15-9-2016 Gedruckt am 24-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16957

Studie von VÖSI und UBIT Wien

Der positive Effekt der IT- und Software-Branche wächst weiter

Der Verband Österreichischer Software Industrie (VÖSI) und die Fachgruppe UBIT der Wirtschaftskammer Wien haben bei der Donauuniversität Krems ein Studie in Auftrag gegeben, welche die Rolle der IT- und Softwarebranche für die österreichische Wirtschaft genau unter die Lupe nimmt. Das Ergebnis: In den fünf Jahren seit der letzten Untersuchung ist der positive Effekt der Branche weiter gestiegen. Viel mehr leider, als das Ansehen und die Wertschätzung in Öffentlichkeit und Politik. Insgesamt schafft der Sektor mittlerweile 486.000 Arbeitsplätze und 16 Mrd. Euro Wertschöpfung in Österreich.

Rudolf Felser

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 Der VÖSI nimmt immer seine Jubiläen zum Anlass, um den Markt genauer zu untersuchen. War es zuletzt der 25. Geburtstag, so ist es in diesem Jahr das 30. Jahr seit der Gründung des Verbandes 1986. In dieser Zeit hat sich viel verändert, unter anderem auch der Einfluss von IKT auf das Berufsleben, den Alltag und eben auch auf die Wirtschaftsleistung des Landes.
 
Laut der heute präsentierten Ergebnisse der Impact-Analyse "Software- & IT-Sektor 2016" hat ein durchschnittliches österreichisches Unternehmen im Bereich IT  einen Personalaufwand von ca. 245.000 Euro (in der letzten Studie aus dem Jahr 2011 waren es noch 199.000 Euro) und einen Umsatz von etwa 759.000 Euro (2011: 608.000 Euro). Es konsumiert dabei etwa 433.000 Euro (2011: 345.000 Euro) an Vorleistungen und tätigt Investitionen von knapp 34.000 Euro (2011: 27.000 Euro). Durchschnittlich sind rund 4,7 (2011: 3,4) Personen (Vollzeitäquivalente) im Unternehmen beschäftigt.
 
Mit einem gesamten Personalaufwand von über 6,3 Mrd. Euro (2011: 4,6 Mrd. Euro) und mehr als 11 Mrd. Euro (2011: 8 Mrd. Euro) an konsumierten Vorleistungen wird somit österreichweit ein Umsatz von über 19 Mrd. Euro (2011: 14 Mrd. Euro) erzielt.
 

Multiplikatoreffekte 

Außerdem beträgt laut der Studie der durchschnittliche (Produktions-)Multiplikator der Software- und IT-Industrie in Österreich derzeit rund 1:2,35 für die gesamte Wertschöpfung – also der Effekt eines Euro Wertschöpfung in der Software- und IT-Branche auf die gesamte Wertschöpfung.
 
Der Software- und IT-Bereich schafft demzufolge direkt insgesamt gut 2,4 Mrd. Euro Wertschöpfung in Wien (2011: 1,9 Mrd. Euro) und mehr als 6,8 Mrd. Euro Wertschöpfung in Österreich (2011: 5,4 Mrd. Euro). Durch Vorleistungen kommen in Wien indirekt noch einmal rund 1,75 Mrd. Euro Wertschöpfung (2011: 1,3 Mrd. Euro) dazu, für Österreich gesamt 4,9 Mrd. Euro (2011: 3,7 Mrd. Euro). Darüber hinaus werden in allen anderen Branchen in der Gesamtwirtschaft durch Kaufkrafteffekte weitere mehr als 1,5 Mrd. Euro Wertschöpfung in Wien geschaffen (2011: 1,1 Mrd. Euro), etwa 4,3 Mrd. Euro für Österreich (2011: 3,2 Mrd. Euro). In Summe ergeben sich daher gesamte Wertschöpfungseffekte von etwa 5,7 Mrd. Euro in Wien (2011: 4,4 Mrd. Euro) bzw. 16 Mrd. Euro Wertschöpfung in Österreich (2011: 12,3 Mrd. Euro). Natürlich sind diese Zahlen theoretischer Natur und mit etwas Vorsicht zu genießen, dennoch zeigen sie – besonders im Vergleich zur Untersuchung aus dem Jahr 2011 – eine klare Tendenz.
 
Auch auf den Arbeitsmarkt wirkt sich die Branche überdurchschnittlich positiv aus. Ein neuer Job in der  Software- und IT-Industrie bringt der Analyse zufolge gesamtwirtschaftlich 3 Vollzeitarbeitsplätze. Rechnet man nicht mit Vollzeitäquivalenten, also wie viele Vollzeitstellen sich rechnerisch bei einer gemischten Personalbelegung mit Teilzeitbeschäftigten ergeben, sondern mit "normalen" Arbeitsplätzen, so liegt der Schlüssel sogar bei 1:4.
 
Der Software- und IT-Bereich schafft somit direkt insgesamt mehr als 100.000 Jobs in Österreich (fast 83.000 Vollzeitäquivalente). Durch Vorleistungen kommen indirekt noch einmal rund 133.000 Arbeitsplätze dazu (etwa 96.000 Vollzeitäquivalente). Darüber hinaus werden den Angaben zufolge in allen anderen Branchen in der Gesamtwirtschaft durch Kaufkrafteffekte weitere mehr als 175.000 Jobs geschaffen (etwa 127.000 Vollzeitäquivalente). Da gerade im Software- und IT-Bereich Freelancer quantitativ bedeutsamen sind, wurden die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze in der Gesamtberechnung separat behandelt. Dadurch resultieren weitere knapp 30.000 Jobs (knapp 22.000 Vollzeitäquivalente). In Summe ergeben sich daher gesamte Beschäftigungseffekte von etwa 486.000 Arbeitsplätzen, entsprechend 367.000 Vollzeitäquivalenten.
 
Besonders interessant sind die durchschnittlichen Multiplikatoreffekte des Software- und IT Bereich im Vergleich mit anderen wichtigen Branchen der österreichischen Wirtschaft. Dabei belegt der Software- und IT Bereich einen Spitzenplatz, noch vor Sparten wie den Banken, dem Energiesektor, dem Bildungssektor, der Bauwirtschaft oder dem Sektor Beherbergung/Gastronomie.
 
Die Schaffung von zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen im Software- und IT Bereich wirkt sich daher gesamtwirtschaftlich im Branchenvergleich enorm aus. Da dabei die Anwendungsmultiplikatoren von Software und die langfristigen Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung durch die Verfügbarkeit entsprechender Technologien noch nicht berücksichtigt wurden, gehen die Autoren der Studie davon aus, dass die Gesamteffekte sogar noch wesentlich größer sind.
 

Message an die Politik

Alles in Allem ein sehr solides Ergebnis für die Software- und IT-Branche, mit einer positiven Veränderung in allen Bereichen von rund 20 bis 30 Prozent. Setzt man diese Ergebnis aber in Relation zum schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld, wird es etwas beeindruckender. In Jahren des jährlichen Wirtschaftswachstums von etwa einem Prozent liegt die IT-Branche trotz allem um ein Vielfaches darüber. Und das erkennt man auch im Vergleich der Kennzahlen mit anderen Branchen. Längst haben IT und Software den in Österreich noch immer sehr bedeutenden Fremdenverkehr eingeholt.
 
Für den VÖSI ist gerade der Multiplikatoreffekt auf den Arbeitsmarkt ein starkes Argument, in Zeiten steigernder Arbeitslosenzahlen. Seine Message an die österreichische Politik: Jeder Job der in der IT entsteht schafft, generiert rund drei zusätzliche Jobs – im IT-Bereich und auch in anderen Wirtschaftsbereichen. Werden gemeinsam 10.000 Jobs in der IT- und Software-Branche geschaffen, so generiert das mittelfristig eine Nachfrage für rund 40.000 Arbeitskräfte. Das sind immerhin etwa 10 Prozent der aktuellen Arbeitslosigkeit in Österreich. Was hier wieder ins Spiel kommt, ist ebenfalls ein alter Bekannter: Das Thema Bildung. Der VÖSI engagiert sich auch in dieser Richtung und arbeitet unter anderem mit der TU Wien und der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) zusammen. Denn das Schaffen guter, hochqualifizierter Arbeitsplätze ist nur eine Seite der Medaille. Man muss sie auch besetzen können.