25-8-2016 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16933

Förderinitiative für Elektronik und Mikro-Elektronik

80 Millionen Euro für "silicon austria"

Unter dem Titel "silicon austria" fördert das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) künftig verstärkt im Bereich Elektronik und Mikro-Elektronik. Dazu wird eine 80 Millionen Euro schwere Förderinitiative auf die Beine gestellt.

Rudolf Felser

CC0 Public Domain - pixabay.com

 "Elektronik durchzieht alle Lebensbereiche des modernen Menschen. In diesem ständig wachsenden Industriezweig steckt enormes Potential für heimische Unternehmen", so Infrastrukturminister Jörg Leichtfried am Donnerstag bei den Alpbacher Technologiegesprächen. Herzstück der Initiative ist ein mit 50 Millionen Euro dotiertes Forschungszentrum, das 2017 seine Arbeit aufnehmen soll.
 

Fab-Labs und Maker-Spaces

Das Forschungszentrum wird neben der öffentlichen Hand auch durch beteiligte Unternehmen finanziert. Eine Zusammenarbeit mit heimischen Universitäten und internationalen Forschungseinrichtungen ist den Angaben zufolge ebenfalls geplant. Ergänzt wird das Zentrum durch vier Stiftungsprofessuren, die im Bereich Elektronik und Mikro-Elektronik forschen sollen, und eine Pilotfabrik. Beides wird ebenfalls durch das bmvit und Partner finanziert. "Mit 'silicon austria' positioniert sich Österreich deutlich sichtbar als High-Tech-Standort", ist Leichtfried überzeugt.
 
Um für diesen wichtigen Zukunftsbereich ausreichend Nachwuchs gewinnen zu können werden auch sogenannte Fab-Labs und Maker-Spaces eingerichtet. Die Fab-Labs sollen an technischen Universitäten entstehen und interessierten Studierenden moderne Forschungsinfrastruktur und -equipment bieten. Die Maker-Spaces wiederum sind das niederschwellige Gegenstück und richten sich vor allem an Schülerinnen und Schüler.
 

IKT stärker fördern

"Wir begrüßen die geplanten Maßnahmen von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried die Forschung in den Mikro- und Nanotechnologien im Rahmen von Silicon Austria massiver zu fördern", so Lothar Roitner, Geschäftsführer des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), zu der bmvit-Ankündigung. "Österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen forschen und entwickeln bereits Produkte für den Weltmarkt. Aber um diese Position zu halten und auszubauen, bedarf es einer Spitzeneinrichtung wie silicon austria, in dem Schwerpunkte gesetzt und Synergien genutzt werden", ist Roitner überzeugt.
 
Österreich brauche mehr Forschung, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so Roitner weiter: "Im internationalen Vergleich rutscht Österreich zurück und es geht wertvolle Zeit verloren. Besonders in den hochspezialisierten Bereichen wie der Mikro- und Nanoelektronik nützt Schwerpunktsetzung, um die Ressourcen der österreichischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gezielt einsetzen zu können und zu stärken. Im globalen Wettbewerb werden wir das Match um die Innovationen von morgen nur im Team und nicht als Einzelkämpfer gewinnen."
 
Roitner erneuerte außerdem anlässlich der Ankündigung von silicon austria die Forderung der Elektro- und Elektronikindustrie, Informations- und Kommunikationstechnologien noch stärker zu fördern: "200 Millionen Euro aus der Breitbandmilliarde müssen in IKT-nahe Forschung fließen." 
 

Bekenntnis zur Spitzenforschung

"Die Forschungs- und Innovationsinitiative Silicon Austria ist ein klares Bekenntnis zur Spitzenforschung in Österreich", wertet auch Josef Affenzeller, Obmann von ECSEL-Austria, die Ankündigung des Infrastrukturministers positiv. "Dies ist ein bedeutender Schritt, um den Standort Österreich für die Spitzenforschung attraktiver und erfolgreicher zu gestalten." Der Verein ECSEL-Austria wurde 2014 gründet: Die Abkürzung steht für Electronic Components and Systems for European Leadership-Austria. ECSEL-Austria ist ein Netzwerkpartner des FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie.
 
Der internationale Wettbewerb der Spitzentechnologien zeige, dass die Forschungseinrichtungen spezifischer und in enger Kooperation mit den Unternehmen arbeiten. "In Österreich haben wir zwar eine gute Basis mit 93 F&E-Einrichtungen und 188 Unternehmen, die an Electronic Based Systems forschen und entwickeln, aber es fehlt uns bisher die nationale Schwerpunktsetzung, die uns international sichtbarer und noch erfolgreicher machen würde", erklärt Affenzeller. "Durch die bessere Abstimmung der Forschungseinrichtungen könnten wir uns auf unsere Stärken konzentrieren und international sichtbarer werden."
 

Electronic Based Systems

In Österreich forschen und entwickeln laut Informationen von ECSEL-Austria 93 F&E-Einrichtungen und 188 Unternehmen an Electronic Based Systems (EBS), einer Schlüsseltechnologie der Mikro-und Nanotechnologie. "EBS sind die technologischen Helden der Zukunft in Form von Systemen und Geräten mit Mikro- und Nanoeletronik sowie eingebetteter Software. Ohne ihre Funktionen sind Anwendungen wie autonomes Fahren, Internet of Things oder Industrie 4.0 nicht möglich", erklärt Affenzeller. Die 93 F&E-Einrichtungen und 188 Unternehmen finden sich in ganz Österreich, jedoch zeigen sich vier Schwerpunktregionen in Wien, Oberösterreich, der Steiermark und in Kärnten.
 
"Die Regionen unterscheiden sich nur durch ihre Schwerpunkte wie Equipment, Software oder Komponenten. Aber in jeder Region arbeiten Unternehmen und Forschungseinrichtungen eng zusammen. Bei diesen cyber-physischen Systemen hängt der Erfolg maßgeblich von der engen Kooperation ab. Das gegenseitige Verständnis von Forschung und Marktanforderungen sind der Schlüssel zu erfolgreichen Innovationen", ist Affenzeller überzeugt. "Wir sind in Österreich schon gut aufgestellt, aber mit Silicon Austria könnten wir unsere internationale Sichtbarkeit und Wirkung erhöhen. Dies kann uns gelingen, wenn wir nationale Schwerpunkte setzen, Synergien nutzen und verstärkt in die Spitzenforschung investieren."