22-12-2015 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16633

Erfolg von Industrie 4.0 hängt von IT-Security ab

IT-Security hat Top-Priorität

Cyber- und Datenrisiken nehmen rasant zu, auch die Zahl der Angriffe auf Unternehmen hat sich 2015 wieder erhöht. Beim Trendthema Industrie 4.0 sehen rund 90 Prozent der Entscheider IT-Security als größte Herausforderung für die erfolgreiche flächendeckende Umsetzung - so die wichtigsten Ergebnisse des aktuellen Cyber Security Reports des Instititus für Demoskopie Allensball im Auftrag der deutschen Telekom und T-Systems. Befragt wurden dabei Topentscheider aus Wirtschaft und Politik nach ihrer allgemeinen Risikoeinschätzung sowie ausgewählten Themen im Bereich Cyber Security.

Bereits mehr als ein Drittel der Unternehmen verzeichnete heuer Cyber-Attacken zumindest einmal pro Woche, 18 Prozent geben an, täglich IT-Angriffen ausgesetzt zu sein. Grafik: Cyber Security Report 2015, Inst.f.Demoskopie Allensbach/T-Systems

Industrie 4.0 braucht für den Erfolg einen besseren Schutz vor Cyber-Angriffen: Die große Mehrheit der Führungskräfte (84 Prozent) ist davon überzeugt, dass mit Industrie 4.0, also der intelligenten Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produktionsprozessen, das Risiko von Angriffen steigen wird. Weitere Industrie-4.0-Hausaufgaben sind laut den Führungskräften die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet (80) sowie die Einigung auf weltweit einheitliche Standards (81). Der Cyber Security Report der Telekom, erstellt vom Institut für Demoskopie Allensbach und dem Centrum für Strategie und Höhere Führung Bodman, erscheint in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge.
 
Industrie 4.0 gewinnt an Fahrt

War der Begriff Industrie 4.0 im Jahr 2014 erst 38 Prozent der Unternehmen bekannt, sind es heute schon fast doppelt so viele (74). Nicht einmal ein Viertel der Entscheider (24) hat sich aber intensiver mit Industrie 4.0 beschäftigt. Mehr als die Hälfte (52) betrachten Industrie 4.0 als wichtiges Thema für das eigene Unternehmen und 44 Prozent sehen sich gut vorbereitet. Allerdings sehen sich die weniger gut vorbereiteten Unternehmen der verarbeitenden Industrie nicht im Wettbewerbsnachteil. "Die produzierende Industrie ist die Branche, die am offensichtlichsten von Industrie-4.0-Lösungen profitieren kann. Zudem gibt es hier schon eine ganze Reihe von konkreten Einsatzfeldern, insbesondere in der Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M)", sagt Anette Bronder, Director der Digital Division von T-Systems und somit verantwortlich für Industrie 4.0.

IT-Security in der Produktion

Mehr als die Hälfte (53) der Unternehmen in der verarbeitenden Industrie hat sich schon mit speziellen IT-Sicherheitskonzepten für den Produktionsbereich auf die zunehmende Digitalisierung eingestellt. 45 Prozent verfügen über Sicherheitslösungen für den Datenaustausch zwischen Produktionssteuerung und Produktion. Aus gutem Grund: Denn mehr als ein Drittel (36) der deutschen Unternehmen werden nach eigener Aussage mehrmals die Woche oder täglich von Cyberkriminellen angegriffen. Neun von zehn Unternehmen sind bereits Opfer von IT-Angriffen gewesen. "Wir müssen davon ausgehen, dass es zudem eine hohe Dunkelziffer unerkannter Angriffe gibt", fügte Bronder hinzu. "Durchschnittlich dauert es mehr als 220 Tage, bis ein Angriff überhaupt erkannt wird."

Unternehmen wähnen sich gut geschützt...

Trotz der hohen Zahl der Angriffe sehen nur zwölf Prozent ein sehr großes Risiko darin, dass ein Hackerangriff sie gravierend schädigen könnte. Dazu passt die Aussage von 60 Prozent der Entscheider in den Unternehmen, ihre IT sei so gut wie möglich auf Angriffe vorbereitet. Diese Aussagen bestätigen die Beobachtung, dass das Gefühl der Bedrohung sehr eng mit konkreten Vorfällen korreliert. Passiert wenig oder dringen keine spektakulären Fälle in die Öffentlichkeit, dann verdrängen die Unternehmen die Gefahren wieder, da sie sich nach wie vor eher ungern mit dem Thema IT-Sicherheit befassen. Nichtdestotrotz stellen laut den Entscheidern Cybergefahren und Datenschutzverletzungen das größte Risikopotenzial für die Bevölkerung in Deutschland dar. Von den Top-10-Risiken fallen fünf in diesen Bereich.
   
Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

92 Prozent der Führungskräfte in mittleren und großen Unternehmen sagen, dass IT-Sicherheit in ihrem Unternehmen einen hohen bis sehr hohen Stellenwert hat. Teilweise deutlich gestiegen sind die Ausgaben für IT-Sicherheit: 29 Prozent geben jetzt deutlich mehr aus als vor einigen Jahren, knapp die Hälfte (49) etwas mehr. Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Cloud Services unsicher sind. Nur 24 Prozent der Führungskräfte halten Cloud Computing für sicher. Damit hat sich das Vertrauen in Cloud Computing in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert. "Die Umfrage bestätigt unsere Strategie, sichere Geschäftsmodelle für die Cloud zu entwickeln und so das Vertrauen in die Cloud zu stärken", betonte Bronder. "Wir gehen davon aus, dass unsere Kombination von Cloud und deutschem Datenschutz eine Sogwirkung im Markt entfachen wird." 

54 Prozent der mittleren und großen Unternehmen in Deutschland sehen die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehenden Investitionskosten als große oder sogar sehr große finanzielle Herausforderung. Dies spiegelt sich auch in den IT-Kosten wider, die bei 85 Prozent der Unternehmen gestiegen sind. Interessant ist, dass fast ein Drittel (31) der Unternehmen nicht genau weiß, wofür sie im Bereich IT investieren sollten.

Die vom Institut für Demoskopie Allensbach und vom Centrum für Strategie und Höhere Führung Bodman im Auftrag der Deutschen Telekom durchgeführte repräsentative Studie stützt sich auf 645 Telefoninterviews. Befragt wurden zwischen Ende August bis Anfang Oktober ein repräsentativer Querschnitt von Politikern (113 Abgeordnete) sowie Top-Führungskräften aus mittleren und großen Unternehmen (532).