18-8-2016 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16925

Gastartikel - Perry Correll

Gedankensteuerung: Ich denke, die IT tut

Der Wearables-Trend ist unaufhaltsam: Brillen, Uhren, Armbänder oder allerlei mit RFID-Chips ausgerüstete Gegenstände sind schon heute allgegenwärtig. Der Kreativität, was alles mit dem Internet verbunden werden kann und welchen Nutzen man daraus ziehen kann, sind keine Grenzen gesetzt. Die erste Welle der Einführung von Wearables ist noch nicht einmal beendet, da prophezeien Forscher schon die nächste Stufe der Nutzung persönlicher Geräte – die Steuerung von elektronischen Geräten mit der Kraft der Gedanken!

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Maschinen nur mit Gedanken zu steuern, klingt zuerst einmal nach der Idee eines verrückten Forschers – dabei sind es Verbraucher, die sich diese letzte Stufe der Evolution der Gerätesteuerung wünschen: Eine vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) durchgeführte Umfrage ergab, dass in zehn Jahren Technologie zur Steuerung durch Gedankenkraft ganz oben auf der Wunschliste der Verbraucher stehen wird. Die Befragten gaben an, dass sie sich nach der Fähigkeit sehnten, allein mit der Kraft ihrer Gedanken, Türen zu schließen und zu öffnen, Anwendungen zu steuern sowie das Licht ein- und auszuschalten. Das klingt nach Science-Fiction, deutet aus sozialpsychologischer Perspektive aber möglicherweise auf eine natürliche Entwicklung sowohl der technischen Möglichkeiten als auch der Benutzererwartungen hin.
 
Auch wenn Gedankensteuerung in großem Stil noch lange auf sich warten lassen wird, bewegt sich die moderne Gesellschaft bereits in diese Richtung. Ein schwedisches Startup implantiert beispielsweise bereits RFID-Chips in die Hände von Mitarbeitern, um bei deren Betreten des Gebäudes ihre Identität zu prüfen und ihnen Zugang zu anderen Diensten zu gewähren. Die massenhafte Verbreitung intelligenter, vernetzter Geräte ist Ausdruck einer allgegenwärtigen "Erweiterung des Selbst" im Alltag. Sie deutet darauf hin, dass wir Dinge tun wollen, die über unsere physischen Fähigkeiten hinausgehen.
 
Wachsendes Vertrauen in Wearables und zunehmende Abhängigkeit von diesen sorgen bereits heute für eine Verschmelzung von Technologie und menschlichen Fähigkeiten. In diesem Licht scheint die Möglichkeit der Gedankensteuerung  nicht mehr fern. Die Fähigkeit, mit unseren Gehirnwellen Anweisungen zu geben, würde eine Integration mit Technologie markieren, die räumliche Grenzen überwindet. Doch was bedeutet das für die Infrastruktur um uns herum, die diese Fähigkeit unterstützen muss?
 
WLAN ist die derzeit vorherrschende Netzwerktechnologie, die mit dem immer weiter steigenden Bedarf an Vernetzung Schritt halten muss. Fast alle Wearables greifen auf WLAN zurück. Diese Technologie muss den unerbittlich steigenden Bedarf an Kapazität und Leistung erfüllen. WLAN ist bereits heute ein Werkzeug, das zur Erledigung unserer täglichen Aufgaben und zur Erweiterung unserer physischen Peripherie unerlässlich ist. Es dürfte eine noch wichtigere Funktion einnehmen, je mehr die Grenze zwischen dem Mensch selbst und seinem Besitz weiter verwischt.
 
Die Marktentwicklung von durch Gedankenkraft gesteuerter Technologie wird von einem evolutionären Wandel der Erwartungen unterstützt. Einer der ersten CEOs von IBM, Thomas J. Watson, soll gesagt haben, dass es einen Weltmarkt für rund fünf Computer geben würde. Seither lassen sich gewaltige Fortschritte bei der Nachfrage nach Technologie feststellen. – Dieser Trend ist weiter in einem exponentiellen Anstieg begriffen. Ergo: Betrachten wir Gedankensteuerung nicht nur unter dem Aspekt, was technisch möglich ist oder möglich sein wird. Betrachten wir auch, was der Wunsch nach Gedankensteuerung philosophisch und sozialpsychologisch bedeutet.
 
Schauen wir auf den Markt für Gedankensteuerung wie er ist, springen wir zu kurz. Schauen wir besser auf die Welt und was wir aus ihr machen können.
 
Perry Correll ist Principal Technologist bei Xirrus.