27-7-2016 Gedruckt am 28-03-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16887

Mobile "Megatrends" und "lahmen Enten"

IoT-Top / Smartwatch-Flop

Bettina Horster, Direktorin Mobile im deutschen Verband der Internetwirtschaft eco, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um mehr oder weniger ge- und misslungene mobile Trends geht. Zu den Top-Themen gehören laut der Expertin natürlich-sprachliche Assistenten und Assistenzsysteme, etwa für kuratiertes Shopping, Verfahren der Datenanalyse, der Künstlichen Intelligenz und des Maschinenlernens, FinTech und das Internet der Dinge. Als Flop sieht Horster den Mangel an kreativen Apps, Virtual Reality, Smart Watches und Wearables, das Quasi-Monopol von Android und Mobile Payment als bloße Bezahlapplikation.

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

NATÜRLICHE SPRACHE

Wesentliche Grundlage der natürlich-sprachlichen Assistenten, wie beispielsweise Siri oder Cortana, bildet die Spracherkennung, die heute zu rund 90 Prozent funktioniert. 2010 lag die Erkennungsquote noch bei lediglich 70 Prozent. Bei 99 Prozent, die in Kürze erreicht werden, kommt man der natürlichen Kommunikation ganz nahe und die Systeme werden große Akzeptanz finden.
 
Assistenzsysteme sind auch beim kuratierten Shopping angesagt, also der professionellen Beratung beim Online-Einkauf. Kuratiertes Einkaufen ist der Gegentrend zum Massenangebot: Ein "persönlicher" Berater gibt Hilfe und Orientierung, welche Kleidung, Weine oder sonstigen Konsumgüter am besten zu einem selbst und seinem Lebensstil passen.
 
Als die "entscheidenden Drillinge" bezeichnet Expertin Horster Artificial Intelligence, Machine Learning und Business Intelligence. "Drill down" bezeichnet die tiefgehende Analyse großer Datenmengen, um aus den Daten tatsächliche Informationen und Trends abzuleiten. Die dadurch ermöglichte Wertschöpfungskette erstreckt sich vom Datensammeln über die "intelligente" Auswertung und das Feedback, aus dem die Systeme wiederum Rückschlüsse ziehen.

BANK ZUM MITNEHMEN

Als "die Bank in der Westentasche" bezeichnet Horster das Spektrum der FinTech-Angebote. "FinTech erhöht den Druck auf die Banken und sonstigen klassischen Finanzdienstleister massiv", ist sie sich sicher. Sie verweist auf das schier unübersehbare Angebot von Startups im FinTech-Sektor.

DISRUPTIVE GESCHÄFTSMODELLE

Einen "klaren Siegeszug" testiert Bettina Horster dem "Internet of Things" (IoT). Damit verbunden sieht sie die Datennutzung und Datenvermarktung durch neue disruptive Geschäftsmodelle statt dem herkömmlichen Ansatz der Prozessoptimierung. Allerdings sollte hierbei das europäische Verständnis von Datenschutz nicht auf der Strecke bleiben, fordert die Mobile-Direktorin von eco.
 
"Wir brauchen einen europäischen Markenkern mit der Datenschutz-Grundverordnung" sagt sie und formuliert diesen auch gleich: "Customer-centric und nicht Customer-obsessiv!" Cloud-basierte IoT-Plattformen seien seit Sommer letzten Jahres auf dem Vormarsch, beobachtet Horster, und stellt erfreut fest: "Die Kooperationen bei Standardisierungs- und Plattformkonsortien wie Industrie 4.0 und IIC (Industrial Internet Consortium) funktionieren erstaunlich gut."
 
Als besonders erfolgreiche und aussichtsreiche Anbieter ("Leaders") von IoT-Plattformen nennt sie Microsoft, IBM, Bosch SI und SAP HPC. Siemens und Google stuft sie als "Challengers" ein. Eine hohe Wettbewerbsstärke, aber geringeren Reifegrad testiert sie Salesforce, AWS und Intel. "Es setzt sich die Erkenntnis durch, das IoT am besten funktioniert, wenn man in Ökosystemen denkt", sagt Bettina Horster, und fügt hinzu: "Collaboration is King – das Netzwerk ist alles!"