17-2-2016 Gedruckt am 29-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16694

Polizeiliche Sohlendatenbank

Zeig her deine Schuh...

...und ich sag dir, was du verbrochen hast. Eine Software der Hochschule Luzern soll künftig helfen, Schuhspuren von Tätern rasch zu identifizieren. Gemeinsam mit der Forensity AG hat man eine entsprechende Matching-Software entwickelt.

Derzeit wird an einer Referenz-Datenbank mit mehreren Tausend Schumodellen gearbeitet Screenshot: www.forensity.ch

Schuhabdruckspuren sind kriminaltechnisch äußerst wichtig: Die meisten Täter hinterlassen nämlich welche. Die Spuren helfen dann dabei, Fälle miteinander zu vergleichen und das Täterprofil genauer zu bestimmen. Schuhabdruckspuren würden in der Schweiz zwar heute schon kantonsübergreifend ausgetauscht, allerdings fehle eine gemeinsame Datenbank, um Schuhspuren effizient miteinander zu vergleichen, erklärt etwa Thomas Stadelmann, Projektinitiator und CEO der Forensity AG: "Man trifft sich persönlich oder schickt sich Bilder per E-Mail zu. Diesen Prozess wollen wir mit unserer neu entwickelten Software vereinfachen und beschleunigen."
 
In Zusammenarbeit mit der Uni Basel wurde zunächst eine vollautomatische Bildsuche entwickelt, die für gut erkennbare Sohlenmuster ausreicht. Damit die Software aber auch funktioniert, wenn sich verschiedene Spuren überlagern oder das Sohlenprofil durch Verunreinigungen stark beeinträchtigt ist, hat Thomas Koller vom Kompetenzzentrum Distributed Secure Software Systems der Hochschule Luzern mit seinem Team die Software ergänzt und verfeinert: "Es bedeutet eine große Abstraktionsleistung, um bei solch komplexen Schuhspurenbildern das Profil und dessen Muster zu bestimmen. Dazu braucht es die Mithilfe des menschlichen Auges. Deshalb haben wir auf eine intelligente Interaktion von Benutzer und Computer gesetzt."
 
Die Ermittelnden werden von der Software beim systematischen Definieren von Mustern wie Kreisen oder Linien unterstützt, während ihre Angaben der Software helfen, das Profil mit 99-prozentiger Sicherheit zu finden. Ist es gefunden, ergeben sich aus den Zusatzinformationen zum Schuhmodell sowie Bildern des Oberschuhs Anhaltspunkte für die Fahndung und Ermittlung. Ist eine Schuhspur im System erfasst, kann sie mit anderen verglichen werden. Über eine Web-Plattform – einen Exchange Service – können Abfragen über mehrere Polizeistellen gestartet und Fälle mit mustergleichen Spuren verglichen werden, um Serien von Straftaten gleicher Täter zu identifizieren.