19-9-2016 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16959

Interview mit Johannes Bischof

"Wir müssen auch vorantreiben"

"Vom Konsumieren kann eine Volkswirtschaft nicht leben. Wir müssen auch vorantreiben", sagt Johannes Bischof von Konica Minolta. Passend für einen Mann, der beim Kennenlernen einen blendenden Eindruck macht, sich aber beruflich viel mit dem Ausdruck(en) auseinandersetzt.

Rudolf Felser

Johannes Bischof (c) Konica Minolta

Johannes Bischof ist nicht nur Managing Director von Konica Minolta Business Solutions in Österreich und Deutschland, sondern auch vom "Cluster West" des Unternehmens, zu dem neben den erwähnten Ländern auch Belgien und die Niederlande zählen. Im Interview mit monitor.at spricht der langjährige Branchenkenner, dessen berufliche Wurzeln im System-Engineering liegen, über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Scanner- und Drucker-Branche, Managed Printing Services, das papierlose Büro und die österreichische Bildungspolitik.
 
Wie stehen Sie, als Chef eines Unternehmens, das eben auch Drucksysteme anbietet, eigentlich zum Thema Digitalisierung? Man müsste ja meinen, der Ersatz von analogem, bedrucktem Papier durch Nullen und Einsen müsste Ihnen Sorge bereiten.
Johannes Bischof: Zunächst einmal sind wir absolut nicht mehr im Analogen. Unsere Welt ist seit 20 Jahren auch eine digitale, weil wir digitale Daten verwalten. Wir machen daraus zwar ein analoges Produkt, aber in Wirklichkeit verarbeiten wir digitale Daten zu digitalen Daten. Wir sind mittendrin in der Digitalisierung der Prozesse bei unserer Kunden, und das schon viele Jahre. Das ausgedruckte Papier ist nicht wegzudenken, kurzfristig. Aufgrund der Haptik, der weniger starken Vergänglichkeit – weil ich es nicht einfach mit einem Knopfdruck löschen kann. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will nicht für, aber auch nicht gegen das Papier reden. In unserer Kundenbasis, die ständig größer wird, wird mehr denn je gedruckt. 
Wir managen dem Kunden seine gesamte Printer-Flotte - und das remote -, wir stellen dem Kunden Secure-Printing- und Follow-me-Printing-Lösungen zur Verfügung, innovative Scan-Lösungen, wir digitalisieren mit unseren Kunden den Offset-Druck. Was wir hier sehen ist eine sehr starke Verzahnung mit dem digitalen Business. Und wir haben eine sehr hohe Expertise in diesem Umfeld. 
 
Wie viele Kunden haben Sie in Österreich?
Wir haben draußen im österreichischen Markt an die 50.000 Geräte stehen, die wir unter Vertrag haben, mit einer Größenordnung von 15.000 Kunden. Das ist eine sehr gute Kundenbasis, wo wir auch anknüpfen können. Da sind wir – weil wir schon 40 Jahre am Markt sind – ein sehr langjähriger und geschätzter Geschäftspartner, weil wir uns in diesen 40 Jahren einen guten Ruf hinsichtlich der Servicequalität erarbeiten konnten. Jeder, der einmal IT-Projekte gemacht hat, weiß, dass es hier um die Qualität, Zusammenarbeit und natürlich die Innovation geht. Es geht viel mehr um die handelnden Personen, als um das eigentliche Produkt.
 
Vom papierlosen Büro reden wir schon eine Ewigkeit. Von Ihrer Warte aus betrachtet: Wie weit sind wir da fortgeschritten, gerade in Österreich, und wie sinnvoll ist dieses Ziel überhaupt?
Ich glaube, dass das papierlose Büro, das schon seit über einem Jahrzehnt oder noch länger als Worthülse wie ein Gespenst durch die IT-Hallen schwebt, deswegen ad absurdum geführt wurde, weil es noch nie so viele Dokumente gab wie heute. Ich bewege heute jede Woche mehr Dokumente, als noch vor 15 Jahren. Jedes Öffnen einer Homepage ist zu vergleichen mit der Seite eines Magazins, jedes E-Mail war früher ein Gespräch oder ein Memorandum. Gemessen an der Vervielfachung der Fülle an digitaler Information ist das Drucken tatsächlich weniger geworden – aber eben nur im Verhältnis. Ich glaube es gibt durchaus Länder, wo das Digitalisieren von Prozessen weiter vorangeschritten ist als in Österreich. Es gibt beispielsweise Initiativen, speziell in den skandinavischen Ländern, gar keine Druckerausschreibungen im öffentlichen Bereich mehr zu machen und dadurch den Druck in Richtung Digitalisierung der Prozesse zu erhöhen. 
Sehr häufig ist das Ausdrucken eines Papiers dann notwendig, wenn der Prozess nicht durchgängig digitalisiert ist. Man druckt etwas, gibt es einem Mitarbeiter, der nimmt daraus Informationen und verarbeitet sie weiter. Es ist längst Zeit, solche Dinge auszumerzen. Aber es gibt das immer noch - und wird es immer geben. Durchgängige Workflows würden uns in der Produktivität und in der Mitarbeiterzufriedenheit sehr voranbringen. Denn das ist etwas, dass ein Mitarbeiter heute nicht mehr versteht und nicht gerne macht.
 
Was sind derzeit die Themen, die Ihre Kunden am meisten beschäftigen – besonders die kleineren und den Mittelstand?
Wir haben eine sehr breite Kundenbasis von ganz groß bis sehr klein. Dementsprechend ist auch die Themenvielfalt. Diskutieren wir bei den ganz großen über komplette Flottenlösungen, bis hin zur Übernahme von Fremdprodukten ins Service aber auch ins Asset, so diskutieren wir im kleinen und Mittelsegment die Möglichkeit der Konsolidierung von je fünf Arbeitsplatzdruckern zu einem leistungsfähigen Gerät mit entsprechenden Einsparungen. In dieser Bandbreite sprechen wir mit vielen Kunden über den Ersatz des Offsetdrucks, aber auch über Lösungen hinsichtlich Dokumentenverarbeitung, IT-Security, auch Outsourcing. Wir haben eigene Produkte, die den Kunden nicht nur den Printserver, sondern seine ganze Serverplattform remote managen lässt. Also eine sehr große Bandbreite, und mit zunehmendem Interesse uns auch in der Digitalisierung als Partner zu sehen. Was uns dazu qualifiziert: Wir haben die langjährige Kundenbasis und wir haben die Expertise. Der Druck im Markt nach Expertise und vertrauensvoller Zusammenarbeit wächst. Denn eines hat die Digitalisierungswelle nicht hervorgebracht: Mehr Fachleute. Die bestehenden Fachleute werden stark gesucht, da treffen wir auf Nachfrage. Besonders in der Konstellation, dass bestehende Kunden um Expertise ansuchen.
 
Kann man beziffern, welchen Anteil das "harte Geschäft mit der harten Ware" noch ausmacht?
Wenn ich die Services wegrechne, dann ist der gesamte Hardwareanteil ungefähr 45 bis 50 Prozent. Der Rest sind verschiedenste Arten von Services.
 
Lässt sich eine Tendenz erkennen?
Die Tendenz geht sehr stark in Richtung Services. Aber auch weil wir im Hardwaregeschäft einen Preisverfall haben, den wir im Services-Bereich nicht haben. Wir verkaufen zwar mehr Drucker denn je, aber dadurch, dass der Service-Anteil überproportional steigt, und die Hardware einem gewissen Preisverfall unterliegt, sinkt der Hardware-Anteil am Umsatz. Aber wir sind ein Produzent und sind dabei, ganz neue Hardware zu entwickeln, die deutlich mehr an Produktivität bringen wird – bei der vielleicht sogar das Drucken in den Hintergrund treten wird. Dann entsteht möglicherweise wieder eine Verschiebung zur Hardware. Ich kenne die Produkt-Pipeline und bin deshalb sehr zuversichtlich. Da tut sich eine Menge. Aber immer in Kombination mit IT-Services, mit Managed Services.
 
Konica Minolta ist ja nicht nur im Druck- und Scan-Bereich stark, sondern auch bei Themen wie beispielsweise IoT, M2M oder Sensorik. Was finden Sie spannender? 
Der Printing-Bereich ist unsere Cashcow. Damit können wir das finanzieren, was wir brauchen, um als Unternehmen in neue Wachstumsfelder vorzudringen. Das Wachstum im Printer-Umfeld läuft heute fast ausschließlich über den Verdrängungswettbewerb. Auch wenn wir in vielen Bereichen Marktführer sind ist es so, dass wir auch mal einen Bestandskunden oder ein Projekt verlieren – aber natürlich auch umgekehrt. Zweistellige Wachstumsraten können wir uns in den nächsten Jahren in diesem Bereich nicht erwarten. Wir müssen diversifizieren – und das tun wir. 
 
Welche Kriterien sind es, die das Thema MPS für einen Kunden interessant machen?
Nachdem das Drucken für wenige unserer Kunden, außer für die Commercial Printer die wirklich vom Drucken leben, ein Kerngeschäft ist, sondern ein Begleitprozess - nicht einmal der Hauptprozess -, ist das Thema, diesen Begleitprozess so preiswert aber auch so komfortabel wie möglich zu machen. Es geht um eine Konsolidierung der Printflotte genauso wie um das Managen der bestehenden Flotte. Die IT-Abteilungen haben viele andere Themen am Schirm und wollen sich damit nicht beschäftigen. Viele unserer Kunden haben festgestellt, dass sie mit unserem Managed-Print-Services-Ansatz – der bei uns übrigens OPS heißt, also Optimized Print Services – in der Lage waren, 20 bis 25 Prozent der gesamten Druckkosten einzusparen, inklusive Prozesskosten, Finanzierungskosten, Betreuungskosten. Da ist in den letzten Jahren ein großes Rationalisierungspotenzial vorhanden gewesen, das jetzt abflacht. Jedes Rationalisierungspotenzial ist einmal ausrationalisiert. Aber all jenen Firmen, die noch kein MPS-Projekt ungesetzt haben, kann ich immer noch diese Einsparungen versprechen.
 
Kleinere Unternehmen haben auch geringere Gesamt-Druckkosten, da sind 20 Prozent Einsparung in absoluten Zahlen manchmal nicht mehr sehr viel. Sind Einsparungen in diesem Bereich wirklich das Hauptthema?
MPS ist für ein Unternehmen ab fünf Arbeitsplatzdruckern interessant. Ich darf von einem sehr kleinen Unternehmen berichten. Das hatte drei Drucker, der Chef hat früher alle Geräte und Toner selbst gekauft. Seit er einen MPS-Vertrag mit uns hat, hat er seinen Kopf frei, hat sich auf einen guten Preis für die nächsten fünf Jahre fixiert, hat sich in Summe noch etwas gespart und seine Assistentin ist nicht damit beschäftigt Tinte oder Toner zu kaufen. Ab drei bis fünf Arbeitsplatzdruckern zahlt sich ein kleines MPS-Projekt aus.
 
Sie haben vorhin kurz den Mangel an Fachleuten angesprochen und kennen die österreichische IT-Branche schon seit vielen Jahren. Wie zufrieden sind Sie mit der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt und bei der Ausbildung, Stichwort Fachkräftemangel?
Es war mit immer schon ein Anliegen, schon seit ich beim VÖSI (Verband der österreichischen Software-Industrie) Vorstandsmitglied war, unsere etwas angestaubte Bildungspolitik, und hier speziell die Bildungspolitik hinsichtlich der IT-Ausbildung, zu motivieren ein bisschen mehr zu machen. Also etwa die Zugangsbeschränkung für IT-Fachstudien nicht Wirklichkeit werden zu lassen und das Thema Informationstechnologie noch viel stärker in die Schulen zu tragen - das müsste eigentlich schon in die Volksschulen gehen.
Ganz wichtig ist mir, das Thema auch für Frauen zugänglich zu machen. Wir leiden darunter, dass in Österreich alles was Technik betrifft hauptsächlich von Männern angenommen wird. Auch dadurch haben wir den Fachkräftemangel im Bereich der IT. Wenn es uns gelingt, auch schon Mädchen im Kinderalter für IT zu interessieren, werden wir als Volkswirtschaft besser dastehen.
Es gibt viele Menschen, die hier immer noch Berührungsängste haben. Wobei natürlich Smartphone und Tablet sehr viel dazu beigetragen haben, die Technologie deutlich zu verbreitern. Aber es geht auch darum, wer die Technologie kreiert. Nur vom Bedienen oder Konsumieren kann eine Volkswirtschaft nicht leben. Wir müssen auch vorantreiben. Davon passiert deutlich zu wenig.
 
 
Zur Person:
Johannes Bischof ist Managing Director von Konica Minolta Business Solutions in Österreich und Deutschland, sowie vom "Cluster West" des Unternehmens, zu dem neben den erwähnten Ländern auch Belgien und die Niederlande gehören. Er startete seine Karriere 1980 als IT-System-Engineer als Projektleiter Forschung und Entwicklung im Software Development von ELIN. Später war er in unterschiedlichen Positionen im Sales und als Geschäftsfüher unter anderem für Ericsson, Digital Equipment (heute HP), Intercont/Semperit sowie Softlab (heute NTT Data) tätig, bevor er im Jahr 2000 Präsident und Geschäftsführer der Konica Minolta Business Solutions Austria GmbH wurde. Seit 2011 ist er zudem Mitglied des European Management Board der Konica Minolta Business Solutions Europe GmbH, seit 2012 zudem Managing Director des Konica Minolta Cluster West (Österreich, Belgien, Deutschland, Niederlande) und seit 2013 Geschäftsführer der Konica Minolta Business Solutions Deutschland GmbH.