10-12-2015 Gedruckt am 25-05-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16629

AIT vernetzt Smart Grids-Forschungsinfrastruktur

Mehr Intelligenz fürs Stromnetz

Auf Betreiben von AIT stellen 18 europäische Forschungseinrichtungen ihr Know-how und ihre Laborinfrastruktur all jenen zur Verfügung, die am Aufbau der intelligenten Stromnetze von morgen beteiligt sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das SmartEST Labor des AIT mit seiner Entwicklungs- und Forschungsinfrastruktur in Sachen Smart Grids.

Bild: krischanz.zeiler/AIT

Durch die verstärkte Nutzung dezentraler erneuerbarer Energiequellen werden die Stromnetze in ihrer jetzigen Form in absehbarer Zeit überfordert sein. Da die fluktuierende Einspeisung von Wind- oder Sonnenenergie oft nicht mit dem aktuellen Bedarf harmoniert, müssen sich Energieerzeuger und -verbraucher künftig verstärkt abstimmen, um Stromversorgung und -qualität zu sichern.
 
Dieses kontinuierliche Energiemanagement soll durch intelligente Energienetze erfolgen, die so genannten "Smart Grids". Das komplexe System integriert ausgefeilte Automations-, Informations- und Kommunikationstechnologien und liefert so Lösungen für die Herausforderungen der künftigen Energieversorgung. Bislang hat sich die Forschung vor allem auf die Entwicklung und Überprüfung bestimmter Aspekte dieser intelligenten Netze konzentriert, eine ganzheitliche Analyse und Evaluierung jedoch war mangels entsprechender Infrastruktur oft nicht möglich. 
 
Aus diesem Grund haben sich unter der Leitung von AIT 18 europäische Forschungsinstitutionen aus elf Ländern im transnationalen Projekt ERIGrid (European Research Infrastructure supporting Smart Grid Systems, Technologie, Development, Validation and Roll Out) zusammengeschlossen. Ziel des auf viereinhalb Jahre anberaumten Projekts ist es, allen an der Entwicklung von Smart Grid-Komponenten und -Konzepten beteiligten Wissenschafter und Unternehmen den Zugang zur europäischen Forschungsinfrastruktur und dem geballten Know-how in diesem Bereich zu ermöglichen.
 
„Die innovativen Methoden, Konzepte und Verfahren, die in diesem hochkarätigen Verbund entwickelt werden, sollen auch interessierten Forscher, Industriebetrieben, Systembetreibern oder Standardisierungsinstitutionen zur Verfügung gestellt werden“, erläutert Projektkoordinator Thomas Strasser vom AIT. Optimierte Forschungsservices für Analyse und Validierung neuer Smart Grid-Konfigurationen ergänzen das Angebot. 

Tests unter realistischen Bedingungen

Mit seiner innovativen Forschungs- und Simulationsinfrastruktur ermöglicht das SmartEST Labor (Smart Electricity Systems and Technologies) vom AIT genaue Analysen der Wechselwirkungen zwischen Netz und Komponenten unter sehr praxisnahen Bedingungen. Das High-Tech-Labor beinhaltet frei konfigurierbare Niederspannungsnetze, flexible Netzsimulatoren, PV-Simulatoren sowie eine Klimakammer zur Durchführung von Tests unter extremen Witterungsbedingungen.
 
Elektrische Netze können im SmartEST Labor in Echtzeit simuliert und an die Labornetze gekoppelt werden. „Power Hardware in the Loop“-Verfahren ermöglichen die Einbindung realer Komponenten in eine simulierte Netzumgebung, sodass die Tests unter realistischen Voraussetzungen stattfinden können. „Diese Kombination von hochwertiger Testinfrastruktur und Simulationen schafft die Voraussetzung für umfassende Systemuntersuchungen und völlig neue Testmöglichkeiten für Komponentenhersteller und Systembetreiber“, so Strasser stolz.