30-9-2016 Gedruckt am 27-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16976

Interview: Mario Reismüller, CA Technologies

Digitalisierung, Startups - Neue Wege gehen

Das Thema Digitalisierung steht derzeit weit oben auf den To-Do-Listen vieler Unternehmen. Aber was soll man unter diesem Begriff überhaupt verstehen? Was haben Startups damit zu tun? Und wie passt da ein vierzig Jahre altes IT-Unternehmen wie CA Technologies ins Bild? Im Interview mit monitor.at findet Mario Reismüller, seit 2015 als Country Manager von CA Technologies in Österreich verantwortlich für die Geschäfte der heimischen Länderorganisation, Antworten auf diese Fragen.

Rudolf Felser

Mario Reismüller ist Country Manager von CA Technologies in Österreich. (c) CA Technologies

Was sind derzeit die drängendsten Themen für Ihre Kunden in Österreich? Ist es die "Digitalisierung" oder sind es andere Dinge? 
Grundsätzlich steht über allem das Schlagwort "Digitale Transformation". Was wir bei den Kunden sehen ist, dass sie viele verschiedene Antworten darauf haben. Es gibt keine einheitliche Definition für "Digitalisierung". Digitalisierung passiert nicht dadurch, dass mein Produkt ab morgen über einen Online-Kanal verfügbar ist – das wäre vielleicht vor fünf Jahren noch innovativ gewesen. 
CA Technologies ist stark geprägt durch die "App Economy". Software regiert die Welt, auch in Zukunft. Wir haben schon 2013 mit unserer Transformation begonnen, als wir mit Mike Gregoire unseren neuen CEO bekommen haben. Der neue CA-Slogan lautet: Business rewritten by software. Neue Geschäftsmodelle haben zu 90 Prozent irgendwie mit Software zu tun. Egal, ob es eine App ist, eine Internet-of-things-Plattform aufgebaut wird oder Maschinen mit Maschinen kommunizieren – es ist immer Software im Spiel. 
 
Digitalisierung ist so ein schwammiger Begriff. Was bedeutet er für Sie? 
Wir verstehen die Digitale Transformation so, dass im Mittelpunkt immer die Customer Experience steht. Hat mein Produkt, mein Service oder meine Dienstleistung einen Mehrwert für den Endkunden? Einige Unternehmen haben diesen Wandel verschlafen, und zum Teil gibt es diese Firmen heute nicht mehr. 
Die Unternehmen müssen massiv umdenken. In der Vergangenheit hat man sich die existierenden Prozesse angesehen und versucht sie zu optimieren. Darum geht es heute nicht mehr. Aus unsere Sicht muss man sich die Frage stellen: Braucht die Welt mein Produkt wie es heute ist überhaupt noch? Wie würde ich mein Unternehmen morgen gestalten, wenn ich die Chance hätte, es komplett neu zu gründen – ohne an die Vergangenheit und historische Prozesse denken zu müssen. Dorthin wollen wir mit unseren Kunden. 
Wir sehen die digitale Transformation als Reise, nicht als ein einzelnes Projekt. Da gibt es viele Teilprojekte, mit denen man starten kann/soll/muss. Es gibt Unternehmen, die das wirklich toll machen, manchen fehlen aber noch die Ideen. Darum lautet mein persönliches Credo, offen zu sein im Austausch mit Unternehmen und Startups, die sich komplett neu erfunden haben und sich überlegt haben, was der Markt braucht.
 
 
 
Weil Sie gerade Startups ansprechen: Kürzlich wurde ja die CA Technologies Startup Challenge gestartet. Wie passt das zum Unternehmen? 
Im Grunde hat die CA, die heuer 40 Jahre alt geworden ist, ein Imagethema. Wenn man heute jemanden fragt, was er mit CA Technologies assoziiert, dann hört man Worte wie Mainframe, Backupsoftware oder Virenschutz – übrigens haben wir die letzten beiden gar nicht mehr in unserem Portfolio. Aber das wir eine entscheidende Rolle im Zusammenhang mit Agile Management, IoT, DevOps oder Cybersecurity einnehmen, ist weniger bekannt. Dabei haben auch wir uns transformiert und verfolgen aktuelle Trendthemen. Wir wollen softwareseitig der Leader in der Application Economy werden, daran haben wir auch unser Angebot ausgerichtet. Wenn Kunden unser Portfolio sehen, dann sagen Sie: Wow, das haben wir nicht gewusst.     
Mit der Startup Challenge wollen wir zum einen Unternehmen belohnen, die den Mut haben neue Wege zu gehen. Das ist nicht einfach. Statistisch kommen nur 1,5 von 10 Startups durch. Wir wollen Startups den Zugang zu First Class Software bieten, andererseits aber auch eine Bühne, um sich mit anderen Leuten über ihre Geschäftsmodelle auszutauschen und neue Ideen zu finden – zum Beispiel auf der CA World in Las Vegas. Wir wollen diese Startups aber auch begleiten. 
 
Sie wollen doch sicher auch von den Startups lernen? 
Natürlich. Mir ist es ein besonderes Anliegen, neue Wege zu gehen. Ich bin überzeugt, dass man von diesen jungen Unternehmen extrem viel lernen kann und dass der Austausch in beide Richtungen in Zukunft enorm wichtig werden wird. Wir wollen wissen, wo sie hingehen, was sie hindert, den nächsten Schritt zu tun – und wie wir sie unterstützen können. Ihre Visionen sind wichtig, damit auch wir uns in die richtige Richtung weiterentwickeln können. 
 
Ist die Startup Challenge eigentlich eine internationale Kampagne? 
Nein, überhaupt nicht. Es ist eine rein österreichische Kampagne, aber mit einem internationalen Gedanken. Wir wollen den Standort Österreich beziehungsweise Wien promoten und attraktiv machen, und außerdem österreichischen Startups ermöglichen, auf internationaler Bühne zu netzwerken und mit großen Unternehmen und wichtigen Leuten über ihr Geschäftsmodell zu sprechen.  
 
Haben schon CA-Kollegen aus anderen Ländern nachgefragt, die auch so eine Challenge machen wollen? 
Defintiv. Es gibt aus dieser Initiative heraus im Unternehmen auch schon eine Startup-Gruppe innerhalb von Europa. Wir evaluieren gerade in Deutschland und der Schweiz die Möglichkeit, mit Startups enger zusammenzuarbeiten  – vielleicht auch in Form eine Challenge. 
 
Und was hat CA davon? 
Das eine ist das Image – für mich ist dieser Imagewandel der CA ganz wichtig. Das andere: Startups haben innovative Geschäftsmodelle für die Zukunft. Wir wollen Unternehmen dabei helfen, innovative Geschäftsmodelle aufzubauen und eine einzigartige Customer Experience zu schaffen. Mit der Challenge wollen wir zeigen, dass wir genau in diese Richtung gehen und unser Produktportfolio darauf ausgerichtet ist. Wir wollen mit Startups viel enger kooperieren. Wenn man mit ihnen spricht, merkt man oft, dass ihr Ansatz vielleicht für einen unserer Kunden, der seit 30 Jahren im Geschäft ist, total interessant wäre. Deswegen wollen wir diese Unternehmen zusammenbringen.
 
 
 
In Ihrem Twitter-Kanal habe ich ein interessantes CA-Sujet gesehen. Da stand zu lesen: Was passiert, wenn ein Milliarden-Dollar-Unternehmen denkt wie ein Startup. Was passiert denn dann? 
Grundsätzlich kann das Milliarden-Dollar-Unternehmen nicht zur Gänze wie ein Startup denken. Es würde sehr schnell scheitern, weil es einfach Legacy-Systeme gibt, Hürden der Vergangenheit, die es unmöglich machen, so zu denken. Aber man kann in der Zukunft auch als Milliarden-Dollar-Unternehmen nur dann erfolgreich und innovativ sein, wenn man einen zweiten Modus oder Bereiche schafft, die von diesen Hürden der Vergangenheit komplett frei sind – und die Freiheit hat, komplett neu zu denken und Dinge auf neue Art zu tun. Dazu gehört auch das Erlauben einer Fehlerkultur, von Trial & Error. Startups agieren so schnell, das Fehler nicht mehr so ein großes Problem sind.  
 
Zur Person: 
Mario Reismüller ist Country Manager von CA Technologies in Österreich. Seit Februar 2015 verantwortet er die Geschäfte der österreichischen Länderorganisation und ist Geschäftsführer der CA Software Österreich GmbH. Zuvor arbeitete er für die update software AG, zuletzt als Country Manager Sales für die Märkte Österreich, Schweiz und Eastern Europe. Davor war der Absolvent der Fachhochschule Wiener Neustadt für Wirtschaftsberatende Berufe als Key Account Manager und nachher als Teamleiter bei Xerox tätig.