8-9-2016 Gedruckt am 30-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16948

Dell und EMC

Für 99 Prozent macht die Kombination Sinn

Eins plus Eins ergibt nicht Zwei, sondern Dell Technologies. So ungefähr lautet die Rechnung von Pavol Varga und Stefan Trondl, den Österreich-Chefs von Dell und EMC, im Interview mit monitor.at über die Mega-Fusion der beiden Unternehmen.

Rudolf Felser

(c) Dell Technologies

 Seit gestern, dem 7. September, ist der Zusammenschluss zwischen Dell und EMC vollzogen. Ab sofort teilen sie sich den gemeinsamen Familiennamen Dell Technologies als größtes privat geführtes Technologieunternehmen weltweit. Gemeinsam haben sie einen jährlichen Umsatz von 74 Mrd. Dollar und zählen 98 Prozent der Fortune-500-Unternehmen zu ihren Kunden.
 
Die Konzernstruktur umfasst mehrere Geschäftsbereiche; die zwei größten und bekanntesten sind die Dell Client Solutions Group sowie die Dell EMC Infrastructure Solutions Group. Beide werden unterstützt von Dell EMC Services. Außerdem gehören Boomi, Pivotal, RSA, SecureWorks, Virtustream und VMware zur Familie.
 
Die beiden Chefs der österreichischen Vertretungen der Unternehmen - Pavol Varga, General Manager von Dell Österreich, und Stefan Trondl, Country Manager von EMC Österreich – standen dem Monitor im Interview Rede und Antwort darüber, was dieser Riesen-Zusammenschluss für die österreichischen Kunden, den österreichischen Markt und nicht zuletzt die österreichischen Mitarbeiter bedeutet.
 
Ihr neues Mega-Unternehmen erinnert ein bisschen an die alte IBM, bevor sie sich von einigen Sparten getrennt hat. Warum gehen Dell und EMC den umgekehrten Weg?
Pavol Varga: Erstens wir sind keine IBM, es gibt einige Unterscheide. Wir sind ein privat geführtes Unternehmen und wurden nicht zusammengeschlossen, um Aktionären Freude zu machen. Diese strategische Lösung soll Jahrzehnte andauern. Zweitens haben wir auf dem Markt den Trend erkannt, dass die Kunden End-to-End-Lösungen wollen. Wenn Sie ein großes Unternehmen sind, sind sie nicht interessiert an der Vergrößerung der Menge Ihrer Technologielieferanten – eher an der Konsolidierung. Wenn Sie ein Projekt umsetzen ist es das letzte, was sie wollen, dass Sie drei Anbieter haben und wenn etwas schief läuft, dann zeigen sie mit dem Finger auf den jeweils anderen. Das ist bei einem End-to-End-Anbieter nicht der Fall.
Stefan Trondl: Wir sind schlicht und einfach überzeugt, dass die Kombination, die aus dem Zusammenschluss entstanden ist, die im Moment richtige für den Markt ist. Sowohl Dell als auch EMC haben immer danach getrachtet, die Nummer eins am Markt zu sein. Daraus entsteht wirklich ein - ich habe dafür kein besseres Wort auf Deutsch - Powerhouse.
 
 
Michael Dell spricht über die neue Familie.
 
Was ändert sich effektiv für Ihre bestehenden Kunden in Österreich? 
Trondl: Die einzige Änderung für unsere Kunden ist, dass sie Zugriff auf ein viel größeres Portfolio haben, und auf Grund der größeren Organisation wahrscheinlich intensiver betreut werden - was auch auf unsere Partner zutrifft. Wir können jetzt einen besseren Job machen.
Varga: Da stimme ich völlig zu. Wir haben jetzt ein Prime-End-to-End-Angebot. Wir sind der einzige Anbieter auf dem Markt, der den Kunden vom Edge des Netzwerks bis zum Core ins Datacenter - und in die Cloud - begleiten kann. Kein anderes Unternehmen kann das.
 

Pavol Varga (c) Dell

Wie geht es jetzt weiter?
Varga: Die einzige Änderung wird jetzt sein, dass wir sehr intensiv zusammenarbeiten werden. Wir können seit gestern die gesamte Produktpalette des jeweils anderen anbieten. Alles, was danach kommt, werden wir sehen.
Trondl: Man kann davon ausgehen, dass wir uns in absehbarer Zeit in einem gemeinsamen Office wiederfinden werden. Die nächsten Monate werden wir nutzen, um die richtige Organisationsstruktur für Österreich zu finden. Die Idee ist nicht, Kostenreduktionen zu erzeugen, sondern zusammen mehr zu erreichen als bisher. Das ist schon eine sehr komfortable Situation.
 
Ändert sich auch etwas für Sie beide persönlich?
Trondl: Was die Organisation betrifft, weiß man noch nichts Genaueres. Ich gehe davon aus, dass wir beide im Unternehmen verbleiben. Über Aufteilungen der Aufgaben zu sprechen ist es noch zu früh. Ich glaube aus der Kombination der Portfolios gibt es aber genug zu tun für alle.
 
Man hat in der letzten Zeit immer wieder von verunsicherten Kunden wegen der Fusion gelesen. Ist diese Verunsicherung auch bei Ihnen angekommen, oder war das viel Lärm um nichts in den Medien?
Trondl: Ich habe keinen einzigen Kunden getroffen, der verunsichert war. Woher sollte die Verunsicherung auch kommen? Es gibt keine Überlappung im Portfolio, keine Aufgabe einer Produktlinie. Selbstverständlich haben unsere Marktbegleiter versucht Unruhe zu erzeugen - das passiert bei jeder Fusion. Im Gegenteil: Ich habe zu 99 Prozent Kunden getroffen, für die diese Kombination Sinn macht.
 

Stefan Trondl (c) EMC

Gerne fällt in so einem Zusammenhang das Wort Synergien, oder Kostenreduktion – sprich Entlassungen. Kann man schon sagen, ob bzw. wann es in Österreich so weit kommen wird?
Varga: Das steht nicht auf der Tagesordnung. Meine Herausforderung ist: Wie finde ich den Weg zu den Unternehmen, die ich noch nicht zu meinen Kunden zählen? Dafür brauche ich jeden Mitarbeiter im Vertrieb.
Trondl: Es ist nichts in dieser Richtung geplant. Die Idee ist viel eher - ich weiß, das ist eine häufig strapazierte Metapher -, das Eins plus Eins nicht Zwei ergibt, sondern mehr als das.
Varga: Ich möchte auch noch einmal betonen, dass wir ein privat geführtes Unternehmen sind. Was auch immer wir machen werden, werden Anpassungen sein, die uns auf eine langfristige Zukunft vorbereiten, und nicht solche, die irgendwelche kurzfristigen Interessen befriedigen.
Trondl: Die meisten Unternehmen sind vom Quartalsdruck getrieben. In so einer Situation achtet man eher auf kurzfristige Dinge. Bei uns ist das nicht der Fall. Das ist ein Riesen-Benefit dieses Zusammenschlusses.