11-12-2015 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16630

Infineon Austria steigert Umsatz auf 1,427 Mio. Euro

Industrie 4.0 ist Schlüsselthema für Infineon

Der Chip-Hersteller Infineon Austria konnte im vergangenen Geschäftsjahr 2014/15 (Oktober 2014 bis September 2015) seinen Umsatz von auf 1,427 Mio. Euro um rund zehn Prozent steigern, der Vorjahrsumsatz betrug 1,3 Mio. Euro. Beim EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) kam es zu einer leichten Steigerung um zwei Prozent auf 152,1 Mio. Euro.

Das Infineon Vorstands-Trio sieht Industrie 4.0 als Schwerpunkt für 2016, v.l.: Operations Vorstand Thomas Reisinger, Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka und Finanzvorstand Oliver Heinrich. Foto: Wahlmüller

Das gute Ergebnis ist "auf die gute Marktentwicklung in der Chip-Produktion, die Produktivitätssteigerung am Standort Villach bei gleichzeitiger hoher Auslastung der Produktion zurückzuführen", betonte Infineon-Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka. Auch bei den Mitarbeitern gibt es ein Plus, die Zahl stieg um 188 auf 3.493 Personen. Neben der Infineon-Zentrale in Villach ist in Klagenfurt die IKT angesiedelt, in Graz sind rund 300 Mitarbeiter im Forschungszentrum beschäftigt, in Linz ist Infineon an einem Spin-off-Unternehmen der Kepler-Universität beteiligt und in Wien wird eine Vertriebsniederlassung betrieben. "Die Akademikerquote liegt derzeit bei fast 50 Prozent und hat sich in den letzten elf Jahren verdoppelt", berichtete Herlitschka.

Im Geschäftsjahr 2015 wurden in Villach rund 15,5 Milliarden Chips produziert. Die Fertigung in Villach ist das Kompetenzzentrum für die Produktion von Leistungselektronik im Infineon Konzern. Punkten kann Villach mit Fertigungsmethoden wie der 300-mm-Dünnwafer-Technologie, die seit Mitte 2015 bei der Produktion der neuen Chip-Generation für Automobil-Anwendungen zum Einsatz kommt. Die neuen Chips gehören zu den weltweit dünnsten ihrer Art.

Bedeutend ist für Infineon Austria die Übernahme des US Chip-Konkurrenten International Rectifier, die Akquise wurde im Jänner 2015 abgesegnet. "An der Integration werden wir auch im Jahr 2016 noch intensiv arbeiten", betonte Herlitschka.

Industrie 4.0 Schwerpunkt-Thema

Die Digitalisierung im industriellen Umfeld, unter dem Schlagwort Industrie 4.0 inzwischen bekannt, ist für Infineon ein wichtiger Schwerpunkt. Ende Oktober wurde dazu ein neuer Gebäudeverbund und ein Pilotraum Industrie 4.0 in Villach eröffnet. Für das Thema Industrie 4.0 sind Investitionen in der Höhe von 290 Mio. Euro bis 2017 veranschlagt, von den dazu geplanten 200 neuen Hightech-Jobs sind bereits 130 vergeben, "wir rekrutieren dafür weltweit und haben noch 70 Jobs zu vergeben", wies Herlitschka auch auf den Mangel an Fachkräften hin. Man brauche sowohl Leute für Forschung und Entwicklung als auch für die Produktion, sagte Operations-Vorstand Thomas Reisinger. "Am größten ist der Bedarf im Entwicklungsbereich." Physik und Elektrotechnik-Absolventen und Spezialisten sind besonders gefragt. In der Produktion benötige man Experten für Elektronik, Steuerung und Mechatronik.

Inhaltlich gehe es um eine "noch engere Verschmelzung von Fertigung und Entwicklung - wir wollen damit die Innovationszyklen beschleunigen und Produktivität und Qualität noch verbessern", betonte Herlitschka, "wir sind selbst Anbieter und gleichzeitig Anwender von Industrie 4.0", setzte die Infineon-Chefin hinzu. "Die Anwendung von Industrie 4.0 in der Praxis ist von Komplexität bestimmt, wir haben derzeit 1.500 Anlagen und erzeugen 1.900 unterschiedliche Produkte - in Zukunft wollen wir die Produkte noch punktgenauer fertigen und noch schneller produzieren", sagte Reisinger. Große Bedeutung kommt dabei dem Thema IT zu, die notwendigen Datacenter befinden sich in Villach und Klagenfurt.
 
Wichtige Fertigungs-Themen sind neben der zustandsorientierten und automatisierten Wartung und Steuerung der Anlagen der direkte, enge Kontakt zwischen Forschung und Produktion: "Wir wollen in den nächsten drei Jahren rund 15 Prozent an Entwicklungszeit einsparen", nannte Reisinger als Ziel. Auch die Mitarbeiter sollen Industrie 4.0 fit werden, dazu wurde intern ein eigenes Programm gestartet. Außerdem wurden einige neue Job-Profile bereits entwickelt, etwa auch hinsichtlich Echtzeit-Datenanalyse und komplexem größeren System-Verständnis. "Das Thema Industrie 4.0 hat in Österreich heuer sehr an Fahrt aufgenommen - aber es ist noch viel zu tun", sage Herlitschka, vom MONITOR zum Status von Industrie 4.0 in Österreich befragt.

Großes Investment in die Forschung

Wichtig ist Infineon auch die kräftige Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) in Österreich, dafür wurden im Geschäftsjahr 2014/15 363 Mio. Euro aufgewendet, das entspricht einer Quote von 25 Prozent vom Umsatz. Forschungs-Schwerpunkte sind einerseits die Weiterentwicklung von Leistungshalbleitern mit der Dünnwafer-Technologie sowie die Erforschung neuer Materialien für besonders energiesparende Chips. Darüber hinaus werden Sensorik- und Mikroelektromechanik-Komponenten sowie Sicherheits-Chips für Kartenanwendungen und Ausweise entwickelt.

Der deutsche Infineon-Konzern hatte vor zwei Wochen seine Ergebniszahlen präsentiert, der Konzernumsatz stieg auf rund 5,8 Mrd. Euro. Insgesamt beschäftigt der Chipkonzern mit Zentrale in München weltweit rund 35.000 Leute, davon 14.000 in Europa, 3.700 in den USA und 17.000 in Asien (cws).