23-6-2016 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16876

Heute cool, morgen wertlos

IoT als Briefbeschwerer

Der Kühlschrank macht’s mit dem Tablet, die Heizung mit dem Smartphone - Vernetzung an allen Ecken und Enden. Was aber, wenn ein IoT-Hersteller seine Geräte plötzlich abschaltet? Revolv hat’s vorgemacht und landet damit am Müllhaufen der Technologie-Geschichte.

Mitte Mai hat Revolv seine Server dicht gemacht. Die Hardware ist jetzt wertlos. Bild: www.revolv.com

Zugegeben: Die Zahl der Revolv-Kunden ist (bzw. war) sehr überschaubar. Das Heimautomatisierungshub wurde lediglich in den USA verkauft und war auch dort nicht gerade ein Topseller. Revolv wurde Ende 2013 auf den Markt geworfen und seitdem für rund 300 Dollar pro Stück verkauft. Als Steuerzentrale kümmerte es sich vorwiegend um die smarte Beleuchtung in den Innenräumen, das Sicherheitssystem und konnte sich mit allerlei smarten Geräten (bis hin zur Kaffeemaschine und den Wecker) verbinden.
 
2014 kaufte das (auch hierzulande bekannte) Unternehmen Nest die Revolv-Entwickler auf und wurde ein paar Monate später selbst von Google geschluckt. Aufgrund der überschaubaren Userzahl entschloss man sich, Revolve per Mitte Mai 2016 abzuschalten. Seitdem können sich die Geräte nicht mehr mit den Servern verbinden und sind (da offline nicht nutzbar) damit praktisch wertlos.
 
Sicher, 300 Dollar in den Wind zu schreiben, ist jetzt kein Weltuntergang. Allerdings wirft diese Geschichte auch die Frage auf, wie zukünftig mit dem Ende von Produkten umgegangen werden soll – vor allem, wenn sie in einer größeren Einheit (smartes Gebäude usw.) vernetzt sind. Der Unterschied ist nämlich, dass „normale“ Hard- oder Software weiterhin funktioniert, nur eben kein Support mehr stattfindet. Noch heute kann man mit einem alten Nokia-Handy telefonieren, wenn man möchte. Wenn ein Gerät aber einen Server braucht, dieser aber irgendwann abgeschalten wird, was dann?
 
Dass es im Internet der Dinge künftig mehr solcher Fälle geben wird, steht außer Frage. Hunderte Unternehmen buhlen derzeit mit ihren smarten Ideen zur vernetzten Zukunft um Kunden. Viele davon werden wirtschaftlich nicht lange überleben, oder irgendwann ganz einfach von einem größeren Unternehmen geschluckt werden (wie etwa Revolv bzw. Nest). Passen die Standards dann nicht zu den eigenen, oder konkurrieren sie mitunter sogar, wird das übernommene System einfach abgeschalten und die Produkt damit unbrauchbar.
 
Das Internet der Dinge ist bereits Realität, ausgereift ist es aber noch lange nicht. Jene, die heute zu den Early Adopter gehören, sollten jedenfalls nicht damit rechnen, dass ihre vernetzten Geräte auch in zehn Jahren noch funktionieren – sofern es bis dahin nicht ohnehin schon was viel besseres gibt.
 
Fakt ist: Im IoT funktioniert Hardware immer nu so lange, so lange es auch einen passenden Server dazu gibt. Gibt’s den irgendwann nicht mehr, geht’s mit ihr ab auf dem Müllhaufen der Technologie-Geschichte. Oder aber man zieht diese Briefbeschwerer-Sache in Betracht ... sofern es freilich noch Briefe gibt.