31-7-2015 Gedruckt am 27-06-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16496

Link11-Analyse liefert exklusive Einblicke

DDoS-Erpresser: Österreich im Visier

Die international tätige Gruppierung DD4BC attackiert Unternehmen in Deutschland und Österreich und schädigt deren IT-Infrastruktur. Die Ziele sind wie schon in anderen Ländern Großunternehmen im Finanzsektor sowie SaaS- und Hosting-Unternehmen.

Seit Ende 2014 ist die Cybercrime-Gruppe bereits aktiv. Bislang konnte man ihnen noch nicht das Handwerk legen. Foto: I-vista / pixelio.de

Aktuell erpressen die Cyberkriminellen DD4BC (DDoS for Bitcoins) Unternehmen in Deutschland und Österreich und greift diese auch an. Großunternehmen im Finanzsektor sowie SaaS- und Hosting-Unternehmen erhalten Erpresser-Mails von anonymen Mail-Diensten wie openmailbox.org und tutanote.com, in denen branchenabhängig bis zu 50 Bitcoins (ca. 11.500 Euro) innerhalb von 24 Stunden gefordert werden. Sollte die Zahlung ausbleiben, droht DD4BC mit anhaltenden DDoS-Attacken mit einem Volumen von 400 bis 500 Gbps. Außerdem erhöht sich die Schutzgeldforderung auf 100 Bitcoins und steigt weiter im Stunden-Takt.

Ernste DDoS-Bedrohungslage

DD4BC untermauert ihre Forderungen in der Erpresser-Mail direkt mit einer ersten Attacke und demonstriert so auch gleich die eigenen Fähigkeiten. Die Attacke überlastet die Systeme der Unternehmen ohne DDoS-Schutz in den meisten Fällen und bringt die Web-basierten Services und Prozesse sowie Unternehmensnetzwerke meist vollständig zum Erliegen. Bleibt die geforderte Bitcoin-Zahlung aus, starten die Erpresser die angekündigte Attacke mit Peaks bis zu 50 Gbps.
 
Jens-Philipp Jung, Geschäftsführer der Link11 GmbH: "Die Zahl der Unternehmen, die von DD4BC unter Druck gesetzt werden, ist alarmierend. Durch die unangekündigte erste DDoS-Attacke und die vermehrten Vorfälle in der DACH-Region ist die Gefahr für ungeschützte Unternehmen in Deutschland momentan sehr hoch. Erst Anfang Mai mussten wir deutsche E-Commerce-Shops vor der bisher größten Erpresserwelle warnen. Bei den aktuellen Vorfällen richten sich die Geldforderungen gegen den Finanzsektor und Anbieter von Online-Dienstleistungen. Jedes Unternehmen, das eine Erpresser-E-Mail von DD4BC erhält, sollte diese unbedingt ernst nehmen. Schon die Warn-Attacke kann ein Unternehmensnetzwerk empfindlich treffen.“

Technische Details zu den DDoS-Attacken

Das Link11 Security Operation Center (kurz LSOC) hat seit Beginn der Erpresserwelle Ende Juni 215 zahlreiche Attacken von DD4BC abgewehrt, das Vorgehen sowie die Gefährdung analysiert und wiederkehrende Angriffsmuster festgestellt: Zu Beginn erfolgt eine UDP-Flood auf die Webserver, worauf in den meisten Fällen eine TCP-SYN-Flood folgt. Insgesamt dauert der Angriff in der Regel zirka eine Stunde und erreicht Peak-Bandbreiten nahe 100 Gbps. Eine detaillierte Zusammenfassung aller Erkenntnisse liefert die „Link11 Sicherheitsanalyse DDoS-Erpressung durch DD4BC“. Frei zugängliche Informationen zur DDoS-Bedrohungslage bietet auch die Webseite www.ddos- info.de/meldung.html.

Wiederholungstäter

Unter DDoS-Schutzexperten ist DD4BC schon länger bekannt. Die Cybercrime-Gruppe setzt seit Ende 2014 immer wieder DDoS-Attacken gegen Unternehmen ein, um an Bitcoins zu gelangen. Dabei gehen sie Länderweise vor: USA, Neuseeland, Australien, Großbritannien. Noch im Mai war DD4BC in der Schweiz und Großbritannien sehr aktiv, attackierte wenige Woche danach aber schon Unternehmen in Skandinavien. Weder die anonymisierten E-Mail-Adressen noch die Bitcoin-Konten lassen sich zurückverfolgen.