5-8-2016 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16905

Vorsicht, Falle!

Fakes der populären Foto-App Prisma entdeckt

Seit Ende Juli steht die populäre Bildbearbeitungs-App Prisma auch für Android zum Download zur Verfügung. Bereits vorher kursierten zur bis dahin nur für Apple-User erhältlichen App diverse Fake-Versionen, die sich ungeduldige Nutzer millionenfach heruntergeladen haben. Der europäische Security-Software-Hersteller ESET hat einige dieser gefälschten Apps genauer unter die Lupe genommen und die Gefahren analysiert.

CC0 Public Domain - pixabay.com

 Forscher von ESET haben die falschen Apps im Google Play Store entdeckt und natürlich den Verantwortlichen bei Google gemeldet. Wie bereits bei anderen sehnsüchtig erwarteten Apps, beispielsweise Pokémon GO, spekulierten die Entwickler auf die Ungeduld der Android-User. Mit Erfolg: Inzwischen sind die Fakes zwar aus dem Store verschwunden, erzielten aber bis dahin über 1,5 Millionen Downloads.
 
Die Funktionsweise der Prisma-Nachahmer ist dabei unterschiedlich. Die meisten der auf Google Play gefundenen Apps hatten keine Editierfunktion für Fotos. Stattdessen zeigten sie laut einem Blog-Beitrag von ESET ausschließlich Werbeanzeigen oder gefälschte Umfragen, welche den User dazu bringen sollten, persönliche Informationen preiszugeben oder sich für erfundene und kostspielige SMS-Services anzumelden. Einige wenige Apps verfügten zwar tatsächlich über sehr primitive Fotofunktionen, dienten aber hauptsächlich dazu, die Geräte des Nutzers mit Pop-Up-Werbeanzeigen zu fluten oder mit falschen Warnungen vor Malware zu verunsichern.
 
Diese eher ärgerlichen Funktionen richten noch keinen größeren Schaden am Gerät an. Jedoch fanden sich unter den gefälschten Prisma-Applikationen auch Trojaner-Downloader, welche ESET als "Android/TrojanDownloader.Agent.GY." klassifiziert. Diese Trojaner arbeiten hinter den Kulissen und sind auf dem Gerät nicht mit einem Icon gekennzeichnet. Nach dem Download senden sie die Geräteinformationen an einen Command and Control (C&C) Server, so dass bei Bedarf zusätzliche Komponenten heruntergeladen und ausgeführt werden können. Diese lesen dann sensible Informationen aus, darunter Handynummer, Betreiber, Land und Spracheinstellungen. Zudem erhielten Anwender bei zwei der fünf gefundenen Trojaner-Apps die Aufforderung, ihr mobiles Betriebssystem auf Android 6.0 zu aktualisieren und dabei ihre Google-Kontodaten in ein - natürlich gefälschtes - Anmeldeformular einzugeben.
 

Tipps der Experten

 
Die ESET-Experten geben einen guten Rat: Eine App noch vor ihrem eigentlichen Veröffentlichungstermin herunterzuladen ist generell eine schlechte Idee. Die Wahrscheinlichkeit, dabei auf einen Betrug hereinzufallen, ist groß und selbst die Schutzmechanismen von Google sind keine Garantie für sichere Apps. Oft ist es schwierig, Original und Fälschung zu unterscheiden, da Cyberkriminelle sehr ähnliche Logos, App-Namen, Beschreibungen oder sogar Screenshots verwenden, um Nutzer in die Irre zu führen.
 
Die folgenden Tipps können helfen, um sich vor möglichen Gefahren aus dem App Store zu schützen: 
  • Apps nur aus seriösen Quellen herunterladen
  • Insbesondere bei populären Apps vorsichtig sein
  • Rezensionen anderer Nutzer lesen und dabei insbesondere die negativen Kommentare beachten - und dabei im Hinterkopf behalten, dass positive Kommentare gefälscht sein können
  • AGBs der Apps lesen und darauf achten, welche Zugriffsrechte sie verlangen
  • Den Namen der App und der Entwickler vergleichen - passen diese nicht haargenau zusammen, handelt es sich voraussichtlich um einen Fake
  • Als zusätzliche Sicherheitsinstanz kann es nicht schaden, eine aktuelle mobile Security-Software verwenden, die alle Apps auf schadhafte Inhalte überprüft.