16-9-2016 Gedruckt am 24-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16958

Huawei will langfristige Partnerschaften

"Vertrauen ist die Grundlage des Business"

Alex Xu, Deputy General Manager Huawei Technologies Austria, sieht Vertrauen als die Grundlage des Business – Vertrauen und darauf aufbauend stabile sowie langfristige Partnerschaften.

Rudolf Felser

Alex Xu, Deputy General Manager Huawei Technologies Austria (c) Huawei Austria- APA-Fotoservice - Preiss

 Anfang September fand in den altehrwürdigen Räumen der Wiener Hofburg der CEE & Nordic Huawei Partner Summit 2016 statt, zu dem das chinesische Unternehmen rund 450 Gäste aus den Ländern der gesamten Region, zu der auch Österreich gehört, eingeladen hat. Die Kernaussage der Veranstaltung lautete: Huawei will nicht auf Kosten seiner Enterprise-Partner wachsen, sondern gemeinsam mit ihnen. Das dazu passende neue Partnerprogramm der Huawei Enterprise Business Group stützt sich auf die Infrastruktur des Anbieters und besteht unter anderem aus offenen APIs, weltweitem Support durch Experten sowie Forschungsressourcen. Am Rande der Veranstaltung hatte monitor.at Gelegenheit, mit Alex Xu, dem Deputy General Manager von Huawei Technologies Austria, über das Unternehmen, den östereichischen Markt und die Partnersuche zu plaudern.
 
Huawei ist in einer einzigartigen Position: Einerseits ist das Unternehmen ein erfolgreicher Smartphone- und Tablet-Hersteller am Consumer-Markt, andererseits bedienen Sie infrastrukturseitig auch Telekom-Betreiber – und Sie haben das Enterprise-Business. Ist das eher eine herausfordernde, oder eine sehr glückliche Situation?
Alex Xu: Einerseits haben wir Glück. Huawei wurde 1987 gegründet, wir haben die Entwicklungen im IKT-Sektor mitgemacht, von ihren Anfängen bis zu heutigen Themen wie Cloud Computing oder IoT. Andererseits ist das aber auch eine Herausforderung. Huawei wächst sehr schnell, wir arbeiten sehr hart. Wie es weitergehen soll, wenn der Plafond einmal erreicht ist, das ist für jeden Mitarbeiter in der Firma ein Thema. Deswegen sehen wir auch große Chancen in der Digitalen Transformation. Sie wird dafür sorgen, dass das Geschäft weiter wächst. Aber wir wollen nicht alles anbieten. Wir positionieren uns als führender IKT-Infrastruktur-Provider und bieten eine Plattform, um darauf aufzubauen.
 
Huawei ist mittlerweile ein etablierter Anbieter in Österreich und Europe – ein „Trusted Brand“. Hilft dieses Vertrauen bei den Enterprise-Kunden und bei der Partnersuche?
Viele Unternehmen zeigen Interesse daran, Partner von Huawei zu werden. Man darf aber nicht vergessen: Ein Partner zu werden ist leicht, aber ein stabiler, langfristiger Partner zu werden bedeutet viel Arbeit. Deswegen suchen wir „Core Partners“ die zu unserer Strategie passen. Wir brauchen stabile und langfristige Partnerschaften. Was die Kunden betrifft hat sich seit dem Start unseres Enterprise-Business in Österreich in 2013 viel getan. Huawei wird am Markt als eines der wenigen Unternehmen in Österreich gesehen, das ein sehr komplettes Angebotsportfolio bietet.
 
Österreich ist ja ein KMU-Land. Ist es leichter, gute Beziehungen zu kleineren Partnern aufzubauen?
Uns ist es egal, ob unsere Partner groß oder klein sind. Huawei bietet ihnen eine Plattform und Hilfe an, und wir können gemeinsam wachsen. Wir sagen immer: In Österreich finden wir Partner, die zusammen wachsen wollen.
 
Oft wird gesagt, in Österreich passiert alles ein bisschen später. Trifft das auch auf die Digitalisierung zu?
Ich denke nicht. Meiner Meinung nach ist der österreichische Markt nicht so konservativ. Einige Unternehmen und Industrien sind anderen Ländern weit voraus – beispielsweise beim Thema Smart Metering.
 
Huawei bietet ja nicht nur Devices, sondern auch Infrastruktur und Netzwerk-Technologien an. Wie wichtig ist das Thema IKT-Sicherheit für ihr Unternehmen?
Es gibt für Huawei drei Kernthemen: Zuverlässigkeit, Sicherheit und Innovation. Security ist also ein sehr wichtiges Thema für Huawei, das wir immer im Kopf haben. Wir haben auch Security-Produktlinien im Portfolio, auch wenn das nicht im Vordergrund steht. IT-Security ist ein integraler Bestandteil jedes unserer Produkte.
 
In München wurde jüngst ein Openlab für Innovationen in Bereichen wie Cloud Computing, IoT oder Big Data eröffnet. Gibt es Pläne, auch in Wien ein so eine Einrichtung zu eröffnen?
Wir können von Wien aus das Münchner Lab vollständig nutzen, nächstes Jahr wird außerdem eines in Stockholm eröffnet. Zwei Einrichtungen, die so nah an uns sind, reichen derzeit für das Österreich-Geschäft. Wenn das Business in Österreich natürlich weiter wächst – man kann nie wissen.
 
Wie groß sind die Unterschiede zwischen Europa, Asien und den USA, was die Partnersuche betrifft?
Wenn wir eine Plattform entwickeln, dann denken wir natürlich an die spezifischen Anforderungen und welcher Art das Business in Europa ist. Schon die Anforderungen von Österreich und beispielsweise Tschechien oder Ungarn unterscheiden sich. Sogar in denselben Märkten gibt es Unterschiede, denn auch die Kunden haben verschiedene Bedürfnisse. Aber unsere Partner kennen ihre Märkte sehr gut.
 
Wie viele Partner haben Sie in Österreich?
Derzeit sind es etwa 30, wir wollen das in einem vernünftigen Rahmen halten. Wir suchen langfristige Partner, so machen wir Geschäfte.
 
Noch einmal zurück zum Thema Vertrauen. Vor einigen Jahren gab es ja Vorbehalte gegen Huawei und andere chinesische Unternehmen.
Das hat sich drastisch geändert. In Meetings vor zwei, drei Jahren war das oft eine der ersten Fragen, mittlerweile ist das kein Thema mehr. Vertrauen ist die Grundlage des Business. Man muss auch sagen: Andere Player am Markt haben diese Dinge als Argument gegen Huawei gebraucht. Ich danke deswegen meinen Kollegen der Devices-Sparte. Ihr Erfolg hatte einen positiven Einfluss darauf, dass Huawei heute so eine bekannte Marke ist.
 
 
Zur Person:
Alex Xu ist als Deputy General Manager Huawei Technologies Austria Stellvertreter von Jay Peng, dem Managing Director von Huawei in Österreich. Er startete seine Karriere vor rund 10 Jahren bei Huawei als F&E-Ingenieur. Seit 2008 ist er für das Unternehmen in Europa in verschiedenen Positionen tätig, vor Österreich schon in Dänemark, Schweden und dem Baltikum.