3-8-2016 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16897

Licht und Schatten

Windows 10 Anniversary Update ist da

Wie angekündigt ist das Windows 10 Anniversary Update, auch unter den Namen Version 1607, Redstone oder RS1 bekannt, seit 2. August verfügbar. Es bringt einige neue Funktionen, die unter anderem die Sicherheit von Unternehmensdaten verbessern sollen, die Einführung neuer Education-Versionen und auch kleinere optische Veränderungen. Allerdings müssen sich User der Pro-Version auch von ein paar Features verabschieden, die jetzt anderen Fassungen des Betriebssystems vorbehalten bleiben.

Windows 10 Anniversary Update - Microsoft

Das Anniversary Update markiert einen Meilenstein für Microsoft. Ziemlich genau vor einem Jahr wurde Windows 10 gelauncht, und damit auch die neue Strategie "Windows as a Service", außerdem ist vergangenen Freitag die Frist für das Gratis-Update auf das aktuelle Microsoft-Betriebssystem abgelaufen. Derzeit läuft Windows 10 laut dem Softwarehersteller auf 350 Millionen Geräten weltweit. Das ist ein respektabler Wert, wenn auch noch weit entfernt von dem selbst gesteckten (und mittlerweile kaum noch erwähnten) Ziel, die Milliarden-Marke zu knacken.
 
Laut den Zahlen von Netmarketshare entspricht das einem Marktanteil von 21,13 Prozent für Windows 10. Windows 7 bleibt aber weiterhin das mit Abstand beliebsteste Betriebssystem mit einem Anteil von 47,01 Prozent. Die ungeliebten Versionen Windows 8 und 8.1 liegen zusammengenommen gleichauf mit dem betagten Windows XP, die jeweils etwas über 10 Prozent erreichen.
 

Neue Sicherheitsfunktionen für Unternehmen

Zu den neuen Security-Features für Business-Kunden zählen unter anderem:
  • Windows Defender Advanced Threat Protection (WDATP), eine Lösung auf Basis von Machine-Learning, die Verhaltensmuster erkennt und Unternehmen so die Möglichkeit geben soll, komplexe Angriffe oder Datenlecks im Netzwerk schneller selbst zu erkennen und darauf zu reagieren. Windows Defender ATP nutzt in Windows 10 integrierte Verhaltenssensoren und ein Cloud-Backend zur Sicherheitsanalyse. Über verhaltensbasierte sowie Anomalie-Analysen soll es Bedrohungen aufspüren, die bereits andere Sicherheitsmaßnahmen durchbrochen haben ("Post Breach").
  • Windows Defender wird durch eine Option erweitert, um automatisch regelmäßige und schnelle Computerscans durchzuführen. Nach Abschluss der Scans erhalten Anwender eine Zusammenfassung und werden im Falle einer Bedrohung umgehend benachrichtigt.
  • Windows Defender bietet auch eine neue "Offline"-Funktion, bei der ein eventuell bereits verseuchter PC besonders gründlich untersucht wird. Dazu wird der Rechner in einer eigenen Umgebung gestartet.
  • Windows Information Protection (bisher Enterprise Data Protection) soll Unternehmen vor unbeabsichtigten Datenverlusten schützen. Der Datenschutzmechanismus funktioniert über die Trennung von personenbezogenen Daten und Unternehmensdaten und zwar unabhängig davon, wo sich die Daten befinden.
  • Windows Hello ermöglicht ab sofort außerdem den biometrischen Zugang zu Anwendungen und zum Browser Microsoft Edge - zumindest bei kompatiblen Webseiten und Apps. Außerdem wird spezielle Hardware benötigt, etwa ein Fingerabdruck-Lesegerät, eine aktive Infrarotkamera oder einen sonstigen biometrischen Sensor sowie kompatible Geräte.
 

Digitale Tinte

Das Anniversary Update bringt außerdem Windows Ink auf qualifizierte Windows 10 Devices. Mit einem digitalen Stift sollen sich so ganz einfach, ohne sich erst auf einem Gerät anmelden zu müssen (wenn die Funktion aktiviert ist), handschriftlich auf dem Touchscreen Skizzen und Notizen machen lassen.
 
Smarte Haftnotizen sollen helfen, einen Überblick über Aufgaben und Termine zu wahren und erinnern beispielsweise an Flugzeiten und schlagen optimale Reiserouten vor. Beim Schreiben von Daten, Zahlen oder Adressen auf die smarten Haftnotizen werden diese automatisch erkannt und aktivieren den Kalender bzw. Bing Maps.
     
Durch die Integration von Windows Ink in Office 365 und anderen Anwendungen wie Microsoft Edge, OneNote oder die Karten-App soll die Nützlichkeit des Features weiter gesteigert werden. Office Dokumente lassen sich mit dem Stift korrigieren und bearbeiten. Handgeschriebene Anmerkungen können mittels Handschrifterkennung in getippte Schrift umgewandelt und anschließend formatiert werden.
 
 
 
Windows Ink Workspace Demo
 
Auch dem Browser Microsoft Edge wurde ein Update spendiert, er soll Webseiten schneller darstellen und weniger Speicher benötigen. Zudem lassen sich den Angaben von Microsoft zufolge Hintergrundaktivitäten minimieren. Die neue Architektur von Microsoft Edge soll außerdem jetzt auch moderne Internetstandards wie HTML5, CSS3 und ARIA unterstützen. Der Browser unterstützt jetzt auch Erweiterungen, wie man sie von der Konkurrenz kennt. Die Auswahl ist bislang allerdings sehr überschaubar.
 
Darüber hinaus hat Microsoft ein paar "kosmetische" Änderungen an Windows 10 umgesetzt, etwa bei der Benutzerkontensteuerung, der Verwendung virtueller Desktops oder beim Startmenü, dem Tablet-Modus oder beim Info-Center. Auch der digitalen Assistentin Cortana wurden neue Funktionen spendiert.
 

Änderungen bei den Gruppenrichtlinien für Pro-Installationen

 
Für Nutzer der Pro-Version gibt es auch negative Veränderungen durch das Update. So hat Microsoft begonnen, Unterschiede bei den Gruppenrichtlinien zwischen den Pro-, Enterprise- und Education-Versionen zu machen. Im Detail geht es um die Möglichkeit für Admins, über Gruppenrichtlinien (den Group Policy Editor) das Anzeigen von Tipps zu Windows 10 und Vorschlägen zu Inhalten des Windows Store zu unterbinden. Das ist nur noch mit Windows 10 Enterprise sowie Windows 10 Pro Education und Windows 10 Education möglich - bei den letztgenannten Versionen ist das sogar die Default-Option. Das Portal ghacks.net hat die Thematik schön zusammengefasst.
 

Änderungen bei den Gruppenrichtlinien - microsoft.com

 
Wie Microsoft-Kennerin und Mary Jo Foley von ZDNet herausgefunden hat, soll das aber nur für die Gruppenrichtlinien und Mobile Device Management Tools gelten. Nutzer von Windows 10 Pro können die genannten Einstellungen weiterhin lokal auf ihrem Rechner vornehmen. Für Admins - gerade in kleineren Unternehmen, die häufig aus Kostengründen auf die Pro- und nicht die Enterprise-Fassung setzen - bedeutet das aber gegebenenfalls viel Handarbeit.
 
Da kommt es gerade gelegen, dass Microsoft mit dem Anniversary Update Admins die Umstellung einer Installation von Windows 10 Pro auf die Enterprise-Version leichter macht. Dafür ist kein Neustart mehr erforderlich, was bei der Umstellung vieler Systeme viel Zeit spart. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
 
Außerdem wurde in den letzten Tagen viel über Cortana diskutiert, die bei Windows 10 nach dem Update die lokale Suchfunktion übernimmt, dabei aber alle Suchanfragen auch ins Web an die Suchmaschine Bing weiterleitet. Das Schlimme daran: Das lässt sich nicht bequem über ein Optionsmenü abdrehen, sondern nur noch über die Registry, wie beispielsweise heise.de berichtet
 

Update ist Upgrade

Nutzer kommen über Windows Update an die neue Version, außerdem wird die ISO-Datei des aktuellen Build als Donwload angeboten, das mit dem Tool zur Erstellung von Windows-10-Installationsmedien genutzt werden kann. Microsoft rollt das Update wieder schrittweise aus, es kann also sein, dass noch nicht alle Nutzer das Update in der integrierten Updatefunktion angeboten bekommen.
 
An Volumenlizenzkunden, Hardwarepartner und MSDN-Abonnenten wird das Update ebenfalls bereits verteilt. Installationsmedien für den Long Term Servicing Branch von Windows 10 Anniversary Update sollen am 1. Oktober verfügbar sein. Nutzer des Windows Server Update Services bzw. des System Center Configuration Manager sollen ab 16. August auf Windows 10 Version 1607 Zugriff haben.
 
Bei dem Update handelt es sich wieder um ein vollständiges Upgrade, also quasi eine Neuinstallation. Das rund 3 GB große Paket wird nach dem Herunterladen Installiert, das alte Windows wird in den Ordner "C:\Windows.old" verschoben - Programme, Benutzerprofile und Daten aus der alten Installation werden aber natürlich übernommen.
 
Weitere Informationen und weiterführende Links hat Microsoft in dem TechNet-Beitrag "What’s new for IT pros in the Windows 10 Anniversary Update" zusammengefasst.