sicherheit – unschwer zu erkennen an den vielen Teilnehmern, die schon zu Beginn des ersten Messetags durch die Gänge spazierten. Um viele Stände bildeten sich Trauben, überall war man ins Gespräch vertieft.

Rudolf Felser

NuernbergMesse - Frank Boxler

 Warum es aktuell so "brummt" in Nürnberg? Jörg Vollmer, Country Manager DACH des auf SaaS im Security-Umfeld spezialisierten Unternehmens Qualys hatte im Gespräch mit monitor.at inmitten des Messerummels eine Antwort darauf: "Die komplette Infrastruktur in den Unternehmen ändert sich gerade drastisch. Selbst alteingesessene Unternehmen, die eigene Datacenter betrieben haben und betreiben, gehen den Schritt in Richtung Cloud-Lösungen. Dadurch entstehen neue Sicherheitsanforderungen." Um sich zu informieren, gehen diese Firmen auf Messen, im Besonderen auf Fachmessen wie die it-sa, die im deutschsprachigen Raum in dieser Hinsicht führend ist. Allgemeine IT-Messen wie die CeBIT sind für Vollmer kein Thema: "Wer auf die it-sa kommt hat ein Securityverständnis, kennt sich aus und weiß, was er fragen will. Bei anderen Veranstaltungen fehlt dieser Fokus." 
 
Pascal Cronauer, ebenfalls Country Manager DACH, jedoch bei logpoint, sieht das Thema ähnlich. Das Unternehmen logpoint kommt aus dem Log-Management-Bereich, beschäftigt sich jedoch seit Jahren außerdem mit SIEM (Security Incident and Event Management). Auch Cronauer ist mit dem Unternehmen hauptsächlich auf Messen und Veranstaltungen präsent, die sich mit dem Security-Thema beschäftigen. Die it-sa ist eine der wichtigsten Messen für ihn, und wird es aller Voraussicht nach auch bleiben. "Hier kann man die wichtigen Leads generieren und trifft die Leute persönlich. Die CeBIT ist eher etwas für Bestandskunden, aber nichts um Nekunden-Business aufzubauen", so Cronauer. 
 

Aussteller aus 19 Nationen 

In Nürnberg wird eine perfekte Bühne geboten, um sich und seine Produkte zu präsentieren. Die österreichische iQSol zum Beispiel, ein Hersteller von Lösungen für Unternehmensalarmierung sowie Log-Management, hat rechtzeitig zur it-sa ihre IT-Security-Lösungen LogApp und PowerApp einer Verjüngungskur unterzogen. Außerdem wurde anlässlich der Messe ein eBook zum Thema IT-Notfall-Management veröffentlicht. Business Continuity, IT-Notfall-Management und Cyberwar sind auch die Themen des Messeauftritts. iQSol stellt gemeinsam mit dem deutschen Bundesfachverband der IT-Sachverständigen und -Gutachter aus.
 
Kein Wunder also, dass schon im Sommer alle verfügbaren Standflächen vergeben waren, wie die Messeleitung bereits im Juli mitgeteilt hat. Aussteller aus 19 Ländern haben sich darum gerissen, im "Herzen Europas" für ihre Produkte und Dienstleistungen die Werbetrommel zu rühren. Erstmals präsentieren sich mit Frankreich und Israel zudem zwei Nationen auf der Messe mit Gemeinschaftsständen. 
 
Beim französischen Unternehmen Wallix dreht sich alles um Privileged Account Management – nicht nur aus Security-Sicht, sondern auch hinsichtlich Dokumentation und Nutzerkomfort. Für Markus Westphal, Regional Directorder Region Central Europe, ist es prinzipiell wichtig, durch Messeauftritte Präsenz zu zeigen, auch – aber nicht nur – auf der it-sa. Der Fokus liegt jedoch eindeutig auf Security-Veranstaltungen. 
 
Thomas Kohl ist Territory Manager für DACH und Osteuropa von einer weiteren französischen Firma auf der it-sa, nämlich denyall. Der Name ist Programm, zumindest was die Anfänge betrifft: Der Ansatz bei der Gründung des Unternehmens vor 15 Jahren war, mit einer Web Application Firewall erst einmal alles, was anklopft, zu blocken und nur solche Anfragen durchzulassen, die wirklich ins Backend sollen. Mittlerweile hat sich das Angebot weiterentwickelt, bis hin zum Schwachstellen-Scanner und Themen wie "Virtual Patching". 
 
Auch für Kohl ist eine "allgemeine" IT-Messe wie die CeBIT kein Thema: "Wenn wir investieren – und zu so einer Veranstaltung kann man nicht mit einem Mann kommen – dann brauchen wir auch Gesprächspartner, die auf das Thema fokussiert sind. Jeder, der zur it-sa kommt, ist an Security interessiert – nicht nur Unternehmen, auch Berater die Lösungen für ihre Kunden suchen." 
 

Klassentreffen und Multiplikatoren 

Somit dient die it-sa auch gewissermaßen als Multiplikator, um das Wissen um die Lösungen – und im Bestfall auch die Lösungen selbst – in breiter Basis unters Volk zu bringen.  Aber die Messe spielt unter den Unternehmen und Experten noch eine weitere Rolle: Sie ist auch eine Art "Klassentreffen", oder wie Kohl es ausdrückte: "Die IT-Security-Welt ist klein. Von daher trifft man hier auch ehemalige Kollegen, die jetzt bei anderen Unternehmen arbeiten, und lernt neue Unternehmen kennen. Auch deswegen ist es wichtig, sich hier entsprechend zu positionieren." 
 
Markus Auer, Regional Sales Director DACH bei ForeScout, setzt ebenfalls auf den Multiplikator-Effekt – nicht nur von Messen, sondern besonders von Partnern. "Wie sind zu hundert Prozent partnerfokussiert und machen kein Direktgeschäft. Wir brauchen unsere Partner als Multiplikatoren, die vor Ort beim Kunden sitzen", so Auer. Die it-sa ist für ForeScout die wichtigste IT-Security-Messe in Zentraleuropa. Auer: "Wir sind hier schon seit mehreren Jahren vertreten, aus mehreren Gründen: Wir haben hier Kontakt zu bestehenden Kunden, unser Team von Spezialisten kann unsere Neuheiten demonstrieren und wir nutzen die Messe auch zur Neukundengewinnung. Außerdem betreiben wir ein bisschen ‚Evangelisierung‘, denn nicht jeder weiß genau, was ForeScout alles anbietet. Außerdem können wir hier mit bestehenden Partnern sprechen. Dieses Jahr sind vier Partner hier, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten." Auf der CeBIT war ForeScout dieses Jahr nicht mit einem eigenen Stand vertreten. "Die it-sa hat sich als Security-Messe etabliert, hier habe ich genau das Publikum, das ich ansprechen will", erklärte Auer. 
 

Trend zu Messen 

Allen Unkenrufen zum Trotz scheint also das "Konzept IT-Messe" noch nicht abgehakt zu sein, auch wenn andere Informationsquelle wie das Internet sich ebenfalls längst etabliert haben. "Wir sind seit zwei Jahren auch wieder auf der CeBIT vertreten. Die Bedeutung von Messen ist wieder gewachsen", so Mirco Kloss, Sales Manager Threat Prevention Central Europe von Check Point, gegenüber monitor.at. Besonders wichtig sei es, auf der it-sa vertreten zu sein, aber auch auf spezialisierten Veranstaltungen im Healthcare- und Industriebereich. "Vom Gefühl her würde ich sagen, dass wieder ein Trend hin zur Messe herrscht. Es geht darum, dass der Name vertreten ist." 
 
Die baramundi software AG ist in Nürnberg bereits zum fünften Mal präsent, obwohl sie kein "klassischer" IT-Security-Anbieter ist. Gerade darum geht es dem Unternehmen in diesem Bereich um die Steigerung des Bekanntheitsgrades. Man sei eher aus der Richtung des Client-Managements "hineingeschlittert", so baramundi-Vorstand Uwe Beikirch im Gespräch mit monitor.at. Später kamen etwa Patch Management – auch von Nicht-Microsoft-Produkten – und Mobile Device Management hinzu, und schon stand man mit einem Bein im Security-Markt. 
 
Beikirch hat, was Messen betrifft, einen Sinneswandel durchgemacht, der vielleicht als symptomatisch für die ganze Branche gesehen werden kann: "Als ich bei baramundi angefangen habe war meine Meinung: Messen sind oldschool, das macht kein Mensch mehr. Heute sehe ich das anders. Messen, und besonders Fachmessen, sind extrem wichtig, um Kontakte zu Fachleuten zu knüpfen, Leads zu generieren und den Namen der Firma in die Branche zu tragen – gerade in Segmente, in denen der Name noch nicht so bekannt ist. Aber es geht nicht nur um neue Leads, sondern auch um Bestandskunden und die Möglichkeit für den persönlichen Kontakt." 
 
Auch bei der Messe in Hannover war baramundi vor Ort, wie schon viele Male zuvor. "Die CeBIT hat sich stark auf B2B konzentriert, deswegen ist auch sie als Fachmesse für uns wesentlich. Aber die it-sa ist vom Thema fokussierter und die Besucher wissen konkreter was sie suchen, was sie brauchen und in der Regel auch genau, was sie von Ihnen brauchen", so Beikirch.   
 
Nächstes Jahr zieht die it-sa übrigens um – aber nur innerhalb des Messegeländes. Wenn sie vom 10. bis 12. Oktober 2017 wieder ihre Pforten öffnet, dann tut sie das in den Hallen 9 und 10. "Die neue Hallenkonstellation eröffnet der it-sa ab 2017 Raum für zukünftiges Wachstum. Damit stellen wir sicher, dass die it-sa mit der boomenden IT-Sicherheitsbranche wachsen und ihre führende Position als Dialogplattform für Hersteller, Händler und Experten weiter ausbauen kann", wird Frank Venjakob, Executive Director it-sa beim Veranstalter NürnbergMesse, in einer aktuellen Aussendung zitiert. Das klingt doch nach guten Aussichten.