20-9-2016 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16960

DSAG Jahreskongress 2016

Business Transformation aus der Steckdose?

Heute startete in Nürnberg die Jahreskonferenz der DSAG (Deutschsprachige SAP Anwendergruppe). Das Motto "Business Transformation aus der Steckdose?" sorgte für reges Interesse, was unter anderem an der Rekord-Zahl von 4.500 Teilnehmern abzulesen war. Insgesamt hat die DSAG rund 55.000 Mitglieder. Ein weiterer Rekord: Für die dreitägige Konferenz sind 198 Vortragsslots geplant, mehr als je zuvor.

Rudolf Felser

(c) Rudolf Felser

Mit dem Thema des Kongresses hat die DSAG den Nagel des Zeitgeistes auf den Kopf getroffen, beschäftigt die Digitale Transformation derzeit doch so gut wie jedes Unternehmen. Das war auch der Kern der Eröffnung durch den DSAG-Vorstandsvorsitzenden Marco Lenck. "Die diesjährigen Teilnehmerzahlen zeigen, dass das Thema absolut präsent ist", so Lenck. Er beantwortete auch gleich die Frage, die als Motto der Veranstaltung gestellt wurde: "Business Transformation aus der Steckdose? Ist das alles einfach, Plug&Play, brauchen wir nur eine App? Wir glauben nicht."
Es ändern sich nicht nur die Unternehmen, Geschäftsprozesse, Produkte und Services. Auch der Kunde ändert sich. „Er wird in Erfahrung und Erwartung zunehmend digital. Nicht nur im B2C-Geschäft, sondern auch im B2B“, sagte Lenck, und weiter: "Wir müssen nicht alles sofort realisieren, aber wir müssen uns damit beschäftigen und jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Denn die Komplexität aller Prozesse wird sich erhöhen. Wir müssen die Prozesse heute in den Griff bekommen, um darauf aufbauen zu können."
"Business Transformation ist mehr als Software. Sie erfordert Konzepte. Plattform und Softwarelizenzen stehen nicht am Anfang, sondern am Ende dieses Prozesses", erklärte Lenck.
Die DSAG hat im März 2016 unter ihren Mitgliedern eine Umfrage zur Business Transformation durchgeführt. Für rund 80 Prozent der Teilnehmer hat das Thema eine hohe oder sehr hohe Bedeutung für ihr Unternehmen. 82 Prozent betrachten SAP als wichtigen oder sehr wichtigen Partner für diese Transformation. Das ist auch irgendwie naheliegend, da ja die DSAG-Mitglieder alle SAP-Anwenderunternehmen sind. Im Umkehrschluss: Für 18 Prozent spielt SAP nur eine geringe Rolle als Partner in der Digitalisierung. Ebenfalls interessant: 64 Prozent der Befragten beäugen auch andere Anbieter in diesem Bereich in diesem Zusammenhang intensiv – beispielsweise Microsoft. Die Digitale Transformation eröffnet also nicht nur den Anwenderunternehmen, sondern auch den Anbietern Chancen, mit guten Produkten und Lösungen selbst gegen den "Platzhirsch" zu punkten.
Nach Marco Leuck begrüßte Wolfgang Honold, der im Vorstand der DSAG die Interessen der österreichischen Anwender vertritt, das Publikum. Er räumte mit dem Vorurteil des "langsamen Österreich" auf: "IoT und Industrie 4.0 sind in Österreich keine Schlagworte mit wenig Inhalt. Die Digitalisierung hat auch in Österreich einen hohen Stellenwert." SAP könne eine große Hilfestellung geben, gerade für Unternehmen, die sich mit der Thematik noch nicht stark auseinandergesetzt haben. Dennoch nahm Honold das Softwarehaus auch in die Pflicht. Er sieht Informationsbedarf und fordert mehr Transparenz, besonders im Hinblick auf eine konkrete Roadmap für den Übergang von Bestandskunden auf S/4HANA. Bernd Leukert, SAP-Vorstand für Produkte & Innovation, hat auf diese Forderung quasi postwendend in seiner anschließenden Keynote reagiert, und konkrete Roadmaps für S/4HANA angekündigt.  Ab sofort sollen die Roadmaps für die kommenden vier Quartale laufend veröffentlich werden, für On-Premise sogar die Pläne für die kommenden zwei Jahre.
Zum Abschluss seiner Rede hielt Honold noch ein kurzes Plädoyer für den Geschäftsinstinkt in Zeiten nüchterner Zahlen: "Manchmal kann ich das Wort Businesscase schon nicht mehr hören. Wir rechnen Dinge bis zur dritten Nachkommastelle, haben aber strategisch keine große Ahnung, wie es mit der Tausenderstelle vor dem Komma aussieht. Ich finde, das Bauchgefühl sollte gerade bei solchen Entscheidungen vorne anstehen.“

Flagge zeigen

Neben dem Kongress gab es natürlich auch eine gut besuchte Messe, auf der zahlreiche Unternehmen aus dem Ökosystem rund um SAP vertreten waren. Ein guter Rahmen für das Knüpfen von Kontakten.   
Kaum etwas verbessert ein Networking-Gespräch so sehr, wie ein Schälchen Kaffee. Im Ausstellungsbereich gab es davon genug, aber an zwei Orten wurden speziell österreichische bzw. Schweizer Kaffeespezialitäten angeboten. Die "Österreich-Kaffeebar" wird fast schon traditionell von dem Unternehmen Automic gesponsert, Spezialist für den Bereich Business Automation mit, aber auch ohne SAP. Das verwundert nicht, ist Automic doch ein Unternehmen mit (nieder-)österreichischen wurzeln und Hauptsitz in Wien. "Wir betreuen seit Jahren die österreichische Kaffeebar, die ist quasi für uns reserviert", scherzte Ralf Paschen, Senior Director Product & Solutions Marketing der Automic Software GmbH, im Gespräch mit monitor.at.
Das Unternehmen hat etwa 600 Mitarbeiter und rund 2.600 Kunden aus dem Enterprise- und Mittelstandsbereich weltweit, davon sehr viele aus dem deutschsprachigen Raum. "Für uns ist es wichtig, hier Flagge zu zeigen. Daher ist die Ausstellung beim DSAG Jahreskongress für uns eine wichtige Messe.“ Auf allgemeinen IT-Messen wie der CeBIT ist das Unternehmen nicht vertreten. „Wir sind auch bei den DSAG Technologietagen dabei, aber nicht nur bei Veranstaltungen im SAP-Bereich. Wir haben breitgestreute Events, sind aber absolut fokussiert auf Automatisierung", so Paschen.   
Beim DSAG Jahreskongress geht es für ihn natürlich um Leadgenerierung, genauso aber um die Bestandskunden: "Wenn man wie wir Kunden schon seit 15 Jahren hat, dann geht es auch um das Beziehungsmanagement." Nicht alles dreht sich um SAP. "Unsere Kunden erkundigen sich nach SAP-Automation, aber auch nach Nicht-SAP-Automation. Das ist bei den meisten Enterprise-Kunden der Fall. SAP ist ein dicker Teil des Geschäftes, aber es ist nicht alles", erklärt Paschen.

Forderungen an SAP

Bei der am Eröffnungstag stattgefundenen Pressekonferenz wurden einige Punkte der vorangegangenen Keynotes konkretisiert. So wurden die Forderungen der DSAG an SAP von Marco Lenck noch einmal zusammengefasst: "Was erwarten wir von der SAP? Wir brauchen stabile Kernsysteme die sich erweitern lassen. Sowohl für die Business Suite als auch für HANA. Und wir brauchen aussagekräftige Roadmaps. Die Qualität der gelieferten Software ist ein absolutes Must. Gleichzeitig brauche ich kurze Realisierungszeiten. Wenn ich zu lange Qualitätssicherungsmaßnahmen einplanen muss, bin ich zu langsam. Donwtimes für Upgrades kann man sich auch nicht mehr leisten. Am Ende des Tages brauchen wir außerdem Business-taugliche Lizenzmodelle."
Das Thema der Lizenzmodelle bei SAP stand in der Vergangenheit immer wieder im Mittelpunkt des Interesses und hat auch schon für heftige Diskussionen gesorgt. Bernd Leukert von SAP gab einen kleinen Einblick in die diesbezüglichen Pläne der Walldorfer: "Wir werden die bisherigen Modelle auf jeden Fall beibehalten. Es wird weiterhin On-Premise-Lizenzen geben, es wird im SaaS-Ansatz auch Mietsoftware geben, aber es wird auch Pay-per-use angeboten werden, um der Digitalen Transformation Rechnung zu tragen. Wir glauben, dass wir Innovation beschleunigen können, wenn wir Pay-per-use anbieten."